Ermittlungen gegen KJG-Gruppenleiter

Rastatt (ema) – Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden ermittelt gegen einen Gruppenleiter der KJG Rheinau. Eine Ferienlagerteilnehmerin wirft ihm sexuelle Übergriffe vor.

Nach der Anzeige einer 20-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft Baden-Baden Ermittlungen aufgenommen. Foto: av

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Nach der Anzeige einer 20-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft Baden-Baden Ermittlungen aufgenommen. Foto: av

Zwei ihrer Ferienlager der Jahre 2014 und 2015 rücken bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) Rastatt-Rheinau schlagartig ins Bewusstsein. Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden ermittelt nach einer Anzeige gegen einen Gruppenleiter wegen des Verdachts sexueller Übergriffe, Nötigung und Vergewaltigung.

Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörde hat eine 20-Jährige Ende April Anzeige bei der Kriminalpolizei Rastatt erstattet. Die sexuellen Straftaten sollen sich bei zwei Ferienfreizeiten im Schwarzwald ereignet haben. Die Staatsanwaltschaft der Kurstadt wollte das Verfahren zunächst an die Kollegen in Tübingen übergeben, weil die vorgeworfenen Taten in deren Zuständigkeitsbereich liegen. Jetzt spielten die Ermittler den Ball zurück, weil sowohl Verdächtiger als auch mögliche Zeugen in Mittelbaden leben.

Dass die junge Frau sich erst jetzt zu der Anzeige entschloss, ist nach Einschätzung von Staatsanwalt Michael Klose nicht ungewöhnlich. Opfer sexueller Gewalt im Mädchenalter würden sich häufig selbst die Schuld geben, wenn es zu solchen Übergriffen komme. Aus Scham würden sie sich auch nicht ihren Eltern oder anderen nahestehenden Menschen anvertrauen. Erst Jahre später könnten sie sich dann aufgrund neuer persönlicher Beziehungen oder einer Aufarbeitung der Geschehnisse öffnen und entschlössen sich zu einer Anzeige.

Gruppenleiter lässt Ehrenamt ruhen

Auf BT-Nachfrage fiel Pfarrer Ralf Dickerhof „aus allen Wolken“, als er durch die Redaktion von den Vorwürfen erfuhr. Die KJG-Leitung in der Rheinau ist nach eigenen Angaben von der Kriminalpolizei bereits Anfang Mai über die Ermittlungen informiert worden. Gegenüber dem BT betonten die Pfarrjugendleiter Niklas Walz und Denise Rose die Unschuldsvermutung zugunsten des Verdächtigen, nachdem man mit dem Gruppenleiter über die Vorwürfe gesprochen habe. Der sei selbst von den Anschuldigungen „maximal überrascht“. „Bis heute ist weder dem Gruppenleiter selbst noch uns bekannt, wann und in welchem Rahmen ein vermeintlicher Vorfall stattgefunden haben soll und wer die vermeintlich betroffene Person sein soll. Verdachtsmomente wurden uns gegenüber bis heute nie geäußert für den Fall, dass der Zeitpunkt überhaupt in die Amtszeit der aktuellen Pfarrjugendleitung fallen sollte“, schreiben die Verantwortlichen in einer Stellungnahme. Der Gruppenleiter werde sich aber nicht mehr aktiv an der Jugendarbeit beteiligen, so lange das Verfahren läuft.

Das Thema „Schutz vor sexueller Gewalt“ ist im Erzbistum Freiburg bei Schulungen von Jugendbetreuern ein wesentlicher Bestandteil, erklären die Rastatter Dekanatsjugendreferentin Carina Wacker und die KJG-Leiter aus der Rheinau. Angehende Gruppenleiter würden auf Kursen des Dekanats sowie des Landratsamts sensibilisiert und zudem werde Erfahrungswissen von den älteren Gruppenleitern an die jüngeren Mitstreiter weitergegeben. Abschließend habe jeder Gruppenleiter ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Außerdem müssten die Betreuer eine Erklärung unterschreiben, mit der sie sich verpflichteten, Grenzen zu achten. Die kirchlichen Veranstaltungen, so Wacker, sollten ein „sicherer Ort für Kinder und Jugendliche“ sein. Dafür lernen die Verantwortlichen Handlungsschritte, um angemessen zu reagieren, wenn „Grenzen verletzt“ verletzt werden. Seien Betreuer unsicher oder suchten Rat, steht im Dekanat eine Präventionsbeauftragte als Vertrauensperson zur Verfügung, so Wacker. Außerdem biete das Bistum eigens ein „Ferientelefon“ an.

Dass alle Präventionsarbeit Übergriffe nicht ausschließen kann, ist Carina Wacker bewusst. Sie selbst ist seit 2013 Dekanatsjugendreferentin in Rastatt und hat sich in dieser Zeit bei den Angeboten von immerhin neun KJG-, zwei Kolping- sowie zwei Pfadfindergruppen im Dekanat Rastatt noch nicht mit sexuellen Übergriffen befassen müssen. Bei allen Vorwürfen, die jetzt im Raum stünden, dürfe man nicht vergessen: „Von den vielen Gruppenleitern wird eine wunderbare Arbeit geleistet.“


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