Erfolgreiche Integrationskurse in Bühl

Bühl (nad) – Wieder hat eine Klasse des Sprach- und Integrationskurses in Bühl ihre Abschlussprüfung bestanden. Seit 2005 gibt es diese Angebote. Die Verantwortlichen sprechen über ihre Erfahrungen.

Nach 700 Unterrichtsstunden endlich das Zertifikat in der Hand: Stolze Absolventen des Sprach-und Integrationskurses. Foto: Stadt Bühl

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Nach 700 Unterrichtsstunden endlich das Zertifikat in der Hand: Stolze Absolventen des Sprach-und Integrationskurses. Foto: Stadt Bühl

Interaktiver Unterricht mit Händen und Füßen – so kann man sich den Sprach- und Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorstellen, der regelmäßig von der Stadt Bühl angeboten wird, um Zuwanderer fit in der deutschen Sprache zu machen. Eine bunt gemischte Klasse mit 19 Personen aus 17 Ländern hat im Juli den Kurs erfolgreich abgeschlossen.
600 Deutsch-Lernstunden plus 100 Stunden Orientierungskurs zu Themen wie „Politik in der Demokratie“ und „Mensch und Gesellschaft“ haben die Absolventen seit November 2019 hinter sich gebracht. Eine „sehr intensive“ Zeit mit „großer Kraftanstrengung für die Schüler“, sagt Carmen Erles, eine der Lehrkräfte des Sprach- und Integrationskurses. Jetzt dürfen sich die Absolventen über ihre bestandenen Prüfungen freuen, bei denen Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen geprüft wurden. Sieben Mal wurde das Sprachniveau A2 erreicht, für das anspruchsvolle Sprachniveau B1 gab es zwölf Zeugnisse.

Erles, die seit ihrem ersten Sprachkurs für Mütter an der Weitenunger Grundschule 2008 regelmäßig Sprach-und Integrationskurse gibt, erzählt im BT-Gespräch, wie sie ihre Unterrichtsstunden gestaltet: Grammatikspiele, gemeinsam Lieder singen, gegenseitige Interview-Runden und vor allem gestikulieren und „viel Körpereinsatz zeigen“. Das bedarf viel Geduld, schließlich müsse man quasi bei Null anfangen und viel üben und wiederholen, bis die Teilnehmer ihre ersten vollständigen Sätze auf Deutsch sagen können.

Eine Mappe voller Erinnerungen

Die Lehrerin erinnert sich gerne an ihre Klassen und all die verschiedenen Menschen, die sie dabei kennenlernen konnte, zurück. „Wenn die Klasse harmoniert, ist es eine ganz tolle Sache“, betont sie und zeigt eine Mappe, in der sie viele Erinnerungen sammelt, von Fotos der Abschlussklassen über Geburtstags- und Weihnachtskarten bis hin zu einem Porträt von ihr, das ein Schüler gemalt hat. Auch ein Gedicht ihrer Schüler, in dem ihre Eindrücke von Deutschland zusammengefasst sind, ist sicher in der Mappe einsortiert. „Viele Leute trinken Bier, Apfelschorle und Wein“, heißt es darin zum Beispiel, „Auf der Straße gibt es Toiletten für Hunde“, oder auch „Deutsche Familien sind pünktlich“.

In den meisten Fällen haben sich die Kursteilnehmer unterschiedlicher Länder und Kulturen „gut vertragen und akzeptiert“, berichtet Erles. Auch außerhalb der Kurse wurden Freundschaften geschlossen, die Julia Huber, Leitung der städtischen Abteilung für Kultur-, Sport- und Generationenarbeit, als sehr wichtig erachtet, um außerhalb der eigenen Familie Kontakte zu knüpfen, Deutsch im Alltag zu sprechen, und so „Fuß in der Gemeinschaft zu fassen.“

Doch nicht immer funktioniert alles ohne Probleme. So habe es Erles zufolge auch schon „schwierige Momente“ gegeben, in denen sich die Teilnehmer nur mühevoll an die westliche Kultur gewöhnen konnten, beispielsweise bei einer gemeinsamen Weihnachtsfeier, die nicht jeder besuchen wollte. „Viele sind sehr verhaftet in ihrer Kultur.“

Pandemiezeit als Herausforderung

Eine weitere Herausforderung stelle die lang anhaltende Pandemie dar. Zwar seien dem Sprach- und Integrationskurs besondere Möglichkeiten eingeräumt worden, weshalb es trotz Lockdown nur wenige Unterrichtsausfälle gab, aber die Corona-Schutzmaßnahmen hätten die Gestaltung und Durchführung des Unterrichts erschwert. „Es ist sehr anstrengend für alle Beteiligten“, beklagt Erles und nennt als Beispiel die kaum mögliche Erklärung der Lautunterschiede von „M“ und „N“ wenn man einen Mundschutz trägt. Auch die interaktiven Spiele oder Gruppenarbeiten, die den Unterricht auflockern, seien aufgrund der aktuellen Verordnungen nicht realisierbar.

Zu vielen ihrer ehemaligen Schüler hat Erles noch Kontakt und wird manchmal sogar von ihnen zu Feiern eingeladen. Auch Sandra Müller vom städtischen Bildungsportal, die quasi Vermittlerin zwischen Schülern, Lehrern und dem BAMF ist, hat schon so manches Kursfest miterlebt. Bei einem davon haben die Teilnehmer typische Speisen ihrer Heimatländer mitgebracht: mexikanische Burritos, chinesische Dim Sum, ungarisches Gulasch, indische Samosas und noch viele weitere Spezialitäten. Ein Rumäne habe überraschenderweise etwas aus seiner neuen Heimat mitgebracht, nämlich eine Schwarzwälder Kirschtorte, erinnert sich Müller, „das war voll sein Ding“.

Freuen sich für die Absolventen: Carmen Erles (vorne), Sandra Müller (links) und Julia Huber (rechts). Foto: Natalie Dresler

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Freuen sich für die Absolventen: Carmen Erles (vorne), Sandra Müller (links) und Julia Huber (rechts). Foto: Natalie Dresler

Seit 2005 bietet die Stadt Bühl die Sprach-und Integrationskurse schon an, aktuell finden acht Kurse parallel statt. Vor den Sommerferien hat Erles einen großen Blumenstrauß von ihren Schülern „einfach so“ auf den Tisch gestellt bekommen. Solche Gesten der Dankbarkeit erfreuen die Lehrerin auch nach 13 Jahren noch sehr, wie sie selbst sagt.

Die nächsten Sprach-und Integrationskurse starten am 30. September (vormittags) und am 9. November (abends), Anmeldungen sind ab dem 31. August möglich. Auskunft und weitere Infos gibt es bei Sandra Müller, (07223)935370, oder auf der Homepage der Stadt Bühl unter „Leben in Bühl“/„Integration“.

www.buehl.de

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
12. August 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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