Erlaubtes Sortiment entscheidend

Von Armin Broß

Rastatt (ab) – Die Corona-Verordnung des Landes führt dazu, dass einige Handelsbetriebe neben Lebensmitteln auch weiterhin ihre Non-Food-Artikel verkaufen können – andere dürfen das nicht.

Erlaubtes Sortiment entscheidend

Real, hier der Markt in Rastatt, hat nach eigenen Angaben keine Einschränkungen bei seinem Sortiment. Foto: Frank Vetter

Der Lebensmittelhändler bleibt geöffnet, der Modehändler muss – zumindest mal für die nächsten Wochen – schließen. Das resultiert aus der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg. Aber was ist mit den vielen Händlern im Land, die sowohl Lebensmittel als auch Waren außerhalb der Grundversorgung anbieten? Darunter sind nicht zuletzt die Großen der Branche wie Aldi, Lidl, Real oder auch Kaufhäuser. Die Antwort findet sich, bürokratisch ausformuliert, in der neuesten, ergänzten Corona-Verordnung des Landes, und zwar unter §1d (3). Dort heißt es unter anderem: „Wenn Mischsortimente angeboten werden, dürfen Sortimentsteile, deren Verkauf nicht (...) gestattet ist, verkauft werden, wenn der erlaubte Sortimentsanteil überwiegt; diese Stellen dürfen dann alle Sortimente vertreiben, die sie gewöhnlich auch verkaufen. Wenn bei einer Stelle der verbotene Teil des Sortiments überwiegt, darf der erlaubte Teil allein weiterverkauft werden, wenn eine räumliche Abtrennung möglich ist.“

Ein entscheidender Faktor ist also, ob das erlaubte Sortiment (Lebensmittel beziehungsweise Waren der Grundversorgung wie Drogerieartikel) größer ist als der Rest, wie beispielsweise Kleidung. Vor diesem Hintergrund erklärt Real auf Anfrage, dass sich „aktuell (...) keine Einschränkungen beim Sortiment (ergeben)“. Auch anderweitig sieht sich der Discounter gut gerüstet: „Aufgrund der großzügig bemessenen Dimensionen unserer Märkte, aber auch der Parkplätze und Malls rechnen wir nicht mit Schlangen vor unseren Märkten“, lautet die Aussage. Der Markt in Rastatt beispielsweise habe eine Verkaufsfläche von insgesamt 8.889 Quadratmetern – nach den geltenden Regeln dürften sich somit laut Real bis zu 940 Kunden gleichzeitig dort aufhalten. Und: Real hat ein geändertes Einkaufsverhalten beobachtet – so sei die Summe bei den einzelnen Einkäufen in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, die Kundenfrequenz im Vergleich zum Vorjahr dagegen gesunken. „Es kommen also weniger Kunden als vorher, die dann direkt ihren Wocheneinkauf tätigen.“ Dies trage zu einer deutlichen Entzerrung der Lage bei.

Zulässige Kundenzahl pro Quadratmeter variiert

Die zulässige Kundenzahl in Geschäften variiert je nach Größe und Branche der Einrichtung zwischen maximal einem Kunden pro zehn oder pro 20 Quadratmetern Verkaufsfläche, wie sich aus der Verordnung ergibt.

Das Unternehmen Aldi Süd, das 1.940 Filialen in West- und Süddeutschland betreibt, gibt auf Anfrage nur allgemein Auskunft: „Gemäß dem Beschluss der Bundesregierung kann mancherorts der Verkauf von Non-Food-Produkten eingeschränkt werden. Dies betrifft Aldi-Süd-Produkte, die nicht dem täglichen Bedarf zuzuordnen sind.“ Die Entscheidung darüber, wie weit eine solche Einschränkung gehe, obliege den Bundesländern und Kommunen, sodass im Aldi-Süd-Gebiet unterschiedliche Regelungen zum Tragen kommen könnten, wie es weiter heißt.

Auf der Unternehmenshomepage informiert Aldi Süd die Kunden im Newsroom über Corona-Regelungen und -Vorsichtsmaßnahmen – so habe Aldi Süd zwei Drittel seiner rund 1940 Filialen mit einem digitalen System zur Zugangskontrolle ausgestattet, um das Kundenaufkommen auf das gesetzliche Maß begrenzen zu können. Vereinzelt könne auch Sicherheitspersonal zum Einsatz kommen, heißt es weiter.

Aldi, Lidl und Co. kaum betroffen

Eine BT-Stichprobe in mehreren Aldi-Süd-Filialen im Raum Rastatt am Mittwoch ergab, dass der Betrieb dort offenkundig ohne Einschränkungen beim Sortiment läuft. Auch nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe sind Unternehmen wie Aldi, Lidl und Co. von den genannten Verkaufs-Einschränkungen kaum betroffen. Anders sehe es bei Händlern aus, die das erlaubte Sortiment nur in geringem Maße vorhielten – diese hätten nun häufig geschlossen. Und: „Die Kaufhäuser betrifft das Thema wirklich“, erläutert Claudia Nehm vom Presse-Bereich der IHK. So habe beispielsweise Karstadt in Karlsruhe seine Lebensmittelabteilung noch geöffnet, die durch speziell ausgeschilderte Eingänge erreichbar sei. Für Kaufhäuser könnten sich solche Teil-Öffnungen lohnen, da sie quasi einen kompletten Supermarkt hätten, so die Einschätzung.

Auch die Wagener Galerie in Baden-Baden hat weiterhin ihre Markthalle im zweiten Obergeschoss geöffnet, wie das Unternehmen auf seiner Homepage informiert. Ebenfalls offen sind der Zeitschriftenverkauf sowie die Filialen von Müller und der Post im Erdgeschoss. Geschlossen seien dagegen aufgrund der Corona-Verordnung die Modehäuser und -abteilungen bis voraussichtlich 10. Januar 2021.