Erschwerte Vermietung: In Bühl fehlen Parkplätze

Bühl (BNN) – Trotz Wohnungsnot: Wohnungen in der Bühler Innenstadt sind nur noch schwer zu vermitteln. Es fehlen Parkplätze. Beide öffentliche Tiefgaragen sind komplett ausgebucht.

Alle Dauerparkplätze belegt: In den beiden großen öffentlichen Tiefgaragen in der Bühler Innenstadt wird es eng, weil Stellplätze für Kurzzeitparker bereit gehalten werden müssen. Das Foto zeigt die Volksbank-Tiefgarage. Foto: Ulrich Coenen

Alle Dauerparkplätze belegt: In den beiden großen öffentlichen Tiefgaragen in der Bühler Innenstadt wird es eng, weil Stellplätze für Kurzzeitparker bereit gehalten werden müssen. Das Foto zeigt die Volksbank-Tiefgarage. Foto: Ulrich Coenen

Ein Königreich für einen Parkplatz. So formuliert es Rupert Frank. Der Bühler besitzt eine Wohnanlage mit gleich elf Wohneinheiten in der Bühler Innenstadt. Trotz der großen Wohnungsnot lassen diese sich zunehmend schwer vermieten. Eine Wohnung stand gleich mehrere Monate leer. „Interessenten gibt es mehr als genug“, berichtet Frank. „Allerdings benötigen die auch Stellplätze für ihre Autos. Die kann man aber in den beiden Bühler Tiefgaragen nicht mehr anmieten.“

Frank ist Eigentümer des denkmalgeschützten Eckhauses Hauptstraße/Dreherstraße und der beiden anschließenden Neubauten im Verlauf der Hauptstraße und der Dreherstraße aus der Mitte der 1980er Jahre. Im Innenhof gibt es lediglich acht Stellplätze. Die fehlenden Stellplätze hat Franks Vater im Zusammenhang mit den Neubauprojekten Mitte der 1980er Jahre bei der Stadt damals für rund 100.000 Mark abgelöst. Der Neubau einer Tiefgarage wäre auf dem engen innerstädtischen Grundstück nicht möglich.

1,5 Stellplätze pro Wohnung

Diese Ablöse ist heute nicht mehr möglich. Inzwischen müssen bei jedem innerstädtischen Wohngebäude pro Wohnung je nach Größe ein bis 1,5 Stellplätze nachgewiesen werden. Weil die allermeisten innerstädtischen Grundstücke für Tiefgaragen zu klein sind, sind deshalb in den vergangenen Jahren vermehrt Parkgeschosse für Autos in den Erdgeschossen von neuen Mehrfamilienhäusern entstanden. Beispiele gibt es bereits in der Rheinstraße, der Gartenstraße, der Schulstraße und der Dreherstraße.

Unabhängig von den städtebaulichen Problemen ist diese Lösung für die Eigentümer von Bestandsgebäuden keine Option. „Glücklicherweise habe ich gerade eine Wohnung an ein Paar ohne Auto vermietet“, sagt Frank. „Ein anderes berufstätiges Paar besitzt hingegen zwei Fahrzeuge und braucht die auch, damit die Partner jeden Tag zu Arbeit fahren können. Der ÖPNV ist keineswegs immer eine Alternative.“

Frank sieht sich vor einem Dilemma. „Meine Familie hat mit erheblichem finanziellem Aufwand dringend benötigten Wohnraum in der Kernstadt geschaffen und mit Balkonen und Aufzug ausgestattet“, berichtet er. „Der ist jetzt wegen der fehlenden Parkplätze nur noch schwer zu vermitteln.“ Von anderen Eigentümern und Hausverwaltungen weiß Frank, dass diese dieselben Probleme haben.

Bei Mieterwechsel ist Parkplatz weg

„Als Eigentümer der Wohnungen kann ich mich nicht auf die Warteliste für die Tiefgarage setzen lassen beziehungsweise notwendige Parkplätze anmieten, das kann nur der Mieter“, klagt Frank. „Wenn der wechselt, ist der Parkplatz dann gleich wieder weg.“

Silvia Hörth, Pressesprecherin der Sparkasse Bühl, bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass Dauerparkplätze in der Sparkassentiefgarage knapp sind. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot“, berichtet sie. Alle Dauerplätze sind belegt. Wegen der geringen Fluktuation werde keine Warteliste geführt. Die erste Ebene ist komplett für Kurzzeitparker reserviert. „Eine Erweiterung unserer Tiefgarage ist nicht möglich“, sagt Hörth.

Ähnlich ist die Situation in der Volksbanktiefgarage. „Bei der Vergabe von Stellplätzen in unserer Tiefgarage achten wir auf eine ausgewogene Verteilung von Dauerparkplätzen und öffentlichen Parkplätzen“, erklärt Pressesprecherin Claudia Möllers. „In der Bereitstellung von ausreichend öffentlichen Parkplätzen sehen wir eine zentrale Aufgabe. Die Tiefgaragengemeinschaft erfüllt somit insbesondere auch einen öffentlichen Zweck im Sinne der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Kapazitäten ist daher die Bereitstellung von Dauerparkplätzen beschränkt.“ Eine Erweiterung der Tiefgarage sei derzeit nicht vorgesehen.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW) reagiert überrascht, als er vom Parkplatzmangel erfährt. „Der Bau einer dritten Tiefgarage auf dem Schulhof der Aloys-Schreiber-Schule war in Zusammenhang mit der Neugestaltung des Campus Bühl ein Thema“, sagt er. Kurzfristig sei das aber nach dem Einbruch der Gewerbesteuern nicht mehr möglich, weil die Stadt für den Bau einer zweigeschossigen Tiefgarage die Sporthalle der Schule abreißen und in Richtung Marktstraße neu bauen müsse. „Dafür fehlt uns aktuell das Geld“, räumt Schnurr ein.

Schnurr will aber aktiv werden. „Wir werden den Bedarf der Tiefgaragenstellplätze bei den Vermietern abfragen“, erklärt er. „Wenn die bereit sind, die neuen Tiefgaragenstellplätze zu kaufen, können wir über den Neubau nachdenken.“ Gleichzeitig will Schnurr prüfen, ob es in den bestehenden privaten Tiefgaragen in der Kernstadt noch freie Kapazitäten gibt, die frei vermietet werden können.

Zum Thema:

Öffentliche Tiefgaragen: In der Bühler Innenstadt gibt es zwei großen öffentliche Tiefgaragen mit jeweils zwei Ebenen. Die Sparkassen-Tiefgarage bietet 175 Parkplätze. Die größere Volksbank-Tiefgarage verfügt über 265 Stellplätze.

Private Tiefgaragen: Daneben gibt es in der Kernstadt einige wenige private Tiefgaragen unter großen Wohnanlagen, beispielsweise in der Friedrich-Ebert-Straße, Im Grün und in der Herbert-Odenheimer-Straße. Auf kleinen Grundstücken, auf denen sich eine Rampe nicht realisieren ließ, ist das unterirdische Parkgeschoss nur mit einem Fahrzeug-Aufzug erreichbar. Ein Beispiel gibt es in der Franz-Conrad-Straße.

Kommentar: Bekanntes Problem

Von Ulrich Coenen

Ein bekanntes Problem verschärft sich massiv. Es geht mal wieder um Parkplätze. Beim Neubau von Wohnhäusern in der Bühler Innenstadt müssen Investoren ausreichend Stellplätze nachweisen. Das ist richtig, denn oberirdische Parkplätze sind rar. Außerdem ist Blech an Blech im Stadtbild hässlich. Weil die meisten Grundstücke für Tiefgaragen viel zu klein sind, haben Bauherren in den vergangenen Jahren in den Erdgeschossen Parkebenen für Pkw geschaffen. Dadurch geht nicht nur wertvoller Wohnraum verloren, auch gestalterisch und städtebaulich sind die ebenerdigen Parkgeschosse eine Katastrophe.

Inzwischen stehen für die Bewohner von älteren Bestandsgebäude, die nicht über ausreichend Stellplätze verfügen, keine Dauerparkplätze in den beiden ausgelasteten öffentlichen Tiefgaragen zur Verfügung. Trotz der angestrengten Lage auf dem Wohnungsmarkt, lassen sich diese Wohnungen nur noch schwer vermieten.

Abhilfe für beide Probleme könnte die im Zusammenhang mit dem Wettbewerb Campus Bühl projektierte Tiefgarage auf dem Gelände der Aloys-Schreiber-Schule schaffen. Investoren, die keine eigene Tiefgarage bauen können, sollten verpflichtet werden, dort Stellplätze für ihre Wohnungen zu kaufen. Das verhilft der Stadt zu zusätzlichem Wohnraum und erspart massive fensterlose Fassaden in der City. Auch das Stellplatzproblem der Bestandsgebäude wäre gelöst.

Die Stadt, die knapp bei Kasse ist, könnte die Tiefgarage auf diese Weise komplett refinanzieren und müsste nur in Vorleistung gehen. Die von OB Hubert Schnurr geplante Umfrage nach freien Kapazitäten in privaten Tiefgaragen ist eine ausgezeichnete Idee. Das kann aber nur eine Zwischenlösung sein. Bunkerartige Fassaden vor Parkdecks im Erdgeschoss dürfen in der Bühler City nicht zum Standard werden.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
10. Mai 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
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