Erhöhtes Risiko für Legionellenerkrankung

Rastatt/Stuttgart (for) – Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat zuletzt eine gestiegene Zahl an Legionellenfällen registriert. Auch im Landkreis Rastatt sind Erkrankungen gemeldet worden.

Legionellen sind Bakterien, die durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser übertragen werden, zum Beispiel beim Duschen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Legionellen sind Bakterien, die durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser übertragen werden, zum Beispiel beim Duschen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Bleiben Duschen, Wasserhähne oder Badeanstalten lange Zeit ungenutzt, kann dies das Risiko für Legionellen erhöhen. Die Bakterien werden durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser übertragen. Nach Auskunft des Landesgesundheitsamts (LGA) in Stuttgart ist die Zahl der Legionellenfälle in Baden-Württemberg zuletzt deutlich gestiegen. Auch im Landkreis Rastatt wurden Fälle registriert.

Drei Fälle im Landkreis Rastatt

Von Juni bis zum 6. August sind beim LGA 97 Fälle mit Erkrankungsbeginn ab dem 1. Juni registriert worden. Darunter seien sieben Todesfälle, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Das sei die höchste Anzahl an Erkrankungen im Vergleich zu den gleichen Zeiträumen der Jahre 2001 bis 2020. Die Fälle traten querbeet durch Baden-Württemberg auf.

Betroffen sind laut Angaben der dpa 31 Stadt- und Landkreise, von denen es 44 in Baden-Württemberg gibt. Das Gesundheitsamt Rastatt, das sowohl für den Landkreis Rastatt als auch für den Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist, hat von Juni bis August 2021 insgesamt drei Fälle einer Legionellenerkrankung registriert – „alle im Landkreis Rastatt“, wie Benjamin Wedewart, Pressesprecher beim Landratsamt, gegenüber dem BT sagt. Ein Zusammenhang der einzelnen Fälle sei jedoch nicht erkennbar. Bei einer Person habe die Erkrankung zum Tod geführt. Dennoch könne er bislang noch nicht von einem auffälligen Anstieg an Legionellen-Erkrankungen im Landkreis sprechen, so Wedewart. „Ein bis vier Fälle haben wir eigentlich jedes Jahr, die Zahl schwankt zwar immer ein wenig, grobe Ausreißer haben wir aber nicht.“

Im Landkreis Ortenau und im Landkreis Ludwigsburg ist der Anstieg dagegen deutlich höher, dort gab es jeweils acht Erkrankte im genannten Zeitraum. „Wir wissen nicht, wo sich die Menschen angesteckt haben. Bisher haben wir keinen gemeinsamen Nenner ausgemacht“, sagt Jens Fleischer, Labor- und Sachgebietsleiter Wasserhygiene im LGA. Auch könne man nicht von einem Ausbruch sprechen, sondern von einer Häufung von Erkrankungen, die im gleichen Zeitraum stattfanden. Fleischer weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Legionellen nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden können. „Insofern hat es immer einen technischen Hintergrund“, merkt er an.

Lockdown als mögliche Ursache

Ob der monatelange Stillstand in manchen Einrichtungen dazu geführt habe, dass sich Legionellen ausbreiten konnten, sei noch unklar. „Wir vermuten, dass Rückkühlwerke oder Kühltürme von Industrieanlagen oder Warmwasserinstallationen in Gebäuden nicht so gewartet wurden, wie sie sollten. Dies wäre eine mögliche Erklärung.“ Die betroffenen Gesundheitsämter der Kreise seien gerade dabei, Fragebögen des LGA zu beantworten. „Danach weiß man vielleicht mehr“, so Fleischer.

Ähnlich wie bei einer Corona-Infektion gebe es auch bei Legionellen-Erkrankungen eine Meldepflicht, erklärt Wedewart. „Unser Gesundheitsamt gibt die Daten dann entsprechend an das LGA weiter, welches die Informationen wiederum an das Robert-Koch-Insitut (RKI) weiterleitet.“

Das RKI selbst hatte laut dpa bereits im vergangenen Jahr vor einem möglichen Legionellen-Risiko infolge wochenlanger Schließungen von Hotels, Sportanlagen und Schwimmbädern gewarnt. Bei unsachgemäßer oder fehlender Wartung könne es nach dem Lockdown zu einem erhöhten Wachstum dieser Bakterien in Trinkwasseranlagen gekommen sein, schrieb das RKI. Betreiber sollten vor einer Wiedereröffnung ihrer Trinkwasseranlagen deshalb einen einwandfreien Betrieb sicherstellen.

Pflicht zur Legionellen-Prüfung

Laut Wedewart sind öffentliche Einrichtungen einmal im Jahr zu einer Legionellen-Prüfung verpflichtet. Für gewerbliche oder private Einrichtungen bestehe diese Prüfungspflicht nur alle drei Jahre. „Derzeit liegen dem Gesundheitsamt 200 Fälle vor, bei denen die Frist zur Prüfung überschritten ist“, merkt Wedewart an. Das Gesundheitsamt sei dabei, diese Fälle zu prüfen. Bei der Gefährdungsanalyse gebe es verschiedene Stufen. Im schlimmsten Fall muss das Gesundheitsamt eine Nutzungsschließung aussprechen“, erklärt Wedewart.

Legionellen können bei Menschen Krankheiten auslösen – von grippeartigen Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen. Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes Wasser übertragen, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne.


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