Erinnerung an unmenschliche Geschehnisse

Von Christiane Vugrin

Gaggenau (cv) – An der Gedenktafel im Kurpark Bad Rotenfels ist ein Kranz angelehnt, davor werden rote und weiße Nelken niedergelegt. Erinnert wird an das Ende des Hitlerfaschismus.

Erinnerung an unmenschliche Geschehnisse

Sehr bewegende Worte sind bei der Gedenkveranstaltung im Kurpark von Helmut Böttcher (links) zu hören. Foto: Christiane Vugrin

„Die Vernichtung der Wurzeln des Faschismus ist unser Ziel“, prangt plakativ in weißer Schrift auf rotem Transparent. Der Abschluss der Veranstaltung zum 8. Mai, die auch an die ermordeten Inhaftierten des „Sicherungslagers Rotenfels“ erinnerte, ist beeindruckend. Die Resonanz in der Pandemie-Zeit mit 85 Besuchern ebenso.

Es war das erste Mal, dass die „Initiative 8. Mai – Murgtal gedenkt“ die Gedenkveranstaltung organisierte. „Diese Aktion ist sozusagen unser Startschuss und es freut uns sehr, dass so viele Personen gekommen sind“, meinte Nadine Rahner. Mit Niklas Raymann und Michael Janus gründeten drei engagierte Gaggenauer im Frühjahr die Initiative. Zum großen Interesse beigetragen hat sicherlich die Ankündigung eines Redebeitrags von Helmut Böttcher. Als einer der Autoren des Buchs „Sicherungslager Rotenfels. Ein Konzentrationslager in Deutschland“ ist der ehemalige Realschullehrer und frühere Ortsvorsteher von Oberweier in der Region bekannt.

„Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“

Anstelle von Livemusik gab es Musik aus der Box. Mit ausgesuchten Liedern wurden die Redebeiträge umrahmt. Der Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ von Danger Dan stimmte die Besucher in das Thema „Faschismus“ ein, bevor Michael Janus die Begrüßung übernahm.

„Wir haben uns bewusst für dieses Eröffnungslied entschieden, weil es eine wichtige Botschaft für die heutige Auseinandersetzung mit dem Erbe des Deutschen Faschismus transportiert: Nämlich die Kontinuität der Anklage von Rassismus, Antisemitismus und Faschismus in Gesellschaft und Behörden“, forderte Janus.

Sehr bewegende Worte waren anschließend von Helmut Böttcher zu hören. Zwar existierte das „Sicherungslager Rotenfels“ „nur“ etwa sieben Monate, von Oktober 1944 bis April 1945, doch die unmenschlichen Geschehnisse dort, in die Böttcher anschaulich Einblick gab, ließen erschaudern.

Der 76. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus solle ein Tag der Anklage sein, erklärte Niklas Raymann zu Beginn der Ansprache der Initiative. „Denn der Tag bedeutet bis heute nicht das Ende rassistischer und antisemitischer Strukturen in unserer Gesellschaft sowie in ihren Institutionen und Behörden“, stellte Raymann fest. Und er wies auf die wiederkehrenden Nachrichten über rechtsextreme Skandale in Bundeswehr, Justiz und Polizei hin. „Was wir brauchen, ist eine Entnazifizierung 2.0 – doch dieses Mal richtig“, übernahm Michael Janus den weiteren Redepart und forderte die konsequente Aufklärung unzähliger rassistischer Vorfälle.

„Wie wird erinnert werden?“, fragte Nadine Rahner zum Abschluss nach der Kranz- und Nelkenniederlegung, wenn die letzten Zeitzeugen verschwunden seien. Der Kontinuität der Nazistrukturen müsse eine Kontinuität der Erinnerung entgegengesetzt werden.

Wer Lust hat, bei der „Initiative 8. Mai – Murgtal gedenkt“ mitzumachen, kann sich per E-Mail an initiative8.mai-murgtal-gedenkt@gmx.de wenden.