Erste Corona-Tiere in Baden-Baden und Rastatt

Baden-Baden (ans) – Besonders Kleintierfunde häufen sich in Baden-Baden und Rastatt. Die Tierheime sind zwar voll, aber nicht überfüllt.

Im Rastatter Tierheim warten ungewöhnlich viele Katzenbabys auf ein neues zu Hause. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

© picture alliance / dpa

Im Rastatter Tierheim warten ungewöhnlich viele Katzenbabys auf ein neues zu Hause. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht am 30. Juni haben viele Halter weniger Zeit, sich um ihre während des Lockdowns angeschafften Schützlinge zu kümmern. Tierschützer befürchteten daher im vergangenen Winter eine große Rückgabewelle bei den Tierheimen und schlugen Alarm. Das BT hat mit Tierheimen in der Region gesprochen und nachgefragt, ob die Zahl der Abgabetiere gestiegen ist.

Die Tierheime in der Region sind voll, aber nicht überfüllt, das berichten die Tierschutzvereine in Baden-Baden und Rastatt übereinstimmend. „Wir sind wirklich ein sehr kleines Tierheim und selbst wir merken, dass Hunde vermehrt abgegeben werden“, stellt Jacqueline Grimm, die den Buchtunger Hof in Sinzheim leitet, fest. In vielen Fällen sei der Alltag wieder eingetreten und habe die Halter überfordert. „Vor allem Hunde werden coronabedingt abgegeben“, so Grimm. Die abgegebenen Tiere seien nicht vom Buchtunger Hof vermittelt worden, sondern stammten zu einem großen Teil aus Auslandsvermittlungen, teilt die Tierheimleiterin mit. Als „Rückgabewelle“ würde sie die aktuelle Situation dennoch nicht beschreiben, sagt sie. Zwar sei das Tierheim aktuell voll belegt, bei Notfällen gebe es aber immer einen Weg zu helfen. „Wir versuchen unser Bestmögliches, Vermittlungshilfe zu leisten“, versichert Grimm. Zum Beginn der Sommerferien erhielten die Tierheimmitarbeiter zwar viele Pensionsanfragen, die Abgaben seien durch die Schulferien aber nicht in die Höhe geschnellt.

Viele Kleintierfunde bei Baden-Baden

Bisher sind im Tierheim Baden-Baden keine „Corona-Tiere“ abgegeben worden. Doch seit einem halben Jahr mehren sich die Funde von ausgesetzten Kleintieren wie Ratten, Frettchen und Kaninchen. „Pro Woche kommt mindestens ein ausgesetztes kleines Heimtier zu uns“, lässt Jessica Reichynek wissen.

„Die Tiere sind knapp ein Jahr alt oder jünger“, so die Leiterin der Jugendgruppe des Tierschutzvereins weiter. Da liege der Verdacht nahe, dass es sich um Anschaffungen aufgrund der Pandemie handelt, die man nun loswerden will. Ausgesetzte Kleintiere seien schon vor der Corona-Krise ein Problem gewesen, das nun verstärkt auftrete. „Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich deutlich höher“, vermutet Reichynek.

Ende der Homeoffice-Pflicht macht sich bemerkbar

Auch im Rastatter Tierheim macht sich das Ende der Homeoffice-Pflicht bereits bemerkbar, bestätigt Tierheimleiterin Saskia Joeres. Aktuell sind dort drei Hunde untergebracht, die pandemiebedingt abgegeben wurden. „Der erste Corona-Hund kam Mitte Juni zu uns“, so Joeres. Sie vermutet, dass die zeitweise Schließung der Hundeschulen und der fehlende Austausch unter Hundebesitzern die neuen Halter schlichtweg überfordert habe. Auch die Kleintierfunde „häufen sich extrem“. Im Juli wurde eine Fünfergruppe kleiner Kaninchen ins Tierheim gebracht, wenig später eine Dreiergruppe. Als ebenfalls ungewöhnlich empfindet die Tierheimleiterin die aktuell geringe Nachfrage nach Katzenbabys, die dazu führt, dass das Rastatter Tierheim momentan insgesamt 50 Stubentiger beherbergt.

Bereits im Juni schlug der Tierschutzbund Alarm, wie der Präsident Thomas Schröder sagte. Unüberlegt online, aber auch im Zoofachhandel oder beim Züchter gekaufte Tiere würden nun in den Tierheimen landen. Grund dafür sei auch die Corona-Pandemie. „Der Wunsch nach Nähe und Beschäftigung hat die Zahl der in Deutschland gehaltenen Tiere in die Höhe schnellen lassen“, stellt Schröder fest. Erfreulich daran sei hingegen, dass auch viele Tierheime für ihre Schützlinge die passenden Interessenten gefunden hätten, die ihnen ein neues zu Hause gaben.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

Zum Artikel

Erstellt:
5. August 2021, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.