Erinnerungsstätte wird „Ort der Demokratiegeschichte“

Rastatt (kos) – Die im Rastatter Schloss untergebrachte Erinnerungsstätte für die deutschen Freiheitsbewegungen konzipiert ihre Dauerausstellung als „Ort der Demokratiegeschichte“ neu.

Engagement für mehr Demokratiebewusstsein: Dr. Elisabeth Thalhofer konzipiert die 25 Jahre alte Ausstellung im Rastatter Schloss mit regionalem Fokus neu.Foto: Konstantin Stoll

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Engagement für mehr Demokratiebewusstsein: Dr. Elisabeth Thalhofer konzipiert die 25 Jahre alte Ausstellung im Rastatter Schloss mit regionalem Fokus neu.Foto: Konstantin Stoll

Was hat das eigentlich mit mir zu tun? Was verbindet 1848 mit 2022 und was kann man von den Werten der badischen Revolution für die demokratische Gesellschaft des 21. Jahrhunderts lernen? Diese Fragen soll eine neue Dauerausstellung im Rastatter Schloss als „Ort der Demokratiegeschichte“ beantworten.

„Der Blick auf die eigene Geschichte spielt eine entscheidende Rolle. Jedes Volk sucht Sinn und Verbundenheit in seiner Geschichte – warum sollte das für uns Deutsche nicht gelten?“ – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warb jüngst in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für ein höheres Bewusstsein für die „weitverzweigten Wurzeln von Demokratie- und Freiheitsbestrebungen“ in Deutschland. Dazu hat sich die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Orte der Demokratiegeschichte“ die Förderung einer öffentlichen, identitätsstiftenden Erinnerung an die Wurzeln der deutschen Demokratie auf die Fahnen geschrieben.

Die Rastatter „Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte“, eine Außenstelle des Bundesarchivs, ist ein integraler Bestandteil davon. Dort soll anhand der Revolution von 1848/49 gezeigt werden: „Demokratie fällt nicht einfach vom Himmel“, wie Leiterin Dr. Elisabeth Thalhofer erklärt. Eine These, die gerade durch das europaweite Erstarken des Rechtspopulismus an historischer Brisanz gewinnt. Eine Grundannahme des heutigen freiheitlichen Parlamentarismus ist, dass dieser immer wieder gegen neue Anwürfe verteidigt werden müsse, so die Historikerin. Dass auch moderne Themen und Probleme ihre Ursprünge im Jahr 1848 haben, soll eine neue Dauerausstellung im Rastatter Barockschloss vermitteln.

„Wir wollen ausgehen vom Ort“

Die Neukonzeption der mittlerweile fast 25 Jahre alten Ausstellung steht vor der großen Frage: „Was hat das uns heute noch zu sagen?“, so Thalhofer. Um das zu beantworten, soll vermehrt vom Ort, also von Rastatt selbst, ausgegangen werden. Aber auch deutschlandweite und europäische Kreise werden gezogen, wobei vor allem Letztere besonders hervorgehoben werden sollen. Das bedeute aber keinesfalls eine reine „Beschränkung auf Regionalgeschichte“, betont Thalhofer. Vielmehr solle Besuchern bewusst werden, wie sich die weiten Ausläufer der badischen Revolution von 1848 gerade in der Barockstadt niedergeschlagen hatten. Für die Historikerin gilt Rastatt sinnbildlich für den Griff nach Freiheitlichkeit, genauso wie es auch für den Verlust derselben auf deutschem Boden stehe. Diese Geschichte wach zu halten – das müsse die Erinnerungsstätte leisten.

So seien die Fragen, die die Ausstellung beantworten soll, nicht mehr in einer allumfassenden Darstellung der Revolutionsgeschichte vermittelbar, befindet Thalhofer. Vielmehr müsse die Erinnerung „ein täglicher Begleiter sein“. Nur wer die „lange Traditionslinie“ der badischen Revolution bis in die Gegenwart kennt, könne verstehen, wie fragil die deutsche Demokratie auch heutzutage noch ist, schildert die Historikerin. Bildhaft abzulesen sei das etwa an den heutigen Nationalfarben der Bundesrepublik, deren Ursprünge ebenfalls auf 1848 zurückgehen.

Schulklassen sind Hauptzielgruppe

Hauptzielgruppe der neuen Ausstellung seien auch künftig vor allem Schulklassen. Das Ziel der AG: Die identitätsstiftende Demokratieerinnerung. Das könne erreicht werden, indem vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen werden, so die Historikerin.

Um das auch medial ansprechend zu gestalten, soll es ein Virtual-Reality-Angebot geben, das in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe entwickelt und bereits ausgewertet wird. Spielerisch sollen Jugendliche dann die Rastatter Orte der Revolutionsgeschichte erkunden können.

Zu den neuen Konzeptionen gehört auch das 2023 anstehende Jubiläum „175 Jahre Revolution 1848/49“. Zu der Frage, wie dieses angemessen begangen werden kann, haben sich Museen, Vereine und historische Institute im November 2021 während der sogenannten Auftakttagung beraten. Neben einer Folgetagung in Berlin dieses Jahr und einer Broschüre zur Auftakttagung wird es auch ein eigenes digitales Themenportal unter der Devise „sich gegenseitig stärken“ geben, verrät Thalhofer. Bis wann die neue Ausstellung spruchreif geplant sein wird, kann die Historikerin noch nicht exakt abschätzen. Eine Neueröffnung um die Jahre 2025/26 hält sie jedoch für realistisch.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
16. Januar 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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