Erster Stresstest unter der City

Karlsruhe (win) – Von Stress war wenig zu spüren beim ersten Stresstest im Karlsruher Stadtbahntunnel. 20 Stadt- und Straßenbahnen waren in der Nacht zum Freitag im Karlsruher Untergrund unterwegs

Blick aus einer Straßenbahn bei der Tunnelfahrt. Foto: Winfried Heck

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Blick aus einer Straßenbahn bei der Tunnelfahrt. Foto: Winfried Heck

Von Stress war wenig zu spüren beim ersten sogenannten Stresstest im Karlsruher Stadtbahntunnel. Insgesamt 20 Stadt- und Straßenbahnen waren in der Nacht zum Freitag im Karlsruher Untergrund unterwegs, simulierten in den etwas mehr als drei Kilometer langen Tunnelröhren (samt Abzweig am Marktplatz) den reduzierten Normalbetrieb.

So in etwa, wie sonntags oder an späteren Abendstunden gefahren wird, also maximal mit einem 20-Minuten-Rhythmus auf allen Linien. In der Nacht zum Samstag sollte dann der Volllastbetrieb folgen. Dichte Zugfolgen im Zehn-Minuten-Takt, so wie tagsüber üblich. Insgesamt 32 Bahnen waren hierfür eingeplant, und da so viele Bahnen tagsüber gar nicht aus dem normalen Betrieb herausgenommen werden können, wurden die Stresstests in die Nachtstunden gelegt.

Mischung aus Vorfreude und Begeisterung

Der Andrang der Medienvertreter war am Donnerstag trotzdem sehr groß. Mehrere Kamerateams, Radioreporter und schreibende Journalisten wollten trotz später Stunde miterleben, wie es in rund siebeneinhalb Monaten wohl sein wird, wenn am 12. Dezember der Stadtbahntunnel gemeinsam mit dem Straßentunnel in der Kriegsstraße in Betrieb gehen soll. An diesem späten Tag ist bei allen Verantwortlichen eine Mischung aus Vorfreude und Begeisterung am Bauwerk zu spüren, das da im Karlsruher Untergrund seiner Vollendung entgegengeht. Die Lautsprecherdurchsagen in den Bahnen klingen schon „wie echt“, die großzügigen Haltestellen sind hell erleuchtet, die Wegweiser und die taktilen Rillen für sehbehinderte Menschen sind einsatzbereit, die Wege in den Haltestellen großzügig ausgelegt. Bodenplatten, die entfernt wurden, weil im Untergrund noch gearbeitet wird, Rolltreppen, denen die Handläufe fehlen und immer wieder Kabelenden zeigen aber auch deutlich, dass noch reichlich Arbeit erledigt werden muss. Auch an den Wänden, wo später Werbetafeln und die Kunstwerke von Markus Lüpertz ihren Platz finden sollen, klaffen noch Lücken.

Zufrieden mit dem Test: Ralf Messerschmidt (VBK), die Geschäftsführer Alexander Pischon und Ascan Egerer sowie Pressesprecher Achim Winkel. Foto: VBK/Paul Gärtner

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Zufrieden mit dem Test: Ralf Messerschmidt (VBK), die Geschäftsführer Alexander Pischon und Ascan Egerer sowie Pressesprecher Achim Winkel. Foto: VBK/Paul Gärtner

„Viel kleine Technik“ müsse noch installiert und geprüft werden, sagt Alexander Pischon, der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) ist, und damit an diesem Abend gleich drei symbolische Hüte trägt. Als Chef der Kasig übergibt er den fast fertiggestellten Tunnel an VBK und AVG, die nun mit dem Probebetrieb Fahrt aufnehmen werden. „Wir sind jetzt an der Schnittstelle zwischen Fertigstellung und Betrieb“, spricht er von einem neuralgischen Moment, an dem möglichst alles funktionieren sollte. Insgesamt rund 1.200 Fahrerinnen und Fahrer müssen laut Ralf Messerschmidt, der bei den Verkehrsbetrieben für den Betrieb zuständig ist, für die Fahrten im Untergrund geschult werden. Vor allem für die Fahrerinnen und Fahrer der VBK, die bisher nur in der Stadt unterwegs sind und dort „auf Sicht“ fahren, beginnt eine neue Phase.

Unterirdisch geht es beispielsweise streng nach Signal, so wie auf Gleisen der Deutschen Bahn. Da müssen Begriffe wie „Durchrutschweg“ erlernt werden, also jene Strecke, die das Fahrzeug bei einer Notbremsung noch zurücklegen wird, ehe es steht. „Vom Durchrutschweg hängt ab, wie schnell ich im Tunnel fahren kann“, sagt Messerschmidt.

Maximal 60 Stundenkilometer

Während oben feste Geschwindigkeiten vorgegeben werden, geht es unten variabel zu. Maximal 60 Stundenkilometer sind erlaubt, wenn die Strecke vor dem eigenen Fahrzeug frei ist. Schneller als oben in der Fußgängerzone fahren die Bahnen unten aber allemal. Die Fahrt vom Durlacher Tor, der östlichsten U-Haltestelle, zum Europaplatz, der westlichsten U-Haltestelle, vergeht wie im Flug. Und für Fahrerinnen und Fahrer ist diese Fahrt deutlich entspannter als oben, weil nicht auf Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer geachtet werden muss.

Vier Straßenbahnlinien und bis zu vier Stadtbahnlinien sollen künftig unterirdisch fahren. Vor allem zwischen Durlacher Tor/KIT und Marktplatz und von dort weiter zum Hauptbahnhof könnte es bisweilen eng werden, doch davon ist in dieser ersten Stresstest-Nacht noch nichts zu spüren.

Pischon jedenfalls zieht ein positives Fazit. Natürlich müsse alles noch einer Feinauswertung unterzogen werden, doch gravierende Mängel seien nicht aufgefallen. Das könnte sich in der zweiten Nacht, unter Volllast ändern, doch auch dazu sind diese Stresstests da. Fehler finden, Abläufe optimieren, die richtigen Reaktionen auf Betriebsstörungen finden.

Oberbürgermeister Frank Mentrup spricht davon, dass man in die Zielgerade Richtung Inbetriebnahme eingebogen sei. Von einer Bauzeit, die fast doppelt so lang wie geplant war, von Kosten, die sich auf rund 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelten, davon ist in dieser Nacht wenig zu hören. Im Mittelpunkt stehen Dinge, die man in den kommenden Monaten beeinflussen kann. Optimismus macht sich breit.


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