Wieder Brandstiftung an Bernharduskirche

Baden-Baden (nof) – Auf die Bernharduskirche ist mutmaßlich erneut ein Brandanschlag verübt worden. Die Polizei untersucht einen möglichen Zusammenhang zum erstem Feuer.

Dekan Michael Teipel zeigt die Spuren der erneuten Brandstiftung an der Kirche. Foto: Nico Fricke

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Dekan Michael Teipel zeigt die Spuren der erneuten Brandstiftung an der Kirche. Foto: Nico Fricke

Dekan Michael Teipel ist erschüttert. Erneut ist die Bernharduskirche in der Weststadt Ziel einer Brandstiftung geworden. In der Nacht auf Pfingstsonntag haben Unbekannte abermals versucht, Feuer am Gotteshaus zu legen.

Der Schock, den der erste Brandanschlag Ende März ausgelöst hatte, ist noch nicht verarbeitet. Nun muss die katholische Kirchengemeinde erneut die Nachricht verkraften, dass es vermutlich Kriminelle auf die Jugendstilkirche im Westen der Stadt abgesehen haben. „Eine brennbare Flüssigkeit ist an einer Seitentür der Kirche ausgeschüttet und angezündet worden“, zeigt Teipel am Tatort, wie die Übeltäter wohl vorgegangen sind. Es sei anders als bei der ersten Brandstiftung vor fast genau zwei Monaten dieses Mal zwar kein Fenster eingeschlagen worden. „Doch es ist vermutlich wieder Ruß ins Kircheninnere gezogen. Auch die Bodenplatten und die Tür sind beschädigt“, zeigt Teipel.

Beim ersten Brandanschlag am 25. März, kurz vor Ostern, hatten bislang Unbekannte ein Seitenfenster eingeschlagen, einen brennenden Gegenstand in das Gebäude geworfen und die Außenwand links daneben beschmiert. Das Feuer ist damals schnell erloschen, doch die Verrußungen im gesamten Kirchenschiff haben einen Millionenschaden verursacht, wie erste Untersuchungen kürzlich ergeben haben. Die Kirche St. Bernhard muss aufwendig saniert werden. „Wenn das überhaupt möglich ist“, verweist Teipel auf die Aussage eines Spezialisten. Die Malereien seien so empfindlich, dass Säuberungsversuche sie zerstören könnten.

Schadenshöhe noch unklar

Welchen Schaden das erneute Feuer verursacht hat? „Das wissen wir noch nicht. Das muss erst untersucht werden“, erklärt Johannes-Jürgen Laub, Verwaltungsleiter der Katholischen Seelsorgeeinheit Baden-Baden. „Die Bernharduskirche ist in der höchsten Denkmalschutzklasse gelistet. Da gibt es nichts , was nicht wertvoll ist.“ Gerade erst sei die Kirche von einer Spezialfirma gereinigt worden, um die giftigen Staubpartikel von den Bänken und Flächen zu bekommen. Ein sechsstelliger Betrag muss dafür aufgebracht werden. Die Arbeitscontainer der Brandschadensbeseitiger stehen noch auf dem Parkplatz an der Kirche. Doch das hat den oder die Täter nicht davon abgehalten, nun erneut Feuer zu legen. Ob es einen Zusammenhang zwischen beide Taten gibt, das versucht nun die Polizei Baden-Baden herauszufinden, die auch die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen hat. Die Polizei sucht Zeugen: Sachdienliche Hinweise werden unter der Telefonnummer (07221) 6800 erbeten. Die „mutmaßliche Brandlegung“, von einem Brandanschlag möchte eine Polizeisprecherin mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht sprechen, hat sich in der Nacht von Samstag, 20 Uhr, bis Sonntag, 9.30 Uhr, ereignet.

Die Bernharduskirche bleibt weiter geschlossen. Experten müssen zunächst überprüfen, ob von den Rußpartikeln eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Foto: Nico Fricke

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Die Bernharduskirche bleibt weiter geschlossen. Experten müssen zunächst überprüfen, ob von den Rußpartikeln eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Foto: Nico Fricke

Entdeckt habe sie der Mesner am Sonntagmorgen, sagt Dekan Teipel. Die Gemeinde sei sehr bestürzt und betroffen. „Das ist ein traumatisches Erlebnis. Wir fragen uns, wer es auf uns abgesehen hat und warum“, ringt Teipel um Worte: „Was passiert da gerade?“

Auch Verwaltungsleiter Laub ist geschockt. „Beim ersten Mal dachte ich, das ist ein schlimmes Ereignis, mit dem man umgehen muss. Doch beim zweiten Mal fragt man sich, wann wieder etwas passiert.“ Laub sieht nun die Polizei in der Pflicht. „Ich erwarte ein Konzept, wie wir gemeinsam verhindern können, dass so etwas noch mal geschieht. Die Polizei muss auch präventiv tätig werden.“ Was genau die Sicherheit erhöhen könnte – zum Beispiel eine Videoüberwachung – das müsse sich zeigen.

Anhaltspunkte für einen Dummen-Jungen-Streich oder eine Zündelei sieht Dekan Teipel hier jedenfalls nicht. „Das ist kein verbranntes Taschentuch oder ein außer Kontrolle geratenes Lagerfeuer.“ Und Laub ergänzt: „Da hat jemand einen Brandbeschleuniger mitgebracht.“ Das Feuer hat den Boden sichtbar in Mitleidenschaft gezogen, auch die Metalltür, und im Inneren zeigt die Einfassung Brandspuren. Hinzu komme die Verrußung.

Ob die Kirche nun erneut fachmännisch gereinigt werden muss, „müssen wir erstmal untersuchen lassen“. Geplant war eigentlich, das Gebäude in Kürze wieder für Gottesdienste und Besuche zum „Krafttanken“ zu öffnen.

„Aber eine Gefahr für die Gesundheit durch giftige Partikel darf es natürlich nicht geben“, sagt Teipel. „Da müssen jetzt nochmals die Experten ran.“ Und die Gottesdienste werden zunächst weiter vor der Kirche stattfinden.

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Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
25. Mai 2021, 13:12 Uhr
Aktualisiert:
25. Mai 2021, 17:15 Uhr
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