Erstes Repair-Café in Baden-Baden

Baden-Baden (vr) – In Baden-Baden haben engagierte Bürger ein Zeichen gesetzt gegen die Wegwerf-Gesellschaft: Zum ersten Mal hat ein von Ehrenamtlichen organisiertes „Repair-Café“ stattgefunden

Sigrid Rosenberg und Andreas Balzer (von links) schauen zu, wie Wolfgang Matz und Dieter Dorow die defekte Lampe wieder flott machen. Foto: Veruschka Rechel

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Sigrid Rosenberg und Andreas Balzer (von links) schauen zu, wie Wolfgang Matz und Dieter Dorow die defekte Lampe wieder flott machen. Foto: Veruschka Rechel

„Bei uns waren alle Termine weg, deshalb bin ich nach Baden-Baden gekommen“, erklärte Sigrid Rosenberg aus Bühl. Schon eine Viertelstunde vor offiziellem Beginn war sie da, in der Hoffnung, im Repair-Café ihre Jugendstil-Lampe repariert zu bekommen.

Wer kennt das nicht? Die antike Lampe funktioniert nicht mehr, der Fön gibt seinen Geist auf, an der Lieblingshandtasche reißt der Riemen oder der Stuhl wackelt bedenklich. Meistens fehlen Werkzeug und Kenntnis für die Beseitigung des Problems. Dafür gibt es das sogenannte Repair-Café.

Die niederländische Umweltschützerin Martine Postma organisierte 2009 in Amsterdam das erste „Repair-Café“. Ihr Beispiel machte europaweit Schule. In Deutschland koordiniert heute eine Stiftung namens „Anstiftung“ das Netzwerk für Reparatur-Initiativen, deren Zahl bei aktuell über 1.500 liegt.

Premiere in der Cité

Baden-Baden gehört jetzt auch dazu. Hier organisierte der ehemalige Lehrer Andreas Balzer das Repair-Café. Es ist ein diakonisches Projekt der Altkatholischen Gemeinde Baden-Baden, dessen Mitglied Balzer ist, in Kooperation mit der Stadt Baden-Baden und den Tauschringen. Premiere war im Scherer Kinder- und Familienzentrum in der Cité, wo die Stadt Räume zur Verfügung stellt. Hier wird es ab sofort regelmäßig stattfinden.

Zu den ehrenamtlichen Reparateuren der ersten „Repair-Café“-Stunde in der Kurstadt gehörten der ehemalige Boschtechniker Wolfgang Matz und der Elektroingenieur Dieter Dorow von den Tauschringen. Ebenso Agrar- und Umweltingenieur Herbert Meyer-Jacob als Mitglied der Altkatholischen Gemeinde. In entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen machten sie sich gemeinsam an die Arbeit, und die Besucher konnten teilweise noch eine Menge dabei lernen.

Bei den Treffen wird Reparaturbedürftiges instand gesetzt. Kleidung, Möbel, elektrische Geräte, Fahrräder, Spielzeug und vieles mehr. Entsprechend benötigte Werkzeuge und Materialien sind mehrheitlich vorhanden. Lediglich eventuell benötigte Ersatzteile müssen selbst besorgt und bezahlt werden. „Je nach zuvor angemeldetem Problem suche ich erfahrene Helfer aus“, erklärte Balzer. Bei achtzig Prozent der Besucher ginge es um Elektrik, bei den restlichen zwanzig um Mechanik, Kleinmöbel aus Holz oder Textilien.

Ressourcen werden geschont

Die Philosophie hinter dem Repair-Café: Durch das gemeinsame Reparieren setzen engagierte Bürger ein Zeichen gegen eine sorglose Wegwerf-Gesellschaft. Obendrein werden wertvolle natürliche und menschliche Ressourcen geschont, weil Gebrauchsgüter länger nutzbar bleiben. Statt auf dem Müll zu landen, erhalten die wieder instand gesetzten Gegenstände eine neue Wertschätzung. Zudem teilen Menschen untereinander ihr Wissen über das Reparieren und die Technik dahinter. Laien und Experten arbeiten gemeinschaftlich zusammen, geben Hilfe zur Selbsthilfe und regen so zu einem bewussten Konsumverhalten an.

Weitere Termine sind der 20. November und im Jahr 2022 dann der 15. Januar, 12. März, 14. Mai und 16. Juli, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Es wird um eine Voranmeldung gebeten unter www.ak-bad.de/repair-cafe.

Aufgrund der enormen Nachfrage wird Andreas Balzer für den nächsten Termin am 20. November noch weitere ehrenamtliche Reparateure rekrutieren.


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