Erweiterungsbau des Polizeipräsidiums Offenburg übergeben

Offenburg (tas) – Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit ist der Erweiterungsbau des Polizeipräsidiums Offenburg feierlich übergeben worden. Das Land Baden-Württemberg hat rund 17 Millionen Euro investiert.

Feierliche Übergabe: Regierungsdirektor Ole Nahrwold, Staatssekretärin Gisela Splett, Polizeipräsident Reinhard Renter und Polizeiinspekteur Andreas Renner (von links).

© Tobias Symanski

Feierliche Übergabe: Regierungsdirektor Ole Nahrwold, Staatssekretärin Gisela Splett, Polizeipräsident Reinhard Renter und Polizeiinspekteur Andreas Renner (von links).

Rechteckig, praktisch, gut. Wenn die Beamten des Polizeipräsidiums Offenburg ihre Großeinsätze künftig im neuen Führungs- und Lagezentrum koordinieren, sind sie auf dem neuesten Stand der Technik.
Rund zweieinhalb Jahre hat der Bau gedauert, vier Geschosse mit langgezogenen Fensterfronten, Sichtbeton im Eingangsbereich und in den Treppenhäusern sind entstanden: Dass in den am Mittwoch offiziell übergebenen Erweiterungsbau 17 Millionen Euro investiert wurden, sieht man dem funktional wirkenden Gebäude auf den ersten Blick nicht an. 40 Prozent der Baukosten sind in den Hochbau geflossen, 60 Prozent des Geldes hat das Innenleben verschlungen. Moderne Kommunikationstechnik, zeitgemäße Labor- und Untersuchungsräume sowie Asservatenkammer stehen den 330 dort arbeitenden Ermittlern künftig für die kriminaltechnischen Arbeiten zur Verfügung.

So verfügen die Spurensicherungsräume beispielsweise über getrennte Lüftungsführungen, um einen möglichen Spurenübertrag auf andere Beweismittel besser ausschließen zu können. Auch für die Polizeibeamten wird die Arbeit durch die Art der Lüftung vereinfacht, müssen sie dort doch zuweilen mit blutverschmierter Kleidung hantieren. Auch bei der sogenannten daktyloskopischen Spurensicherung – hier geht es im Prinzip um die Identifikation eines Menschen anhand seiner Fingerabdrücke – steht den Ermittlern modernste technische Ausstattung zur Verfügung. Ziel ist am Ende immer: Die gefundenen Spuren auch gerichtssicher zu dokumentieren.

Herzstück des Neubaus ist das Führungs- und Lagezentrum. „Hier werden alle Entscheidungen getroffen“, sagt Polizeipräsident Reinhard Renter – je nach Art des Großeinsatzes auch mit Rücksprache mit dem Innenministerium des Landes. Für den Ernstfall stehen in dem extra eingerichteten Großraumbüro zig Dutzend Arbeitsplätze zur Verfügung. Bei einem Großeinsatz wie im Juli 2020, als die Polizei nach dem als „Waldläufer“ bekannt gewordenen Yves R. tagelang den Schwarzwald bei Oppenau durchkämmt hatte, wäre die Koordination der Suchaktion von hier aus erfolgt.

Behördenchef Renter sieht mit der neuen Einrichtung eine „weitere Professionalisierung der Polizeiarbeit. Jetzt können wir noch schneller, effizienter und sicher Entscheidungen treffen.“

Pro Tag gehen über die Leitstelle der Polizei im Offenburger Präsidium rund 370 Anrufe ein, in Spitzenzeiten sind es sogar 500. Jährlich kommt es zu 135.000 Einsätzen im Bereich des Polizeipräsidiums – von einfachen Verkehrsverstößen über Nachbarschaftsstreitigkeiten bis hin zu Tötungsdelikten –, das die Gebiete des Stadtkreises Baden-Baden und der Landkreise Rastatt und Ortenau umfasst. Damit ist der Standort für die Sicherheit von rund 700.000 Menschen in einem Arbeitsbereich von 2.700 Quadratkilometern verantwortlich.

Platz für Polizeiarbeit der Zukunft


Dass das Land Baden-Württemberg am Standort Offenburg investiert hat, ist Folge der Polizeistrukturreform des vergangenen Jahrzehnts. Mit der Zusammenlegung der Polizeidirektionen Rastatt, Baden-Baden und Offenburg musste auch der Ortenauer Standort der ehemaligen Polizeidirektion erweitert werden. Der zusätzliche Platz wird unter anderem für die Polizeiarbeit der Zukunft genutzt, denn Cyberkriminalität und der Kampf gegen Kinderpornografie erfordern auch eine technische Aufrüstung der Ermittler.

Als Renter im Frühjahr die Kriminalstatistik 2020 des Polizeipräsidiums vorstellte, berichtete er zwar von insgesamt weniger Straftaten, dafür werde der Kampf gegen die Kriminalität im Internet immer intensiver. Vorwiegend Sexualdelikte, aber auch Bedrohungen übers Netz und Hasspostings nahmen im vergangenen Jahr zu.

Während Baden-Württemberg hier ein Plus von 16 Prozent verzeichnete, zählten die Offenburger Beamten zehn Prozent mehr Fälle. Oftmals musste sich die Polizei mit E-Mail-Drohungen beschäftigen, bei denen der Absender angeblich „brisante Daten“ auf dem Computer des Empfängers entdeckt habe und Geld forderte, um sie zu löschen.


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