Erste Pflichtspiele nach fünf Monaten Pause

Baden-Baden(mi) – Das Wochenende mit den ersten Pflichtspielen in der Qualifikation im sübadischen Verbandspokal markiert einen Neubeginn für alle Beteiligten nach fast fünf Monaten Pause.

Lukas Koch  und  Landesligist SV Sinzheim sind gegen Verbandsligist SV Bühlertal Außenseiter. Foto: Frank Seiter

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Lukas Koch und Landesligist SV Sinzheim sind gegen Verbandsligist SV Bühlertal Außenseiter. Foto: Frank Seiter

Einmal ist immer das erste Mal. Selbst für die routinierten Amateur-Kicker, von denen nicht wenige mit Mitte 30 schon seit annähernd 20 Jahren dem Leder nachjagen, ist das eine gänzlich neue Erfahrung. Eine, die keiner machen will. Am ersten August-Wochenende, wenn die Qualifikationsrunde im südbadischen Verbandspokal ansteht, absolvieren die Akteure allerorten entweder das allererste oder zweite Pflichtspiel des Jahres. Bekanntlich war der Start nach der Winterpause in der vergangenen Saison Anfang März gleichzeitig auch der letzte Ernstfall – die Corona-Pandemie sorgte für einen historischen fünfmonatigen Ligen-Stillstand.
Nach Monaten voller Ungewissheit und außerordentlichen Verbandstagen steht nun also der sportliche Neustart bevor. Und für die meisten Vereine wird nicht der Wettbewerb an sich die größte Vorfreude verursachen, sondern die Lust am Kicken nach monatelanger Tatenlosigkeit. Gleichzeitig bietet die Qualifikation auch mitten in der Saisonvorbereitung eine erste Überprüfung der Form. Wobei bei allen nach der Trainingsaufnahme vor zwei, drei Wochen noch erhebliche Abstriche zu machen sind.

„Man merkt den Jungs schon an, dass sie lange nicht mehr gespielt haben. Momentan sind wir in der intensiven Phase mit viel Konditionstraining und viel Mal Üben in der Woche. Da wir zwei Ligen höher als Scherzheim angesiedelt sind, erwarte ich dennoch einen Sieg“, steht die Einschätzung von Würmersheims Landesliga-Trainer Manuel Jung stellvertretend für die meisten Vereinsvertreter vor dem ersten Ernstfall.

„Ich freue mich, dass es endlich losgeht. Als Fußballer durch und durch hat man den Spielbetrieb doch vermisst. Der Fokus liegt allerdings eindeutig auf dem ersten Spieltag. Da wir derzeit viel Konditionsarbeit machen, werden die Beine der Jungs noch schwer sein“, sagt Neu-Trainer Fabian Ernst des Neu-Landesligisten SV Ulm. Da er Erfolgscoach Oliver Bethge die vergangenen zwei Jahre assistierte und daher das Team bestens kennt, verlief der Übergang reibungslos.

Das Duell beim TSV Loffenau ist ein erster Gradmesser für die anstehende Punkterunde. Auch in Loffenau gibt es einen neuen Übungsleiter: Sven Huber wird als erfahrene Führungsfigur bemüht sein, das umgekrempelte Team in ruhigeres Fahrwasser als in der Vorsaison zu lenken.

Neuaufbau in Mörsch

Loffenau blieb dank des Saisonabbruchs in der Landesliga, der SV Mörsch wollte dagegen freiwillig von der Verbandsliga eine Etage tiefer. Ähnlich wie Huber steht auch Coach Christian Hofmeier bei seinem Heimatverein SV Mörsch, der beim Bezirksligisten FV Ötigheim gastiert, vor einem kompletten Neuaufbau.

Dies gilt gleichermaßen auch für Dirk Rohde bei Rot-Weiß Elchesheim, aber unter gänzlich anderen Voraussetzungen. Der in Nordbaden erfolgreich arbeitende Rohde hat einige interessante Spieler verpflichtet wie Dominic Frey, den er beim Aufstieg in die Verbandsliga Nordbaden mit Fortuna Kirchfeld trainierte, Nikola Kandic oder Artur Miller. Heimgegner FV Ottersweier wird man auch in der Punkterunde wieder zweimal begegnen.

Für FVO-Coach Christian Coratella zählt die Quali-Partie lediglich als „besseres Vorbereitungsspiel“. Der langjährige Topstürmer, der vorgestern seinen 39. Geburtstag feierte, wird künftig auch nicht mehr im gegnerischen Strafraum zu finden sein. „Ich habe es nochmals versucht, aber es geht nicht mehr. Ich werde nur noch als Trainer fungieren.“ Sein Torriecher wird beim FVO vermisst werden, die Offensive sieht Coratella auch als die Achillesferse im zumindest zahlenmäßig verstärkten und damit breiteren Kader. „In der Defensive haben wir uns tatsächlich verstärkt, doch vorne werden wir Probleme bekommen“, prophezeit der erfahrene Routinier. Der in der vergangenen Saison schwer verletzte Marvin Ernst fällt nach seinem Fußbruch bis zum Jahresende noch aus.

Dritte Trainingswoche

Auch für die Verbandsligisten ist aller Anfang schwer, aber sowohl der SV Kuppenheim beim Bezirksligisten FC Lichtenau als auch der SV Bühlertal beim Landesligisten SV Sinzheim sind natürlich favorisiert. Johannes Hurle befindet sich mit seinen Schützlingen in der dritten Trainingswoche, spürt aber auch die Auswirkungen der langen Pause. „Es ist nicht die gleiche Vorbereitung wie im Vorjahr. Das merkt man auch daran, dass es bei dem ein oder anderen mehr zwickt. Ich bin aber bislang sehr zufrieden mit der Einstellung und Beteiligung. Wir haben große Lust, endlich auch wieder vor einer größeren Kulisse spielen zu können.“

Dass die Zuschauer einen ausgeprägten Hunger auf Amateur-Fußball live nach Monaten von Profi-Fußball nur vor dem Fernseher oder gar als Konserve von anno dazumal verspüren, veranschaulicht die Pressemitteilung des SV Sinzheim, der Kontaktadressen für den Ticket-Vorverkauf angab. Bekanntlich dürfen nach der Corona-Verordnung des Südbadischen Fußball-Verbandes nicht mehr als 500 Zuschauer im Fremersbergstadion zugegen sein. Hurle lobt den SVS diesbezüglich auch ausdrücklich, „wie sie das toll organisieren“. Hurle vergisst nicht, darauf hinzuweisen, dass der Restart ein „Privileg“ für alle, die diesen Sport lieben, darstellt.

Auch sportlich freut man sich beim SVS auf den attraktiven Vergleich gegen den gerade mal 13 Kilometer entfernten Verbandsligisten. „Das ist ein verdammt guter Gegner. Es wird interessant zu beobachten sein, wie meine Jungs nach der langen fußballlosen Zeit drauf sind. Sie waren jedenfalls in der Pause sehr fleißig. Gegenseitiges Antreiben hat jedenfalls geholfen“, sagt Spielertrainer Marcel Stern, der die Mannschaft vor dem Saisonabbruch mit konstanten Leistungen im vorderen Mittelfeld etablierte,

Das Wochenende mit den ersten Pflichtspielen markiert also einen Neubeginn für alle Beteiligten. Es bleibt zu hoffen, dass die Pokal-Qualifikation nicht der Startschuss in die nächste Chaos-Saison mit viel Ärger und Absagen darstellt.


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