Erinnerung an Muggensturmer NS-Opfer

Muggensturm (yd) – Die Opfer des nationalsozialistischen Regimes sollen nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb will Franz König nun auch in Muggensturm einen Arbeitskreis Stolpersteine gründen.

Franz König will in Muggensturm einen Arbeitskreis Stolpersteine gründen. Foto: Yvonne Hauptmann

Franz König will in Muggensturm einen Arbeitskreis Stolpersteine gründen. Foto: Yvonne Hauptmann

„Uns geht es darum, gegen das Vergessen anzugehen“, sagt Franz König. Der Muggensturmer hat zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Tina Blomenkamp bereits einige Mitstreiter um sich versammelt: In den kommenden Wochen soll auch ein Verein „Stolpersteine“ gegründet werden.

Alle Opfer ermitteln

Auch im benachbarten Kuppenheim gibt es einen Arbeitskreis Stolpersteine, von dort kam auch der Anstoß, in Muggensturm nachzuziehen. Man wolle sich darum bemühen, diejenigen, die im „Dritten Reich“ verfolgt und ermordet wurden, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sagt Franz König. Ziel sei es, zu ermitteln, welche Muggensturmer Mitbürger einst von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Neben den jüdischen Einwohnern der Gemeinde seien dies auch Opfer der Euthanasieprogramme oder politisch Verfolgte. „Wir sehen es also auch als unsere Aufgabe an, zu ermitteln, welche Muggensturmer zum Opfer wurden.“ Glücklicherweise könne man dabei auf die Erfahrungen des Kuppenheimer Arbeitskreises zurückgreifen. Dessen Sprecher Heinz Wolf habe ihm bereits umfangreiches Material zur Verfügung gestellt.

Stolpersteine verlegen

Außerdem gehe es natürlich auch darum, an die Opfer zu erinnern: Mit Hilfe von sogenannten Stolpersteinen, also Messingwürfeln, auf denen die Namen der Betroffenen vermerkt sind und die auf den Gehwegen vor ihren früheren Wohnhäusern verlegt werden, wolle man an die Verfolgten und Ermordeten erinnern. „Muggensturm hatte nie eine große jüdische Gemeinde. Aber wir wissen bereits jetzt, dass es eine jüdische Familie gab, deren Vater von den Nationalsozialisten ermordet wurde.“ Dem Sohn, Herbert Heimann, gelang die Flucht in die USA. Er sei nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal zu einem Besuch nach Muggensturm zurückgekehrt und sehr freundlich empfangen worden, erinnert sich der 83-jährige Initiator. Und auch die Geschichte des Schneidermeisters Lorenz Knapp, der aufgrund seiner Ansichten wohl auch in Widerspruch mit dem NS-Regime kam, sei in Muggensturm bekannt. Er sei verhaftet und totgeprügelt worden. Als sein Sarg für die Beerdigung zu Hause abgeholt wurde, seien die Straßen von Menschen gesäumt gewesen.

Vereinsgründung geplant

Solche Geschichten seien es, an die man erinnern wolle. Zunächst steht nun die ordentliche Vereinsgründung an, Franz König hat vor, den Vorsitz zu übernehmen. Eine vorbereitende Sitzung soll am Dienstag, 28. September, in den Räumen der evangelischen Kirche in Muggensturm stattfinden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Yvonne Hauptmann

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Erstellt:
24. September 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 08sec

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