Zentrale Corona-Ambulanz in Balg

Baden-Baden (ml) – Das Coronavirus breitet sich in der Region weiter aus. Das Klinikum Mittelbaden richtet in der Klinik Balg eine zentrale Corona-Ambulanz ein, die am Samstag und Sonntag geöffnet hat.

Das Klinikum Mittelbaden richtet in Balg eine zentrale Corona-Ambulanz ein. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

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Das Klinikum Mittelbaden richtet in Balg eine zentrale Corona-Ambulanz ein. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Diese spezielle Ambulanz hat am Samstag und Sonntag jeweils in der Zeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet und ist für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständig, wie das Klinikum am Freitag mitteilte. Zielgruppe sind Personen, die sich in Risikogebieten (laut Vorgaben des Robert-Koch-Institutes) aufgehalten haben und Anzeichen einer Erkrankung verspüren. Dazu zählen laut dem baden-württembergischen Sozailminsitrerium etwa Fieber, Muskelschmerzen, Husten, Schnupfen oder Durchfall. Das Klinikum rät, vor einem Besuch per Telefon Kontakt zum Hausarzt oder der Hausärztlichen Notfallambulanz (Telefon 116 117) aufzunehmen.

Als Risikogebiet sind eingestuft (Stand: Freitag, 15 Uhr):

- In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan)

- Im Iran: Provinz Ghom, Teheran

- In Italien: Südtirol (entspricht Provinz Bozen) in der Region Trentino-Südtirol, Region Emilia-Romagna, Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien.

- In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

Reisende, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem der Risikogebiete aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit vorläufig zu Hause bleiben. Die 14 Tage sind aufgrund der Inkubationszeit (Zeispanne zwischen einer Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symphome) ab dem Zeitpunkt der Rückkehr zu zählen.

Derweilen steigt die Zahl der Covid-19-Fälle in der Region weiter an. Bereits am Donnerstagnachmittag hatte sich die Covid-19-Erkrankung eines 18-Jährigen bestätigt, der die Albert-Einstein-Schule in Ettlingen besucht. Der junge Mann habe sich zu einem frühen Zeitpunkt der Infektiosität einen Tag an seiner Schule aufgehalten, teilte das Landratsamt Karlsruhe mit. Die Schüler, die gemeinsam mit dem mittlerweile Erkrankten Unterricht hatten sowie die Lehrer wurden als Kontaktpersonen bewertet und häuslich isoliert. Die Kontaktpersonen wurden bereits am Abend des 4. März über die Informationsketten der Schule informiert.

In Mittelbaden wurden an einigen Schulen Schüler, die sich während der Ferien in einem der Risikogebiete aufgehalten hatten, nach Hause geschickt. Auch in einigen Einrichtungen und Firmen wurden betroffene Mitarbeiter von der Arbeit freigestellt. Die Stadt Baden-Baden forderte alle Mitarbeiter, die sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in Südtirol aufgehalten hatten, sich zu melden und sofort nach Hause zu gehen.

Risikogebiet Südtirol

Wie das baden-württembergische Sozialministerium am Freitagmorgen informierte, hatten sich etwa 40 Prozent der bislang infizierten Personen im Land zuvor in Südtirol aufgehalten. Die Region wurde inzwischen vom Robert-Koch-Institut zum Corona-Risikogebiet erklärt.

Zwei Fälle in der Ortenau

Am Freitagvormittag teilte das baden-württembergische Sozialministerium zudem mit, dass sich die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle im Land seit Donnerstagabend um sieben auf nun 96 erhöht habe. Betroffen sind auch zwei Frauen aus dem Ortenaukreis (Jahrgang 1996 und 2003), die sich zuvor in Südtirol aufgehalten hatten. Bis Freitagabend stieg die Zahl der bestätigten Infektionen laut Ministerium in Baden-Württemberg um weitere 20 auf nunmehr 116 an. Die Kreise Baden-Baden und Rastatt waren zu diesem Zeitpunkt (Stand: 18 Uhr) auch weiterhin nicht betroffen.

Task Force in Karlsruhe

In Karlsruhe haben die niedergelassenen Ärzte, die Kassenärztliche Vereinigung, das Gesundheitsamt Karlsruhe, die Christlichen Klinken Karlsruhe sowie das Städtische Klinikum eine Task Force gebildet, um bei der Bekämpfung der Corona-Ausbreitung eng zusammenarbeiten zu können. Dabei gehe es vor allem um eine Lenkung von potenziellen und tatsächlichen Patienten, um eine Versorgung sicherstellen zu können, wie am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz betont wurde. Bei der Pressekonferenz wurde auch bekannt, dass es in Karlsruhe und Bretten zwei neue Fälle gebe. Bei einem der Fälle handelt es sich um einen Mitarbeiter eines technischen Dienstleisters, der im Vincentius-Krankenhaus im Einsatz war und dort mit zehn Mitarbeitern Kontakt hatte. Diese wurden in häusliche Isolation geschickt. Bei fünf von ihnen gebe es mittlerweile ein negatives Testergebnis, bei den übrigen stehe das Ergebnis noch aus.

Vertreter des Gesundheitsamts und verschiedener Kliniken informieren Freitagmittag gemeinsam mit Landrat Christoph Schnaudigel (Dritter von rechts) sowie Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (Zweiter von rechts) in Sachen Coronavirus. Foto: naf

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Vertreter des Gesundheitsamts und verschiedener Kliniken informieren Freitagmittag gemeinsam mit Landrat Christoph Schnaudigel (Dritter von rechts) sowie Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (Zweiter von rechts) in Sachen Coronavirus. Foto: naf

Neue Phase der Erkrankungswelle

Dr. Ulrich Wagner, Abteilungsleitung Gesundheitsschutz im Gesundheitsamt Karlsruhe, betonte die „extrem dynamische Situation“. Der aktuelle Stand könne in ein paar Stunden „wieder ganz anders aussehen“. Aus diesem Grund machte auch Oberbürgermeister Frank Mentrup auf das „zunehmende Risiko, dass man nicht mehr alle Infektionsketten nachvollziehen und abbrechen kann“ aufmerksam. Er appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger. Die „neue Phase der Erkrankungswelle“ auf die man sich nach Mentrup einstellen muss, fordere eigene Risikoeinschätzungen. Er sehe nicht die Notwendigkeit, alle Großveranstaltungen abzusagen, wenn Betroffene sich auch ihrer eigenen Verantwortlichkeit bewusst werden und individuell abschätzen, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten.

Die Kommunikation zu dem Thema soll sich nicht nur innerhalb der verschiedenen Instanzen weiter verbessern, sondern auch transparenter gegenüber der Außenwelt werden. Eigens für Verkündigungen zum Thema Corona soll deshalb in der kommenden Woche ein Kommunikationsportal eingerichtet werden.
Die vielen verunsicherten Menschen, die in die Krankenhäuser strömen, „erschweren strukturelle Handlungen“, so Wagner. Er betont, dass nur bei schwerer Symptomatik ein Besuch beziehungsweise Anruf beim Arzt nötig ist.

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Erstellt:
5. März 2020, 14:23 Uhr
Aktualisiert:
6. März 2020, 18:39 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 28sec

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Regending Wolfram 06.03.202007:41 Uhr

Sehr geehrte Dame und Herren,
zu dem Bericht über den jungen Mann, der sich in Santa Christina angesteckt hat, wäre es sinnvoll den Zeitraum und den evtl. Aufenthaltsort zu benennen. Wir, eine 10 köpfige Männergruppe waren ebenfalls
in St.Christ. vom 08. -14. 02. daher mache ich mir etwas Gedanken .
Schon in früheren Berichten wurde nur pauschal Süd Tirol als Ansteckungsort genannt.
Etwas konkreter Benennung der Erregerquellen würde ich mir wünschen.

Badisches Tagblatt antwortete am 06.03.202018:48 Uhr

Sehr geehrter Herr Regending, Die Inkubationszeit beträgt 14 Tage. Mehr als den Ort geben die Behörden nicht bekannt.


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