Erleichterung und wachsende Sorgen

Baden-Baden/Rastatt (for/naf/kos) – Baden-Württemberg lockert ab Montag die Maskenpflicht in Schulen, Lehrer und Eltern haben dazu unterschiedliche Meinungen.

Schüler im Land müssen ab kommender Woche keine Masken mehr während des Unterrichts tragen. Foto: Pleul/dpa

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Schüler im Land müssen ab kommender Woche keine Masken mehr während des Unterrichts tragen. Foto: Pleul/dpa

Aufatmen in den Klassenzimmern: Ab Montag entfällt in Baden-Württemberg unter bestimmten Voraussetzungen die Maskenpflicht im Unterricht. Voraussetzung dafür ist laut einem Schreiben des Kultusministeriums, dass an der jeweiligen Schule seit mindestens zwei Wochen kein Corona-Ausbruch mehr registriert wurde und die Sieben-Tages-Inzidenz in dem entsprechenden Stadt- oder Landkreis unter 35 liegt. Eltern und Lehrer reagieren darauf jedoch mit gemischten Gefühlen.

„Zumutung für die Kinder“

„Die Maske ist bei dieser Hitze eine Zumutung für die Kinder, keine Frage“, sagt Michael Mittelstaedt, Vorsitzender beim Landeselternbeirat Baden-Württemberg (LEB). Insbesondere für Schüler, die an Heuschnupfen leiden, sei ständiges Lüften in Kombination mit dem Tragen einer Maske kaum erträglich.

Dennoch gebe es unter den Eltern unterschiedliche Meinungen. „Während die Mehrzahl der Eltern alle Maßnahmen der Politik still erträgt, gibt es immer rund zehn Prozent, die noch stärkere Lockerungen fordern und im Gegenzug auch zehn Prozent, die zur Vorsicht mahnen – insbesondere mit Blick auf die Delta-Variante“, so Mittelstaedt. Er selbst zeigt für beide Seiten Verständnis, übt aber Kritik an der Politik: „Bei einem ordentlichen Testkonzept und Lüftungsanlagen braucht es auch keine Masken in den Klassenräumen. Nur leider haben wir beides nicht.“ Trotz Forderungen des LEB habe das Land auch nach Monaten noch immer nicht ausreichend in Lüftungs- und Filteranlagen für Schulen investiert. Und auch beim Testen muss laut Mittelstaedt deutlich nachgebessert werden. „Es gibt noch immer Schulen, die beginnen erst mittwochs mit dem Testen statt montags. Das macht keinen Sinn und trotzdem reagiert die Politik nicht mit einer einheitlichen Regelung.“ Außerdem muss laut dem LEB-Vorsitzenden endlich von Antigentests auf PCR-Pool-Tests umgestiegen werden, weil bei Letzteren die Fehlerquote deutlich geringer sei.

Testpflicht bleibt erhalten

Das Problem der fehlenden Luftfilteranlagen in Schulen mahnt auch Bernhard Baumstark, Kreisvorsitzender bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rastatt/Baden-Baden, an. Während es vor Corona immer die Empfehlung gab, im Hochsommer nur morgens kurz zu lüften und danach alle Fenster zu schließen und die Rollos herunterzufahren, sei die Anweisung jetzt genau andersherum. „Es heißt immer, wir sollen regelmäßig lüften, um das Infektionsgeschehen möglichst gering zu halten“, so Baumstark, „aber je mehr wir lüften, desto mehr Hitze lassen wir rein.“ Die meisten Schulen hätten weder eine gute Wärmedämmung noch eine Klima- oder Belüftungsanlage. „Das ist auch der Grund, weshalb die Maskenpflicht jetzt gelockert wird. Die Denkansicht ist also nicht verkehrt“, so Baumstark. Allerdings mahne er als Lehrer auch zur Vorsicht. Zwar sei eine große Zahl an Lehrkräften bereits geimpft, weshalb die Ansteckungsgefahr in dieser Gruppe relativ gering sei, „bei den Schülern, die zum großen Teil nicht geimpft sind, weiß aber keiner, ob sie vielleicht anfälliger für Mutationen sind.“

Ein Grund zur übermäßigen Sorge sei das aber trotzdem nicht, meint Baumstark. „Die Testpflicht bleibt ja erhalten und wo es möglich ist, muss auch weiter Abstand gehalten werden.“

Maskenpflicht auf den Fluren gilt weiterhin

Schulamtsleiter Wolfgang Held fügt hinzu, dass es sich ja ohnehin nicht um einen generellen Wegfall der Maskenpflicht in Schulen handele. Zum einen sei der Entfall der Maskenpflicht in den Klassenzimmern von den Inzidenzen abhängig und zum anderen gelte die Maskenpflicht auf den Fluren und im Rest des Schulgebäudes weiterhin. „Das ist durchdacht und auch sinnvoll, weil es auf den Fluren und Toiletten eine Durchmischung der Personen geben könnte“, erklärt Baumstark.

Alexander Ziola, Schulleiter der Baden-Badener Vincenti Grundschule, unterstützt den Entfall der Maskenpflicht, vor allem mit Blick auf die aktuelle Hitzewelle. „Mit zunehmenden Temperaturen wird das Tragen der Maske zur Belastung für Kinder und Lehrkräfte“, so Ziola, der im Vorfeld bereits die Maskenpflicht auf dem Schulhof aufhob. „Es beeinflusst die Gesundheit.“ Die Schüler würden sich vermehrt über Kopfschmerzen und Unwohlsein beklagen und auch dem Unterricht nicht mehr folgen können, wenn sie dauernd zum Durchatmen an das Fenster oder nach draußen gehen müssten.

Zwar gebe es aktuell regelmäßige Maskenpausen, trotzdem geht Ziola davon aus, dass die meisten seiner Schüler gerne auf den Mundschutz verzichten werden. „Und wer möchte, kann die Maske dann natürlich trotzdem weiterhin tragen.“


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