Erhitzte Gemüter, deutliche Worte

Baden-Baden/Rastatt (fk) – Die Stadt Baden-Baden kontert öffentliche Kritik des Pflegebündnisses Mittelbaden zur Verteilung von Schutzkleidung mit deutlichen Worten. Auch der Landkreis Rastatt beteuert, man tue, was man könne.

Wenig wertgeschätzt und von der Politik vergessen fühlt sich das Pflegebündnis Mittelbaden.Foto: Berg/dpa

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Wenig wertgeschätzt und von der Politik vergessen fühlt sich das Pflegebündnis Mittelbaden.Foto: Berg/dpa

Deutlich war sie, die Antwort von Baden-Badens Bürgermeister Roland Kaiser auf öffentlich vorgetragene und an die Medien lancierte Kritik des Pflegebündnisses Mittelbaden. Sehr deutlich. Tenor: Die Stadt versuche alles, um die Einrichtungen und Organisationen mit dem Nötigsten an Schutzmaterialien zu versorgen und gehe über das pauschale Maß der Verteilung hinaus. Kritik sei daher absolut unangebracht, weswegen die Abgabe nun wieder nach festgelegtem Schlüssel erfolge, was speziell für die Pflegeeinrichtungen eher einen Nachteil gegenüber der aktuellen Verteilpraxis darstelle.
Das Pflegebündnis Mittelbaden hatte sich zuvor öffentlich darüber beklagt, dass die Stadt eine Bedarfsabfrage am Freitagnachmittag um 16 Uhr verschickt habe und man die Materialien selbst abholen müsste. Gestern legte das Bündnis dann in einer Pressemitteilung noch mal nach und warf der Politik – besonders auf kommunaler Ebene – „absolute Handlungsunfähigkeit“ und fehlende Wertschätzung für die Pflege vor. So formuliert es Marius Schulze Beiering, Vorstandsmitglied des Pflegebündnisses und Stiftsdirektor vom Parkstift Hahnhof in Baden-Baden. Das lässt sich die Stadt Baden-Baden in diesen Zeiten aber offensichtlich nicht zweimal sagen.

Klinikum bekommt am meisten Ausrüstung

Die dem BT vorliegende Antwort von Sozialdezernent Kaiser erlaubt jedenfalls keine zwei Interpretationen, welche Haltung das Rathaus hat: „Die Stadtverwaltung ist kurzfristig vom Sozialministerium Baden-Württemberg gebeten worden, die zentral vom Land und Bund bereitgestellte Schutzausstattung vor Ort zu verteilen. Da die zu bedienenden Einrichtungen unterschiedlichen Zuschnitt haben, wäre aus unserer Sicht die Abfrage der Bedarfssituation – wie am Freitag von uns durchgeführt – sachgerecht, um das knappe Material dorthin zu lenken, wo es tatsächlich am dringendsten gebraucht wird.“ Nach der Intervention im Namen des Pflegebündnisses habe man diese Vorüberlegungen aber nun zurückgestellt und werde das Material pauschal nach der Quote des Landkreises Rastatt verteilen. Heißt im Klartext: Weniger für das Pflegebündnis. Kaiser schreibt: „Zwei Fünftel der gelieferten FFP-2 Masken werden an das Klinikum abgegeben, zwei Fünftel an die stationären Pflegeeinrichtungen und das übrige Fünftel an die ambulanten Pflegedienste. Die Einrichtungen, die jetzt zum Zuge kommen, werden von unserer Abteilung Katastrophenschutz direkt benachrichtigt.“ Zahnärzte und andere Einrichtungen müssten ebenfalls noch zukünftig von der Landeslieferung bedient werden.

Das Pflegebündnis sah sich hingegen von der Stadt benachteiligt – Zusagen und Versprechungen habe man „leicht zweifelnd“ aufgenommen und Bitten um Geduld respektiert, aber außer der Bedarfsanfrage am Freitag sei in Baden-Baden nichts passiert.

2600 Schutzmasken für 55 Auslieferungsstellen

Im Landkreis Rastatt sehe es ein wenig besser aus, denn dort seien in Gaggenau an das Pflegebündnis just am Freitag 20 Schutzmasken verteilt worden, aber auch das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das weiß auch Landkreispressesprecherin Gisela Merklinger, die sich mit Gegenkritik zurückhält, aber beteuert, das alles Menschenmögliche getan werde und von Landesseite im Moment schlicht nicht mehr Schutzmasken zur Verfügung stünden. Das Landratsamt bemühe sich deshalb bereits um eigene Beschaffungswege. Die Behörde hatte am Freitag alle 2600 verfügbaren Schutzmasken an 55 Auslieferungsstellen verteilt.

Festzuhalten bleibt: Die Gemüter kochen hoch und das werden sie – da muss man kein großer Prophet sein – auch weiter. Die Stadt Baden-Baden sieht nach der Kritik, dass die Mail freitags erst um 16 Uhr versendet wurde, jedenfalls keinen Grund, diesen Mehraufwand weiter zu betreiben. Das Pflegebündnis moniert: „Die Pflege scheint – wieder mal – auf sich allein gestellt.“

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Erstellt:
30. März 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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