Erzdiözese bekennt sich doch zum Tellplatz

Ötigheim (ema) – Die Volksschauspiele sind bereit für die abgespeckte Theatersaison. Da kommt die Nachricht gerade recht, dass die Erzdiözese Freiburg jetzt doch den Tellplatz finanziell unterstützt.

So eng beieinander wird man nicht sitzen dürfen. Tickets gibt es nur für rund 30 Prozent der 3.500 Plätze. Foto: Jochen Klenk

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So eng beieinander wird man nicht sitzen dürfen. Tickets gibt es nur für rund 30 Prozent der 3.500 Plätze. Foto: Jochen Klenk

Es war schon ein Politikum, als im Telldorf im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass ausgerechnet die Erzdiözese den Volksschauspielen (VSÖ) mit ihren katholischen Wurzeln in der akuten existenziellen Krise nicht unter die Arme greifen wollte. Doch im Hause des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger ist man offenbar noch mal in sich gegangen – sehr zur Freude von Maximilian Tüg, dem geschäftsführenden Vorstand der VSÖ

„Eventuell bekommen wir künftig sogar einen laufenden Zuschuss“, ist Tüg guter Dinge angesichts der Signale aus Freiburg. Im vergangenen Jahr sah das noch anders aus, als sich die Volksschauspiele im Zeichen der Corona-Krise an die Erzdiözese gewandt hatten. Obwohl an der Spitze der von Pfarrer Josef Saier gegründeten VSÖ seit Bestehen ein Geistlicher steht und der Theaterverein bis heute Saiers Vorgaben erfüllt und Stücke im Spielplan hat, die christliche Werte vermitteln, sah sich das Bistum außerstande, nicht-kirchliche Einrichtungen finanziell zu stützen. Durch die Pandemie brächen auch der Erzdiözese Einnahmen weg, was zu einer Haushaltssperre geführt habe, hieß es.

Nun aber stellt die Erzdiözese doch eine Unterstützung von 20.000 Euro in Aussicht, erklärte Bistumssprecher Michael Hertel gegenüber dem BT. Die Mittel würden aus dem Zukunftsfonds fließen, „sobald dafür ein ordentlicher Antrag gestellt wird“, so Hertel. Das Ordinariat habe wiederholt mit Verantwortlichen der Volksschauspiele im Kontakt gestanden. Bis zum heutigen Tag sei allerdings noch kein vollständiger Antrag erfolgt, heißt es aus Freiburg.

Antrag noch nicht gestellt

„Stimmt“, sagt Tüg. Das Problem: Der geschäftsführende Vorstand arbeitet derzeit die Zuschussanträge nach Priorität und Abgabefristen nach und nach ab. Auf der Liste standen oder stehen die Überbrückungshilfen I, II, III, Kurzarbeitergeld, Neustart Kultur, Nothilfeantrag beim Landkreis und beim Land Baden-Württemberg. Und weil Tüg auf dem Tellplatz ehrenamtlich aktiv ist und bleiben will, habe man den Ball aus Freiburg noch nicht zurückspielen können.

Im Büro der Volksschauspiele spielt sich gerade die personelle Neuausrichtung ein. Die Stelle des ausgeschiedenen Geschäftsstellenleiters wird nicht mehr besetzt, sagt Tüg. Einige Aufgaben wie Buchhaltung habe man an einen Steuerberater ausgelagert; die Umstrukturierung sei zudem durch die Digitalisierung gefördert worden. Sollten wieder normale Zeiten einkehren, soll der neue künstlerische Betriebsdirektor Stefan Haufe einige Aufgaben von Tügs Schultern nehmen; Haufe selbst ist derzeit vor allem bei der Regie für das Musical „Der kleine Horrorladen“ eingespannt.

Dank der Nothilfen bekommen die Volksschauspiele gerade wieder Boden unter den Füßen. Ohne die Unterstützung hätte man mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro kalkuliert, wie jüngst im Finanzausschuss des Kreistags bekannt geworden war. Die Morgenluft wird auch personell spürbar. Die Kurzarbeit auf dem Tellplatz ist seit 1. April beendet; die betroffenen 13 Mitarbeiter seien allesamt wieder an Bord, so Tüg. Zu tun gibt es genug – schließlich setzt man darauf, einen alternativen Corona-Theatersommer zu gestalten. Bei den Proben lasse man „höchste Vorsicht walten“, sagt Tüg – mit Tests in Räumen und Maskenpflicht im Freien.

Am Samstag, 12. Juni, soll die abgespeckte Saison mit „Das Haus in Montevideo“ starten. „Wir sind bereit“, erklärt der Vorstand. Jetzt hofft man in Ötigheim darauf, dass die Rechtslage und der Rückgang des Infektionsgeschehens den Theaterbetrieb erlauben. Spätestens zwei Wochen vorher werde es heißen: „Hop oder top.“ Gegebenenfalls werde man versuchen, Vorstellungen zu verschieben  – dann auch am Abend unter der Woche, so Tüg. Darf gespielt werden, wird es im Zuschauerrund auf jeden Fall lichte Reihen geben. Je nachdem, wie viel Familien kommen, können pro Vorstellung 900 bis 1.200 der insgesamt 3.500 Zuschauerplätze besetzt werden, rechnet Tüg vor. Beim Kartenvorverkauf hätte er durchaus „mehr Zurückhaltung erwartet“. Der ehrenamtliche VSÖ-Manager stellt aus Gesprächen immer wieder fest: Selbst wenn die Saison noch am seidenen Faden hängt – „die Leute brauchen etwas, worauf sie sich freuen können“.


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