Erinnerungen an „Sternstunde der Menschheit“

Gaggenau (stn) – Als Juri Gagarin am 12. April 1961 die Erde umrundet, ist der Gaggenauer Walter Fütterer in der DDR zu Besuch. Dort geht er zu Ehren des Astronauten auf eine Parade in Dresden.

Auf der Titelseite der Sächsischen Zeitung vom 15. April 1961 wird von der Ankunft Gagarins auf dem Flugplatz in Wnukowo und der anschließenden Kundgebung auf dem Roten Platz in Moskau berichtet. Foto: Nora Strupp

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Auf der Titelseite der Sächsischen Zeitung vom 15. April 1961 wird von der Ankunft Gagarins auf dem Flugplatz in Wnukowo und der anschließenden Kundgebung auf dem Roten Platz in Moskau berichtet. Foto: Nora Strupp

Es ist zweifellos einer der bedeutendsten Momente der Weltgeschichte: Am 12. April 1961 umkreist der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde. Der Gaggenauer Walter Fütterer (71) war damals als Elfjähriger bei seinem Onkel und seiner Tante in der DDR in Dresden zu Besuch und kann sich noch lebhaft an diesen besonderen Moment erinnern.

„Im Radio und im Fernsehen wurde dazu aufgerufen, zur Parade zu kommen, die zur Feier einige Tage später in Dresden veranstaltet wurde. Die Leute hatten arbeitsfrei und mein Onkel hat zu mir gesagt: ,Da gehen wir hin.‘ Er und meine Tante haben in der Canalettostraße gewohnt. Dort sind wir in die Straßenbahn gestiegen und zum Altmarkt gefahren. Die Fahrt dorthin hat zehn Pfennige gekostet.“ Die Parade sei etwa 200 bis 300 Meter lang gewesen und habe von der Prager Straße zum Altmarkt geführt.

„Da war so richtig was los. Der Altmarkt war voll. Es waren Tausende von Menschen dort. Unter den Zuschauern waren auch viele junge Pioniere mit ihren weißen Hemden und den blauen Halstüchern“, weiß er zu berichten. „Da waren russische Militärfahrzeuge, es wurden rote Fahnen geschwenkt, es gab Musik, Freibier für die Erwachsenen und Süßigkeiten für die Kinder“, denkt der gelernte Radio- und Fernsehtechniker ergriffen an diesen besonderen Moment zurück. „Es wurde alles aktiviert, um es in einem großen Rahmen darzustellen. Es wurden Reden geschwungen – dass die DDR und die Russen den Amerikanern technisch weit voraus waren und dass man schneller und besser war als sie. Als Kind steht man da und staunt mit offenem Mund. Das war eine Sensation.“

„Triumphzug der sowjetischen Weltraumforschung“

Diese Erinnerung mit anderen, vor allem jüngeren Menschen zu teilen und seine Erlebnisse zu schildern, liegt Fütterer am Herzen. Denn „für die Jugend ist es eine Zeit, die sie nicht erlebt haben“. Dass sich Kinder heutzutage allerdings nicht mehr für Geschichten aus dieser Ära interessieren, bedauert der 71-Jährige, der bis zu seiner Rente bei Mercedes-Benz als Ingenieur für Nachrichtentechnik gearbeitet hat. „Die Jungen sitzen nur noch vor ihren Handys. Und Heimatkundeunterricht haben sie heute auch nicht mehr. Das fällt alles weg und dadurch geht viel verloren. Wir haben früher noch die Ohren lang gemacht, wenn man uns von dieser Zeit erzählt hat.“

Um solch bedeutende Momente, wie den ersten bemannten Raumflug, für die Nachwelt festzuhalten, hat Fütterer einen Ordner angelegt. In diesem befindet sich – einsortiert in eine Klarsichthülle, um sie vor Schmutz zu schützen und somit möglichst lange haltbar zu machen – auch eine Ausgabe der Sächsischen Zeitung vom 15. April 1961. „Mein Onkel war Erzroter und als Kommunist war es Pflicht, dass man die entsprechende Zeitung hat. Als meine Mutter 1997 gestorben ist, fiel mir bei der Sichtung ihrer Dokumente diese Zeitung in die Hände.“

Die Ausgabe ist 60 Jahre alt, die Seiten sind vergilbt und brüchig. Auf der Titelseite des 16-seitigen Exemplars wird von der Ankunft Gagarins auf dem Flugplatz in Wnukowo und der anschließenden Kundgebung auf dem Roten Platz in Moskau berichtet. Der erste Weltraumflug eines Menschen sei ein Triumph der siegreichen Lehre des Marxismus-Leninismus, wird der damalige Regierungschef der UdSSR, Nikita Chruschtschow, zitiert. Auch die Verleihung des Ehrentitels „Held der Sowjetunion“ und des Titels „Raumflieger der UdSSR“ an Juri Gagarin wird erwähnt. Auf insgesamt sechs Seiten wird „die Sternstunde der Menschheit“ und der „Triumphzug der sowjetischen Weltraumforschung“ in aller Ausführlichkeit beleuchtet.

Für Fütterer ein wichtiges Zeitdokument, das er in Ehren halten will: „Ich hebe die Zeitung auf, falls meine drei Enkel mal Interesse daran haben sollten.“

Walter Fütterer. Foto: Fütterer/pr

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Walter Fütterer. Foto: Fütterer/pr


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