Ernte in Loffenau einfacher und effizienter

Loffenau (stj) – Das für Hustensaft benötigte Elixier aus Fichtentriebspitzen kommt auch aus dem Nordschwarzwald – unter anderem aus dem Gemeindewald Loffenau.

Martin Kienzler bei der Fichtenzapfen-Ernte in Loffenau. In seiner Zuständigkeit liegen bei der WALA der Einkauf von Frischpflanzen beziehungsweise „Wildsammlungen“. Foto: WALA

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Martin Kienzler bei der Fichtenzapfen-Ernte in Loffenau. In seiner Zuständigkeit liegen bei der WALA der Einkauf von Frischpflanzen beziehungsweise „Wildsammlungen“. Foto: WALA

Als echte Besonderheit bezeichnete der Gaggenauer Forstbezirksleiter Markus Krebs in seinem jüngsten Bericht zum Loffenauer Gemeindewald das Einsammeln von Fichtentriebspitzen für die Herstellung von Hustensaft. Bis zu sechs erfahrene Mitarbeiter einer zum Pharmaunternehmen WALA gehörenden Beerntungsfirma kamen dafür im Mai vergangenen Jahres drei Tage lang in das Revier von Förster Günther Taub und sammelten rund 400 Kilogramm Fichtentriebspitzen ein, die bei der Herstellung von Plantago Hustensaft Verwendung finden.

Das dafür benötigte Elixier aus Fichtentriebspitzen wurde bislang immer aus Wildernten in den Vogesen gewonnen, erläutert Corinna Maliske. Sie ist Pressesprecherin der Firma WALA Arzneimittel (siehe Stichwort), die den Hustensaft produziert: „Die Vogesen boten sich bislang dafür an, weil ein früherer Wildsammler von uns dort lebte und eine sehr ertragreiche Fläche kannte. Zudem wurde zur selben Erntezeit dort auch Arnika gesammelt. Als sich Anfang vergangenen Jahres abzeichnete, dass die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie möglicherweise auch die geplanten Wildsammlungen in den Vogesen betreffen würden, hat sich unser Wildsammler Martin Kienzler auf die Suche nach näher gelegenen, geeigneten Flächen gemacht.“

Naheliegende Alternative zum Elsass

Der Schwarzwald sei aufgrund seines sehr dichten Fichtenbestands mehr als naheliegend gewesen, erklärt Maliske den Weg nach Loffenau weiter. Zunächst schien aber der Kaltenbronn der geeignetere Standort zu sein. „Da aber zur Erntezeit (Mai/Anfang Juni) die Auerhenne brütet und das Gebiet Auerhahnschutzgebiet ist, musste unsere Anfrage abgelehnt werden. Der dortige Förster bot aber an, in den umliegenden Forstgebieten nachzufragen, und so ergab sich dann ein sehr netter Kontakt nach Loffenau.“

Der dortige Revierförster Günther Taub arbeitete einst als Freiberufler in Bad Boll, wo der Firmensitz von WALA ist, und wohnte im Nachbarort Dürnau. Von daher kannte Taub das Unternehmen gut und befürwortete die Zusammenarbeit sehr, wie er im BT-Gespräch erzählt. Zudem seien die auf circa 600 Meter hoch gelegenen ehemaligen Lotharflächen Vogelswiese/Axtloh in Loffenau besser geeignet für die Ernte von Fichtentriebspitzen, als der höher gelegene Kaltenbronn.

Aus den Loffenauer Fichtentrieben wird das Elixier gewonnen, das später zur Herstellung von Plantago Hustensaft verwendet wird. Foto: WALA

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Aus den Loffenauer Fichtentrieben wird das Elixier gewonnen, das später zur Herstellung von Plantago Hustensaft verwendet wird. Foto: WALA

Die tiefere Lage, bestätigt Maliske, habe den großen Vorteil, „dass hier früher gesammelt werden kann und so die Prozesse bei der Elixierherstellung gut verteilt werden können. Zudem finden sich in Loffenau sehr viele junge Bäume. Dies hat den Vorteil, dass die ,Ernte‘ der Fichtentriebspitzen sehr viel einfacher und effizienter erfolgen kann, weil die Äste noch tiefer liegen als bei älteren Bäumen.“

Maliske und Taub betonen unisono, dass bei den Sammlungen „natürlich niemals die Haupttriebe entfernt werden und ebenso keine Äste“. So werde sichergestellt, dass die Fichten gedeihlich weiter wachsen und sich entwickeln können. Beim händischen Abstreifen der jungen Triebspitzen in der Länge von drei bis fünf Zentimetern ist ausschließlich manuelles Beernten vom Boden aus zulässig, ergänzt Harald Zimmermann von der Forstbezirksleitung Gaggenau. Der Einsatz von Leitern oder Steighilfen und das Verwenden von Hilfsmitteln zum Herunterziehen sind nicht erlaubt; zudem ist die Ernte sofort zu beenden, sofern erkennbar ist, dass sich in der Fichte ein Brutvogelnest befindet.

WALA strebt weitere Zusammenarbeit an

Wurden im Jahr 2019 noch rund 900 Kilogramm Fichtentriebspitzen für die Herstellung des Plantago Hustensafts benötigt, brachte das Corona-Jahr auch einen gestiegenen Bedarf an Erkältungsarzneimitteln mit sich, verweist die Pressesprecherin des Konzerns auf einen weiteren Aspekt: „So wurden 2020 insgesamt 1,9 Tonnen Fichtentriebspitzen gesammelt. 1,3 Tonnen hat die WALA selbst gesammelt, davon knapp 400 Kilogramm in Loffenau mit einem Team von fünf bis sechs Erntehelfern. Ein weiterer Großteil der Sammlung stammt aus dem Süd-Schwarzwald“, informiert Corinna Maliske und ergänzt: „Wir freuen uns sehr über die in jeder Hinsicht sehr fruchtbare und nachhaltige Zusammenarbeit mit dem Gemeindewald Loffenau, die wir gerne dauerhaft fortsetzen.“

Stichwort:

Die WALA Heilmittel GmbH (kurz: WALA) ist ein von Rudolf Hauschka im Jahr 1935 begründetes Unternehmen, das unter Beachtung der anthroposophischen Weltanschauung Arzneimittel (etwa 900 Produkte) und Kosmetik (rund 130 Produkte) herstellt. Der Name WALA leitet sich aus den Initialen der Herstellverfahren Wärme – Asche, Licht – Asche ab. Zu dem Unternehmen aus dem schwäbischen Bad Boll gehören die Marke WALA Arzneimittel und Dr. Hauschka Kosmetik sowie die Produktlinie Dr. Hauschka Med. Die WALA-Arzneimittel werden in Apotheken, die nicht apothekenpflichtigen Arzneimittel auch in Bioläden verkauft. (red/Quelle: Wikipedia)


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