Ersatz für zerstörten Kandelaber vor dem Kurhaus

Baden-Baden (sre) – Vier Jahre nach dem Unfall beim Abbau des Christkindelsmarkts ist die Rekonstruktion fast abgeschlossen. Drei Glashersteller sind an der Aufgabe verzweifelt. Kosten: 200.000 Euro.

In der Werkstatt: Mittlerweile ist das Kunstwerk fast fertig. Foto: Ralf Schlichter, BBE

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In der Werkstatt: Mittlerweile ist das Kunstwerk fast fertig. Foto: Ralf Schlichter, BBE

Mehr als vier Jahre ist es mittlerweile her, dass einer der prächtigen historischen Kandelaber vor dem Baden-Badener Kurhaus beim Abbau des Weihnachtsmarkts zerstört wurde – und noch immer ist die Stelle leer. Doch das soll sich nach vielen Verzögerungen in diesem Jahr endlich ändern: Die Rekonstruktion des gusseisernen Kunstwerks ist beinahe abgeschlossen.

Leser Claus Buschmann hatte sich an die Redaktion gewandt und nachgefragt, warum dieses „gern genutzte Symbol für Baden-Baden“ nach wie vor fehlt. Das Anzünden der Kandelaber von Hand werde als „Highlight für die Touristen“ bezeichnet, verwies Buschmann auf die besondere Bedeutung für Baden-Baden – ganz besonders mit Blick auf den mittlerweile errungenen Welterbe-Status.

Tatsächlich konnte man in den vergangenen Jahren ein wenig besorgt sein in Bezug auf diese besondere Attraktion vor dem Kurhaus. Schließlich standen 2020 zwischenzeitlich sogar nur noch vier der ursprünglich sechs Kandelaber: Im März 2020 war ein weiteres Exemplar demontiert worden, um einen Riss in der Außenhülle instand zu setzen.

Während diese Reparatur allerdings in wenigen Monaten erledigt war und der Leuchter wieder aufgestellt werden konnte, sah es beim sechsten Kandelaber anders aus. Dieser hat seinen Platz eigentlich auf Höhe des Eingangs zum Kurhaus. Er wurde aber bereits Anfang 2018 beim Christkindelsmarkt-Abbau von einem Gabelstapler umgefahren und so stark beschädigt, dass er nicht repariert werden konnte. Eine schlichte Sandsteinplatte rückte vorerst an seinen Platz.

Kosten übernimmt die Versicherung

Der Kandelaber sollte durch eine originalgetreue Rekonstruktion ersetzt werden. Die Kosten dafür, rund 200.000 Euro, übernimmt laut Nora Waggerhauser, Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH (BBT), größtenteils die Versicherung des Verursachers. Doch auch, nachdem die Versicherungen die Frage der Kostenübernahme geklärt hatten, gestaltete sich die Umsetzung der Arbeiten überaus schwierig – mehrfach wurde der Fertigstellungstermin verschoben.

So gibt es, wie seinerzeit Silke Michel, Pressesprecherin der Bäder und Kurverwaltung Baden-Württemberg (BKV), erläuterte, europaweit nur noch zwei Firmen, die einen solchen Leuchter herstellen können. Schließlich erhielt eine Firma aus Mainhausen den Auftrag, den äußerst aufwendig gearbeiteten und mit feinsten Verzierungen versehenen Kandelaber aus Grauguss zu fertigen.

Damit ist das Unternehmen nun weitgehend fertig. „Das ist ein Kunstwerk, wie eine Skulptur“, erläutert Waggershauser, warum die Arbeiten so viel Zeit in Anspruch genommen haben. „Das wird nicht einfach nachgebaut. Jedes einzelne Teil wird separat gegossen.“ Was derzeit noch laufe, seien die Glasarbeiten.

Blick aufs Detail: Der Kandelaber aus Grauguss ist reich verziert.  Foto: Ralf Schlichter, BBE

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Blick aufs Detail: Der Kandelaber aus Grauguss ist reich verziert. Foto: Ralf Schlichter, BBE

Diese seien bereits von drei Glasherstellern abgebrochen worden, „weil sie verzweifelt sind“. Nun habe man aber ein Unternehmen gefunden, das die gebogenen Gläser fertigen könne. Das sei auch deshalb so kompliziert, weil es sich nicht um genormte Teile handle: „Jede Rundung muss separat gefertigt werden.“ Dies habe auch für die jüngste Verzögerung gesorgt – sonst hätte man den Kandelaber bereits im vergangenen Herbst wieder aufstellen können.

Doch nun gibt es endlich einen aktuellen Zeitplan: Mitte Februar wird der Kandelaber geliefert, dann werden noch Sandsteinarbeiten am Sockel erledigt, bevor die Stadtwerke ihn schließlich anschließen können. Spätestens Ende März soll das gute Stück dann endlich leuchten.

Alle Freunde der vielleicht nostalgischsten Attraktion Baden-Badens dürfen sich übrigens freuen: Auch dieser Nachfolger aus dem 21. Jahrhundert wird künftig, wie seine eisernen Kollegen von anno dazumal, allabendlich von Hand entzündet und am Morgen wieder gelöscht. Eine kleine Zeitreise für jeden Beobachter ermöglicht also auch dieses neue „Kunstwerk“.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
18. Januar 2022, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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