Erste Prognosen mit Hilfe aus Gaggenau

Gaggenau (stn) – Das Institut Infratest dimap hat im Gaggenauer Rathaus Bürger nach ihrer Wahlentscheidung befragt.

Irene Siebert ist seit 45 Jahren als Interviewerin für Infratest dimap im Einsatz. Foto: Nora Strupp

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Irene Siebert ist seit 45 Jahren als Interviewerin für Infratest dimap im Einsatz. Foto: Nora Strupp

Zur Landtagswahl in Baden-Württemberg werden sie mit Spannung erwartet: Die ersten Zahlen, die nach der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr in der ARD bekannt gegeben werden und eine Prognose darüber abgeben, welche Partei die Nase vorn hat. Geliefert werden die Zahlen vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap. Irene Siebert (78), Mitarbeiterin bei Infratest, führte eine repräsentative Stichprobe im Wahlbezirk 22 im Gaggenauer Rathaus durch.

Siebert ist eine der vielen Korrespondenten, die gestern in landesweit 200 Wahlbezirken durch eine Befragung der Wähler versuchten herauszufinden, welche Partei voraussichtlich die stärkste Kraft im Landtag wird. Hierfür werden die Wähler nach ihrer Stimmabgabe von Siebert gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Die Teilnahme ist freiwillig und anonym.

In unregelmäßigen Abständen und nach dem Zufallsprinzip kommen zwei verschiedene Fragebogen zum Einsatz, erläutert die 78-Jährige. Im kurzen Fragebogen wird nach der aktuellen Wahlentscheidung sowie nach Alter und Geschlecht gefragt. Ein längerer Fragebogen beinhaltet zehn zusätzliche Fragen wie etwa zum Schulabschluss, zur Berufstätigkeit und zur persönlichen wirtschaftlichen Situation. Auch nach wahlentscheidenden Aspekten werde gefragt, zum Beispiel nach den Beweggründen („Haben Sie Ihre Partei gewählt, weil Sie von ihr überzeugt sind?“ oder „Haben Sie Ihre Partei gewählt, weil Sie von anderen enttäuscht sind?“) oder welche möglichen Koalitionen die Wähler als zukünftige Landesregierung gut oder nicht gut finden.

Weniger Teilnehmer wegen Briefwahl

Die Befragungen werden in sieben Zeitblöcken vorgenommen. Diese erstrecken sich über den gesamten Tag – von 8.15 Uhr bis 17.20 Uhr – und dauern jeweils 30 bis 60 Minuten. Nach jedem Block gibt es eine Pause, in der Siebert die bis dahin ausgefüllten Fragebogen auszählt und die Ergebnisse verschlüsselt und per Telefon an den Infratest dimap-Standort in München durchgibt.

Nach dem sechsten Block fragt Siebert zudem beim Wahlvorstand des Wahlbezirks nach, wie viele Personen bis zu diesem Zeitpunkt zum Wählen ins Wahllokal gekommen sind, sowie nach der Prozentzahl der Wahlberechtigten.

Die Auswahl der Wähler erfolgt nach dem Zufallsprinzip. „Jede zweite Person, die das Wahllokal verlässt, wird angesprochen“, erläutert Siebert. Doch Bereitwillige zu finden, die an der Umfrage teilnehmen, gestaltet sich gestern eher schwierig. „Morgens war es sehr zähflüssig. Bis um 10 Uhr war fast nichts los. Das liegt daran, dass viele Briefwahl gemacht haben“, weiß die in Gaggenau wohnhafte Rentnerin. Bereits seit 45 Jahren ist sie als Interviewerin in freier Mitarbeit für Infratest dimap im Einsatz.

Auch nach 45 Jahren hat Siebert noch Freude an ihrer Arbeit

Seit 7.45 Uhr ist Siebert im Gaggenauer Rathaus auf den Beinen; nach dem dritten Zeitblock um 12 Uhr hat sie 21 Wählerinnen und Wähler befragt.

Einer von ihnen ist Silvester Benkler. Nachdem er im Wahllokal 22 sein Kreuzchen gemacht hat, wird er auf dem Weg zum Ausgang von Siebert angesprochen. Er erhält den langen Fragebogen. Nachdem er diesen ausgefüllt hat, erkundigt sich Siebert danach, ob er auch wirklich jede Frage beantwortet hat. Ist dies nämlich nicht der Fall, ist der Fragebogen wertlos und fließt nicht in die 18-Uhr-Prognose mit ein, erläutert sie. „Deshalb muss man die Wähler darauf hinweisen, dass sie alles ausfüllen müssen.“

Silvester Benkler hat seinen Fragebogen ausgefüllt und steckt ihn in die bereitgestellte „Wahlurne“ von Infratest. Foto: Nora Strupp

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Silvester Benkler hat seinen Fragebogen ausgefüllt und steckt ihn in die bereitgestellte „Wahlurne“ von Infratest. Foto: Nora Strupp

Etwa die Hälfte der angesprochenen Wähler möchte jedoch nicht an der Infratest-Stichprobe teilnehmen. Davon lässt sich Siebert allerdings nicht aus der Ruhe bringen: „Das bin ich gewohnt. Was meinen Sie, wie viele Verweigerungen oder böse Antworten ich im Laufe meiner Tätigkeit als Interviewerin schon bekommen habe?“ Im Großen und Ganzen seien es aber sehr nette Leute, mit denen sie zu tun habe.

Doch obwohl sie schon seit 13 Jahren im Ruhestand ist, denkt sie noch lange nicht ans Aufhören. „Ich hoffe, dass ich noch fünf Jahre tätig sein kann.“ Der Grund, warum sie ihre Arbeit als Infratest dimap-Interviewerin noch nicht an den Nagel hängen will? „Weil mir der Kontakt mit Menschen viel Spaß macht.“

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
14. März 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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