Ermittlungen wegen toter Katzen

Elchesheim-Illingen (as) – In Elchesheim-Illingen häufen sich die Meldungen von toten Katzen. Handelt es sich dabei um gezielte Vergiftung oder nur um „ungewollte Mitopfer“? Die Polizei ermittelt.

Katzenhalter sind alarmiert, seit in Elchesheim-Illingen mehrere tote Katzen gefunden wurden. Foto: Christin Klose/dpa

© picture alliance/dpa/dpa-tmn

Katzenhalter sind alarmiert, seit in Elchesheim-Illingen mehrere tote Katzen gefunden wurden. Foto: Christin Klose/dpa

Ist hier ein Katzenhasser mit Giftködern am Werk oder wurde Mäuse- und Rattengift falsch ausgebracht, sodass mehrere Tiere es gefressen haben und daran verendet sind? Seit die Nachricht von mehreren toten Katzen im Bereich Blumenstraße in der Doppelgemeinde die Runde machte, sind Katzenhalter im Ort alarmiert und die Polizei mit Anzeigen befasst.

Die vier bekannt gewordenen Fälle ereigneten sich Ende April „innerhalb eines Zeitraums von rund 14 Tagen“, berichtet Bürgermeister Rolf Spiegelhalder, der sich ebenfalls beunruhigt zeigt. Er reagierte vorsorglich sofort mit einem Hinweis im Gemeindeanzeiger, um andere Katzenbesitzer zu warnen. Darin forderte er dazu auf, das Auslegen von Giftködern zu unterlassen, da von diesen „nicht nur eine lebensgefährliche Bedrohung für die Tiere, sondern auch für Menschen und insbesondere Kinder ausgeht“. Seitdem gab es offenbar keinen weiteren Fall.

Zeugenhinweise sind das A und O

Dennoch beschäftigen zwei diesbezügliche Anzeigen auch die Polizei. Der dafür zuständige Fachbereich Gewerbe und Umwelt in Rastatt ermittle wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung, bestätigt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg. Erfahrungsgemäß sei es allerdings schwierig, einen Verursacher ausfindig zu machen, sagt der Pressesprecher. „Wenn es sich um einen Giftköder handelt, hat das Tier den gefressen und somit gibt es keine verwertbaren Spuren“, erläutert er. Das A und O seien in solchen Fällen daher Zeugenhinweise. „Jede verdächtige Wahrnehmung, wenn beispielsweise jemand etwas in einem Gebüsch auslegt, ist von Bedeutung“, rät er dazu, in solchen Fällen sofort die Polizei zu verständigen.

Weitere Hinweise hatte sich eine Betroffene, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, von der Obduktion ihres vierjährigen Katers erhofft. Der war tot in Nachbars Garten gefunden worden. „Wir sind immer noch sehr traurig, denn der Kater war ein Familienmitglied“, sagt sie.

Obduktion bestätigt Vergiftung

So geht es auch einer weiteren Katzenhalterin, deren fünfeinhalbjähriger Kater ebenfalls tot unter der Hecke in einem Nachbargarten gefunden worden war. „Er hatte keine Kampf- oder Verletzungsspuren durch einen Unfall“, erzählt Alexandra Heck. Die Tierärztin habe dann die Möglichkeit einer Vergiftung angesprochen. Doch die Familie entschied sich gegen weitere Untersuchungen. Die Kinder sollten einen Schlussstrich ziehen können.

Die andere Katzenbesitzerin hat durch umfangreiche Untersuchungen in der chemischen Veterinäruntersuchungsanstalt Karlsruhe und an der tierärztlichen Hochschule in München mittlerweile die Gewissheit, dass der Kater „handelsübliches Mäuse- und Rattengift“ aufgenommen hat. „Leider hilft das nicht weiter“, hatte sie sich von den Tests, die sie aus eigener Tasche bezahlt hat, einen Hinweis erhofft. Doch: „Solche Präparate sind frei verkäuflich, bei Spezialprodukten wäre es eventuell möglich, einen Hinweis auf den Verursacher zu finden“, sagt auch der Polizeisprecher.

Grundsätzlich gilt Folgendes: „Wer im Haus oder im Garten Giftköder auslegen will, muss sie in Köderstationen verstecken; in kleinen Kisten, die es für ein paar Euro zu kaufen gibt“, informiert das Umweltbundesamt in einer Broschüre. Das verhindere zumindest größtenteils, dass andere Tiere als Ratten und Mäuse an das Gift herankommen.

Wenig Handhabe gegen gezielt ausgelegte Giftköder

Zudem raten Naturschutzverbände Gartenbesitzern und Landwirten, tote Nagetiere einzusammeln, damit weder Katzen und Hunde noch Wildtiere wie Greifvögel, Marder oder Füchse diese fressen und daran verenden, was immer wieder vorkomme. Weil der Wirkstoff, durch den die Tiere innerlich verbluten, erst nach einigen Tagen wirke, bestehe die Gefahr, dass sich Beutegreifer daran vergiften. Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg spricht von „ungewollten Mitopfern“.

Gegen gezielt ausgelegte Giftköder könne man allerdings wenig tun, erklärt der Verband. Er rät dazu, auffällige Köder einzusammeln und gegebenenfalls untersuchen zu lassen, Anzeige zu erstatten und andere Tierhalter öffentlich zu warnen.

Hunde könne man zur besseren Kontrolle an der Leine führen und sie präventiv so erziehen, dass sie ohne klares „Okay-Zeichen“ vom Besitzer nichts Essbares aufnehmen. Bei Freigänger-Katzen sei das unmöglich, erklärt eine Verbandsmitarbeiterin weiter. Da helfe nur Wachsamkeit und: Bei Vergiftungserscheinungen sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

Zum Artikel

Erstellt:
28. Mai 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.