Erschlagen, erstochen, erschossen, stranguliert

Rastatt (stn) – Es ist überraschend, wie viele Mordfälle sich in Rastatt und Umgebung zwischen 1986 und 2018 ereignet haben. Autorin Christiane Krause-Dimmock hat ein Buch über sie veröffentlicht.

Christiane Krause-Dimmock am Tatort: In dem Rastatter Hochhaus in der Plittersdorfer Straße wurde der Architekt Horst Dieter Pfirrmann im Jahr 2012 umgebracht. Foto: Nora Strupp

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Christiane Krause-Dimmock am Tatort: In dem Rastatter Hochhaus in der Plittersdorfer Straße wurde der Architekt Horst Dieter Pfirrmann im Jahr 2012 umgebracht. Foto: Nora Strupp

Erschlagen, erstochen, erschossen, stranguliert und misshandelt: Im Landkreis Rastatt ging es in den vergangenen 35 Jahren des Öfteren durchaus brutal und blutrünstig zu. Die Autorin und Journalistin Christiane Krause-Dimmock (59) hat 26 dieser dunklen, grausamen Kapitel der Barockstadt und den umliegenden Städten und Gemeinden nun in einem Buch zusammengetragen, um sie der Öffentlichkeit erneut in Erinnerung zu rufen.

Rastattern dürfte vermutlich der Mordfall um Horst Dieter Pfirrmann noch gut in Erinnerung sein. Im Mai 2012 wurde der eigenbrötlerische Architekt Opfer eines Gewaltverbrechens. Er lebte im obersten Stockwerk des Hochhauses in der Plittersdorfer Straße, war der Vermieter des 135 Wohneinheiten umfassenden Gebäudes. „Weil er die Miete immer in bar entgegengenommen hat, war bekannt, dass Pfirrmann viel Geld im Haus hatte“, weiß Krause-Dimmock. Und genau das wurde ihm schließlich zum Verhängnis.

Forderung nach mehr Opferschutz

Ein Bulgare tötete ihn im Auftrag einer 24-Jährigen am Abend des 1. Mai 2012, indem er ihn mit einer 14 Kilogramm schweren Pferdestatue erschlug. Der Täter entwendete zwei Ölgemälde und flüchtete anschließend. Da der Hochhausbesitzer nur wenig Sozialkontakte hatte, wurde Pfirrmanns Leiche erst sechs Tage nach der Tat entdeckt.

Der Mörder wurde vom Gericht letztlich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die Auftraggeberin bekam zwei Jahre und zehn Monate. Die Tante und der Cousin der 24-Jährigen, die ebenfalls in den Fall verwickelt waren, wurden freigesprochen. Krause-Dimmock hat damals als freie Zeitungsmitarbeiterin an der Gerichtsverhandlung teilgenommen. Der Hochhaus-Mord ist ihr daher noch sehr präsent.

In ihrem Buch „Heimtückisch, grausam und habgierig“ beleuchtet die 59-Jährige neben dem Mord von Pfirrmann noch 25 weitere gewaltsame Todesfälle, die sich in den Jahren zwischen 1986 und 2018 im Landkreis Rastatt ereignet haben. Mit der Veröffentlichung des 134-seitigen Werks möchte sie vor allem eines erreichen: „Die Geschichte der Opfer soll am Leben erhalten werden. Mir ist es wichtig, dass man sich an sie erinnert.“

Besonders ärgere sie, dass Täter das Recht hätten, dass etwas nicht erzählt wird. Opfer hingegen hätten keine Rechte. „Das würde mich als Angehöriger auf die Palme bringen. Ich wünsche mir mehr Opferschutz – ob tot oder lebendig.“

In diesem Zusammenhang denkt die Journalistin auch oft über ihre Schwester nach, die damals im Alter von 15 Jahren bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn ums Leben gekommen ist. „So etwas prägt. Bei unnatürlichen Todesarten bleibt immer etwas zurück. Das kannst du nicht mehr kitten. Und das macht etwas mit der Familie.“

Für die Recherche über die Rastatter Mordfälle durchforstete sie Stadt- und Zeitungsarchive sowie Stadtbibliotheken. Selbst Telefonbücher nahm sie zu Hilfe, um möglicherweise noch Hinterbliebene der Opfer ausfindig zu machen oder herauszufinden, was mit den Tätern geschehen ist.

Als sie immer tiefer in die menschlichen Abgründe der Region abtauchte, kam sie zu mehreren überraschenden Erkenntnissen: „Der Mörder gehört fast immer zum eigenen Haushalt. Es sind meistens Beziehungstaten“, resümiert Krause-Dimmock. Zudem gebe es in Rastatt viele weibliche Täter. „Ungewöhnlich ist, dass die Frauen nicht zu etwas Subtilem wie Gift, sondern zu Messern greifen.“

Zweiter Teil zu Rastatter Morden geplant

Erstaunt war Krause-Dimmock auch über die große Anzahl an Mordfällen, die sich in Rastatt und Umgebung ereignet haben. Sie habe sich deshalb dazu entschlossen, diese auf zwei Bücher aufzuteilen. Während „Heimtückisch, grausam und habgierig“ die Mordfälle in Rastatt und dem nördlichen Landkreis wie etwa in Durmersheim, Elchesheim-Illingen oder Kuppenheim behandelt, dreht sich der zweite Teil um die Morde in Rastatt und dem südlichen Landkreis. Wenn Corona ihr keinen Strich durch die Rechnung macht und alle Archive und Bibliotheken geöffnet bleiben, könnte dieser Teil zwei auch noch dieses Jahr erscheinen. Der erste Teil ist schon jetzt im Buchhandel erhältlich.

Im Herbst vergangenen Jahres veröffentlichte Krause-Dimmock bereits das Buch „Mysteriös, brutal und fast vergessen“, in dem sie Baden-Badener Mordfälle noch einmal näher beleuchtete.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
7. Juni 2021, 14:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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