„Er ist der Richtige“

Baden-Baden (kli) – Der Online-Parteitag der CDU steht bevor, die Spannung steigt. Schließlich wird ein neuer Chef gewählt. Wie positioniert sich die CDU in Mittelbaden? Einer hat sich festgelegt.

Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz: Norbert Röttgen (links), Armin Laschet (Mitte) und Friedrich Merz.   Foto: Michael Kappeler/dpa

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Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz: Norbert Röttgen (links), Armin Laschet (Mitte) und Friedrich Merz. Foto: Michael Kappeler/dpa

Während die Republik gebannt auf den bevorstehenden CDU-Online-Parteitag schaut und die Frage, wer neuer Chef der Partei wird, hat sich einer längst entschieden, der gar nicht abstimmen darf. Der Baden-Badener Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker hat sich hinter Norbert Röttgen gestellt.

Baden-Baden stellt keinen der 1.001 Delegierten, dafür kommen drei vom Kreisverband Rastatt (siehe zum Thema am Ende des Textes), die sich noch nicht festlegen wollen. Whittaker aber hat sich positioniert. Und zwar für jenen Kandidaten, dem lange Zeit nur Außenseiterchancen eingeräumt wurden. Inzwischen hat Röttgen in Umfragen aufgeholt, aber ob das reicht, um gegen Armin Laschet und Friedrich Merz zu bestehen?

„Norbert Röttgen ist aus meiner Sicht der Richtige, der klar erkannt hat und es auch klar kommuniziert, dass wir als Union in einer veränderten Welt neue Antworten liefern müssen. Das heißt, wir müssen uns als Union weiterentwickeln“, sagt Whittaker im BT-Gespräch.

Kurs der „modernen Mitte“

Die CDU, so findet der 35-Jährige, stehe an einer historischen Wegmarke. Man habe 16 Jahre mit Angela Merkel an der Spitze erfolgreich regiert und gehe im Herbst ohne amtierenden Kanzler in eine Bundestagswahl, ein Novum. Und Deutschland stehe vor einschneidenden Herausforderungen. Die Krisen nähmen an Häufigkeit, Ausmaß und Schärfe zu. „Wir haben bisher das Land gut durch die Krisen gebracht, aber jetzt geht es darum, die Grundlagen dafür zu legen, nicht in jeder Krise durchgeschüttelt zu werden“, meint er. Dafür sei Röttgen der Richtige. Seinen Kurs der „modernen Mitte“, der nicht an die extremen Ränder gehe, hält Whittaker dafür für geeignet.

Kai Whittaker vertritt in der „Lenkungsgruppe“ Röttgens das Thema Nachhaltigkeit. Foto: pr

Kai Whittaker vertritt in der „Lenkungsgruppe“ Röttgens das Thema Nachhaltigkeit. Foto: pr

Herausforderungen seien etwa die Digitalisierung, die internationale Politik mit der Machtverschiebung hin zu China, der Klimawandel, der demografische Wandel.

Whittaker eindringlich: „Wir haben nur noch die 20er Jahre, um diese Themen zu lösen. Danach werden wir von diesen Themen eingeholt und überrollt und werden kaum noch eine Chance haben, zu gestalten.“ Röttgen verkörpere den notwendigen Aufbruch für diese Themen.

Mitglied in der „Lenkungsgruppe“

Der Baden-Badener ist Mitglied in der „Lenkungsgruppe“ Röttgens. Darin sind CDU-Mitglieder sowie externe Fachleute vertreten. Whittaker selbst wurde für das Thema Nachhaltigkeit in das Team berufen – und soll dieses Thema auch im Wahlkampf vertreten, falls Röttgen neuer CDU-Chef wird.

Röttgen wirkt wie der grünste der drei Bewerber, das Thema Klimaschutz wird von ihm stärker vertreten als von seinen beiden Mitbewerbern Laschet und Merz, wie auch in der letzten CDU-internen Kandidatenrunde vergangenen Freitag zu erkennen war. Ist mit ihm eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl die wahrscheinlichste Option? Nicht unbedingt, findet Whittaker. „Mit Röttgen ist es zunächst mal möglich, dass wir als Union stärkste Kraft werden und den Kanzler stellen können. Mit wem wir koalieren, hängt dann davon ab, was mathematisch und politisch möglich ist.“

Man dürfe nicht schon im Vorfeld Koalitionsgespräche führen und die „Partei kleiner machen, als sie ist“.Koalitionen kämen mit SPD, FDP und Grünen infrage. Röttgen stehe aber gerade nicht für ein bestimmtes Lager, sei es das konservative oder das liberale.

„Die CDU ist mehr als Wirtschaftspolitik“

Diejenigen, die für Unterscheidbarkeit der CDU eintreten, setzen sich stark für Friedrich Merz ein. Whittaker überzeugt das nicht. „Friedrich Merz hat die Gabe, pointiert zu formulieren. Und er ist ein profilierter Kopf im Bereich der Wirtschaftspolitik, aber die CDU ist mehr als Wirtschaftspolitik. Die CDU muss auch Gesellschaftspolitik und nachhaltige Politik können. Ich glaube, Röttgen ist derjenige, hinter dem sich alle Gruppen in der Union guten Gewissens wiederfinden können.“

Aus Sicht Whittakers wäre Röttgen auch ein guter Kanzlerkandidat. Auch wenn dieser durchsickern hat lassen, dass er die Kandidatur auch anderen überlassen könnte. „Ein CDU-Vorsitzender muss sich die Kanzlerkandidatur grundsätzlich zutrauen. Die Delegierten sollten es auch, sonst sollten sie ihn erst gar nicht zum Parteivorsitzenden wählen. Aber am Ende geht es um die Bestaufstellung der Union für die Bundestagswahl. Und wie diese aussieht, können wir heute, im Januar, noch nicht sagen.“

Und wenn Röttgen es am Samstag nicht schafft? „Dann haben wir einen anderen Vorsitzenden“, sagt Whittaker lachend. Wichtig sei dann der Zusammenhalt der Partei. Wer auch immer gewählt wird, müsse es schaffen, alle Teile der Partei einzusammeln, fordert er. „Und wir müssen uns hinter diesem Vorsitzenden auch versammeln. Wenn wir nicht als geschlossene Partei auftreten, werden wir diese Wahlen nicht bestehen“, glaubt Whittaker.

Zum Thema: Schäuble, Wald und Becker nehmen teil

Zur Neuwahl des neuen Parteichefs legen sich die Drei aus dem Kreis Rastatt anders als etwa die drei Karlsruher Delegierten, die allesamt Friedrich Merz unterstützen, nicht auf einen Kandidaten fest – weil das Stimmungsbild im Kreisverband nicht einheitlich sei.

Brigitte Schäuble. Foto: pr

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Brigitte Schäuble. Foto: pr

„Die anstehende Wahl zum Parteivorsitzenden ist eine schwierige Entscheidung, die uns wirklich nicht leicht fällt. Nur eines ist schon jetzt sicher: Wir sind dankbar, dass wir eine Auswahl haben, und egal wer letztlich das Rennen macht – wir werden den neuen Parteivorsitzenden mit aller Kraft unterstützen“, lassen sie in einer im Namen aller drei Delegierten abgefassten Erklärung auf Anfrage des BT wissen. Es gebe einiges abzuwägen: „Kann der neue Vorsitzende die Partei hinter sich bringen, kann er auch Kanzler und könnte er in dieser Funktion Deutschland weiter nach vorne bringen?“, fragen Brigitte Schäuble, Alexander Becker und Tobias Wald. Die drei Kandidaten hätten unterschiedliche Profile und Schwerpunkte.

„Um die Stimmung im Kreisverband auszuloten, haben wir vor Kurzem eine virtuelle Mitgliederkonferenz dazu abgehalten. Bei den Teilnehmern gab es keine eindeutige Präferenz für einen der Bewerber.“ So gebe es Fürsprecher für Achim Laschet, „weil er ein erfahrener Ministerpräsident ist und am ehesten den erfolgreichen Kurs von Angela Merkel fortzusetzen verspricht“. Laschet sei auf allen Politikfeldern versiert und könnte mit seiner verbindlichen Art die verschiedenen Flügel der Partei sehr gut hinter sich vereinen.

„Andererseits werden wir nach Corona große wirtschaftliche Probleme haben. Davon hängen Existenzen und viele Arbeitsplätze ab. Da wäre ein Friedrich Merz, mit seiner Expertise natürlich gerade der Richtige. Er gilt als zupackend, steht für einen energischen Kurs, erkennt die Probleme und ist lösungsorientiert“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. „Für Norbert Röttgen spricht seine außenpolitische Erfahrung, er ist eloquent, steht für Erneuerung und Aufbruch, hat aus Niederlagen gelernt, spricht besonders junge Wähler und vor allem auch Frauen an.“

Wie sich die drei Vertreter aus dem Kreisverband als Delegierte beim Online-Parteitag entscheiden werden und wer schließlich das Rennen macht? „Die Reden auf dem Parteitag werden letztlich den Ausschlag geben.“

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Erstellt:
14. Januar 2021, 09:40 Uhr
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