Erste VHS-Kurse im Land starten wieder

Stuttgart/Rastatt (red/for) – Aufgrund einer Rechtsverordnung des Kultusministeriums können Volkshochschulen (VHS) in Baden-Württemberg seit gestern unter Auflagen ihren Präsenzkursbetrieb weitgehend wieder aufnehmen. Die VHS Landkreis Rastatt muss sich allerdings noch gedulden.

Weil vorgeschriebene Abstandsregelungen kleinere Teilnehmergruppen erfordern, entstehen für viele Volkshochschulen höhere Raum- und Honorarkosten. Foto: Gollnow/dpa

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Weil vorgeschriebene Abstandsregelungen kleinere Teilnehmergruppen erfordern, entstehen für viele Volkshochschulen höhere Raum- und Honorarkosten. Foto: Gollnow/dpa

Während gestern vielerorts wieder Präsenzkurse der Volkshochschulen starten konnten, müssen sich Kursteilnehmer im Landkreis Rastatt weiterhin mit digitalen Angeboten zufriedengeben. Nach der Corona-Verordnung der Landesregierung ist die Nutzung schulischer Gebäude für nichtschulische Zwecke nämlich immer noch bis zum 15. Juni untersagt. „Da die Veranstaltungen unserer VHS überwiegend in Schulen stattfinden, fehlen uns durch diese Regelung vorerst noch die Unterrichtsräume“, teilt Helga Braun, stellvertretende Amtsleiterin der VHS, mit.

„Wir hoffen darauf, nach dem 15. Juni endlich wieder Präsenzkurse anbieten zu können“, sagt sie. Die Vorbereitungen für einen Neustart der Kurse in der zweiten Junihälfte liefen auf Hochtouren.

Strenge Abstands- und Hygieneregeln

Für die Volkshochschulen im Land, die bereits seit gestern teilweise öffnen können, gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln. So bleiben zunächst alle Kurse mit gesteigertem Infektionsrisiko untersagt, teilt der Volkshochschulverband Baden-Württemberg mit. Dazu zählten etwa Koch- und Backkurse sowie alle Angebote mit Körperkontakt. Der von jeder einzelnen Einrichtung aufzustellende individuelle Hygieneplan bindet viele Ressourcen.

Außerdem muss jederzeit ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden, auch in den Kursräumen. Für die VHS Landkreis Rastatt habe die Einhaltung des Abstandsgebots bei einer Wiedereröffnung oberste Priorität, betont Braun. Sie werde dadurch gewährleistet, dass die Schulen ihre Klassenräume bereits auf Corona-Bedingungen „umgerüstet“ hätten und die VHS die vorgegebenen Sitzordnungen unverändert übernehme. Für die Seminarräume im Landratsamt, in den VHS-Außenstellen Gaggenau und Bühl sowie alle anderen Unterrichtsräume würden maximale Belegungszahlen festgelegt, die nicht überschritten werden dürften. Grundsätzlich bedeute dies, dass Gruppen mit mehr als zehn bis zwölf Teilnehmenden nicht mehr möglich sein werden. Sollte die Nachfrage die maximale Belegungszahl übersteigen, werde sich die VHS darum bemühen, Zusatzkurse anzubieten.

Schwierigkeiten bei Integrationskursen

Hermann Huba, Direktor des VHS-Verbands, ist dem Kultusministerium für den zweiten Öffnungsschritt bei den VHS „angesichts von Einnahmeverlusten in Höhe von 1,9 Millionen Euro wöchentlich“ dankbar: „Jetzt können die Volkshochschulen endlich auch wieder analog, und nicht nur digital für ihre Teilnehmer da sein und sich dadurch zu einem gewissen Teil auch wieder selbst helfen, die Corona-Krise zu überstehen.“

Schwierigkeiten bestünden aber weiterhin bei den Integrationskursen, die vom Land bereits am 4. Mai wieder freigegeben wurden. Das Abstandsgebot habe vor allem auf die stark nachgefragten Integrationskurse Deutsch große Auswirkungen, sagt Braun. „Hier waren vor Corona Gruppenstärken von 20 bis 25 Teilnehmenden keine Seltenheit.“

Höherer Verwaltungsaufwand und höhere Kosten

Die Teilung der Gruppen verursache nicht nur höhere Raumkosten und einen erhöhten Verwaltungsaufwand, sondern vor allem auch mindestens doppelte Honorarkosten, sagt Braun. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wolle ein an die Corona-Zeit angepasstes Finanzierungskonzept aber frühestens im Juli vorlegen und bestehe auf einen bundeseinheitlichen Start, heißt es in einer Mitteilung des VHS-Verbands. Bis dahin sollten die Volkshochschulen die vervielfachten Kosten, die sich daraus ergeben, dass das Abstandsgebot kleinere Gruppen erfordert, selbst tragen.

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Erstellt:
25. Mai 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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