Erster Storch wieder in Muggensturm

Muggensturm (sl) – Eine warme Südwestströmung bringt die ersten Störche zurück: In Muggensturm wurde dieser Tage bereits ein Exemplar gesichtet.

Die Aktivitäten der Jungstörchin „Petra“ lassen sich mit der App „Animal Tracker“ beobachten. Foto: Sebastian Linkenheil

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Die Aktivitäten der Jungstörchin „Petra“ lassen sich mit der App „Animal Tracker“ beobachten. Foto: Sebastian Linkenheil

Im Nest beim Muggensturmer Rathaus ist der erste Storch zurück. Einige Passanten wunderten sich und waren auch etwas besorgt, dass der imposante Vogel schon so früh im Jahr seine Überwinterung in Afrika beendet hat. Am Donnerstag wurde er zum ersten Mal gesichtet. Eine zweite Storchensichtung gab es gestern beim Tiergehege.
So ungewöhnlich ist die frühe Rückkehr der Störche jedoch nicht, erklärt Storchenexperte Stefan Eisenbarth gegenüber dem BT. Und auch Grund zur Besorgnis bestehe selbst dann nicht, wenn es noch einmal zu einem kräftigen Kälteeinbruch kommen sollte. „Kälte an sich macht den Störchen gar nichts“, weiß der Fachmann. Er selbst habe schon bei minus 17 Grad an der Sauermündung im Elsass 65 Störche beobachtet.

Bei geschlossener Schneedecke finden die Tiere allerdings nichts mehr zu fressen, was einige Zeit lang auch nicht dramatisch sei. Wichtig sei nur, dass Menschen die Vögel nicht füttern. „Störche sind Wildtiere und sollen es bleiben“, macht Eisenbarth klar. Das falsche Futter sei auf jeden Fall gefährlicher als gar kein Futter. Bei großem Hunger zögen Störche übrigens durchaus noch einmal im aktiven Flug bis zu 400 Kilometer in schneefreie Gebiete, beispielsweise nach Südfrankreich. Eigentlich aber seien Störche Gleitflieger. Auf ihrer Rückreise über die Meerenge von Gibraltar, Spanien und Frankreich (nur wenige hiesige Exemplare wählen die Ostroute über die Türkei) machten sie sich nun die aktuelle milde Südwestluftströmung zunutze, erklärt Eisenbarth. Der Muggensturmer Storch sei nicht das einzige Exemplar, eine ganze Reihe von Störchen sei schon diese Woche bei günstigen Winden nach Südwestdeutschland zurückgekehrt. Um welchen Storch es sich in Muggensturm genau handelt, will Eisenbarth, der auch Beringungen vornimmt, in den nächsten Tagen nachsehen.

Jungstörchin „Petra“ in Senegal unterwegs


Jedenfalls ist es keiner der beiden Muggensturmer Jungstörche, die Stefan Eisenbarth im vergangenen Juni für ein Wissenschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie mit 44 Gramm leichten GPS-Sendern ausgestattet hatte (wir berichteten). Dies ermögliche, die Tiere auf ihren Routen zwischen Sommer- und Winterquartier zu beobachten und bessere Erkenntnisse über Flug-, Ruhe- und Fresszeiten zu erlangen. „Hans“ und „Peter“, wie die Jungvögel 2020 getauft wurden, werden erst nach zwei bis drei Jahren mit der Geschlechtsreife nach Mittelbaden zurückkehren. Wobei „Peter“ sich inzwischen durch eine Geschlechtsbestimmung mittels einer entnommenen Feder als „Petra“ entpuppt hat. Wer sich die kostenlose App „Animal Tracker“ herunterlädt, kann feststellen, dass „Petra“ sich derzeit in Senegal befindet. „Hans hat seinen Sender leider verloren“, berichtet Eisenbarth. Man habe das Gerät in Spanien gefunden. Was aus dem Jungstorch geworden ist, weiß man derzeit nicht.

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Ein Weißstorch auf seinem Nest. In Muggensturm ist bereits der erste Storch zurück aus dem Winterquartier. Foto: Boris Roessler/dpa

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Ein Weißstorch auf seinem Nest. In Muggensturm ist bereits der erste Storch zurück aus dem Winterquartier. Foto: Boris Roessler/dpa

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Erstellt:
24. Januar 2021, 14:00 Uhr
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