Erinnerungsstätte Rastatt: Perspektiven in Zeiten der Pandemie

Rastatt (rw) – Der Förderverein der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen im Rastatter Schloss feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einer Broschüre und blickt dabei auch in die Zukunft.

Vereinsvorsitzender Gunter Kaufmann, Geschäftsführer Clemens Rehm und die Leiterin der Außenstelle des Bundesarchivs Elisabeth Thalhofer (von links) bei einer Ausstellungseröffnung in der Erinnerungsstätte. Foto: Rainer Wollenschneider

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Vereinsvorsitzender Gunter Kaufmann, Geschäftsführer Clemens Rehm und die Leiterin der Außenstelle des Bundesarchivs Elisabeth Thalhofer (von links) bei einer Ausstellungseröffnung in der Erinnerungsstätte. Foto: Rainer Wollenschneider

Mit der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte hat das Bundesarchiv unter der Federführung des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann 1974 in der Rastatter Barockresidenz eine Dokumentationsstätte eingerichtet. Seit 25 Jahren hat die Einrichtung auch einen Förderverein.
Bundespräsident Heinemann gab damals die „Verlebendigung der freiheitlichen Vorgänge deutscher Geschichte“ als Ziel aus. 1995 – nach zwei Jahrzehnten fruchtbarer Aktivitäten – hat sich auf Initiative von Christof Müller-Wirth und unter dem Vorsitz der damaligen Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle ein Förderverein gegründet. Das folgende Vierteljahrhundert mit zahlreichen Höhepunkten sollte 2020 gebührend begangen werden. Für die geplante „Geburtstagsfeier“ in der Reithalle konnte Bundespräsident a. D. Joachim Gauck als Festredner gewonnen werden.

Und dann kam durch die Corona-Pandemie alles ganz anders. Da die Feierlichkeiten abgesagt werden mussten, entschloss sich der Vorstand des Fördervereins Erinnerungsstätte unter der Führung des Vorsitzenden Gunter Kaufmann und des ehrenamtlichen Geschäftsführers Clemens Rehm eine Dokumentation herauszugeben. Unter der Redaktionsleitung von Martina Schinke wurde als „Freiheitsbote Nr. 41“ eine sehens- und lesenswerte, bunte und informative Chronik kreiert. Bei dem umfangreichen Blick zurück kommt aber auch der Blick nach vorne nicht zu kurz.

Viele Initiativen gehen aufs Konto des Vereins

Der Freiheitsbote erinnert unter anderem an die Einweihung des Polendenkmals durch Friedensnobelpreisträger Lech Walesa, das Engagement der ehrenamtlichen Geschichtsvermittler, die ab 2010 vom Förderverein initiierten Carl-Schurz-Vorlesungen mit profilierten Rednern, die stark frequentierten Jahresausflüge nach Hambach bis Berlin und die internationale Zusammenarbeit. Lesenswert sind am Schluss der 40-seitigen Dokumentation des Fördervereins auch die Ausführungen des ehrenamtlichen Geschäftsführers Clemens Rehm unter der Überschrift „Überlegungen zu Perspektiven – in Zeiten der Pandemie“. Die ausführliche Betrachtung liest sich wie ein Manifest. „Die Pandemie wirkt wie ein Vergrößerungsglas und lässt uns recht schonungslos spüren, was wichtig ist und was nicht, was vermisst wird und was verzichtbar zu sein scheint, aber auch, wo sich neue Chancen auftun“, schreibt Rehm.

Er geht auf das Fehlen der so wichtigen Führungen, gerade für Schülerinnen und Schüler ein. Digitale Angebote müssten angedacht werden. Laut Clemens Rehm: „Ein Netzwerk von Freunden und Förderern der Erinnerungsstätte mit dem Ausbau von Verbindungen“ gemäß dem Grundgedanken des Vereins.

Während, so Rehm, die Mitgliedschaft immer „regionaler“ wurde, sei aktuell ein großer Erfolg des Fördervereins die Mitwirkung bei der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft „Orte der Demokratiegeschichte mit bundesweitem Förderprogramm“. Dazu Rehm: „Da freuen wir uns auf weitere erfolgreiche Jahre.“ Das „Vordringen digitaler Formate als Ersatz für persönliche Begegnungen“ müsse zukünftig berücksichtigt werden. Der Verzicht auf persönliche Kontakte sei bedauerlich. „Digitale Veranstaltungen erzielen Teilnehmerzahlen und Reichweiten, die mit Terminen vor Ort kaum erreichbar wären“, stellt Rehm fest. Angedacht sind Video-Führungen durch die Dauerausstellung, kurze Filme zu Sonderausstellungen oder Kurz-Videos, in denen die Geschichtsvermittler ihr Lieblingsobjekt vorstellen.

www.bundesarchiv.de/erinnerungsstaette.de


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