Erzeuger stehen unter enormem Kostendruck

Karlsruhe/Baden-Baden (tas) – Landwirtschaftliche Genossenschaften in Baden-Württemberg tun sich bei Preisanpassungen schwer, manchmal hilft aber ein Lieferstopp.

Fahrt übers Haferfeld: Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen steigende Kosten für Treibstoff und andere Betriebsmittel verkraften. Foto: Christoph Schmidt/dpa

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Fahrt übers Haferfeld: Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen steigende Kosten für Treibstoff und andere Betriebsmittel verkraften. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Deutlich gestiegene Preise für Sprit, Heizöl, Gas, Strom, Dünger und andere Betriebsmittel schlagen sich natürlich auch in den Bilanzen der genossenschaftlichen Lebensmittelerzeuger nieder. Und für die ist es gar nicht so einfach, die Kosten auch an ihre Abnehmer durchzureichen. „Wirtschaftlich stehen viele Erzeuger stark unter Druck“, sagt Roman Glaser.
Der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) spricht von einem Zielkonflikt, der immer offener zutage tritt: Lebensmittel sollen nachhaltig aber zugleich kostengünstig produziert werden, der Erzeuger muss aber auch davon leben können. Zwar beobachtet Glaser eine gestiegene Akzeptanz und eine höhere Wertschätzung für regional erzeugte Produkte bei den Menschen. Dieser Trend müsse aber auch langfristig anhalten und mit einer angemessenen und auskömmlichen Entlohnung für die Landwirte und einer verbesserten Wettbewerbsstellung der Genossenschaften einhergehen.

Wie schwierig die Situation für landwirtschaftlich orientierte Erzeuger ist, zeigt auch der zweiwöchige Lieferstopp, den die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen jüngst gegen den Einzelhandelskonzern Rewe verhängt hatte. Weil Rewe eine aus Sicht der WGZ „moderate Preisanpassung“ von weniger als fünf Prozent nicht akzeptieren wollte, wurden die jahrzehntelangen Geschäftsbeziehungen auf Eis gelegt. Immerhin konnte die WG rund zwei Wochen später einen Erfolg verbuchen: Rewe kehrte an den Verhandlungstisch zurück und stimmte einer Preisanpassung zu, die Möglinger liefern wieder.

19 neue Genossenschaften

Im Schnitt sind die Preiserhöhungen im landwirtschaftlichen Bereich bisher jedoch eher moderat, was sich in Teilen auch über die Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr ableiten lässt. Laut BWGV konnten die 305 landwirtschaftlichen Genossenschaften im Südwesten ihre Einnahmen um 1,8 Prozent auf 3,73 Milliarden Euro steigern. Die Umsätze der 20 Obst-, Gemüse- und Gartenbau-Genossenschaften beziehungsweise -Vertriebsgesellschaften haben sich 2021 um 3,6 Prozent auf 563 Millionen Euro erhöht. Die 108 WGs im Land steigerten ihre Erlöse um 1,9 Prozent auf 457 Millionen Euro. Die milchverarbeitenden Betriebe legten nur leicht um 0,6 Prozent auf 892 Millionen Euro zu. Einen Umsatzrückgang von 7,4 Prozent auf 388 Millionen Euro hatte dagegen die Viehwirtschaft zu verzeichnen.

Zur Einordnung: Die Inflationsrate in Deutschland lag 2021 bei 3,1 Prozent, 2022 wird sie wohl noch deutlich darüber liegen. De facto stehen viele Erzeuger also immer stärker unter Preisanpassungsdruck. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Strukturwandels verringerte sich die Zahl der Mitglieder bei landwirtschaftlichen Genossenschaften im vergangenen Jahr auch um 2.650 auf 92.560.

In anderen Genossenschaftsbereichen sieht die Lage besser aus. Laut Verbandspräsident Glaser entstanden 2021 in Baden-Württemberg insgesamt 19 neue Genossenschaften, im laufenden Jahr seien es bisher acht. So wurde in Mittelbaden beispielsweise die Naturstrom Rheinstetten Bürgerenergiegenossenschaft gegründet, die den Bau eines Windparks in der Kommune vorantreibt.

Nachdem es im Bereich der Energiegenossenschaften in den vergangenen Jahren ruhiger geworden war, könnten die Pläne der Landesregierung für den Ausbau der regenerativen Energieerzeugung wieder für Rückenwind sorgen, hofft Glaser. Er fordert zugleich aber auch eine Beschleunigung der Planverfahren, um Windkraft- und Solaranlagen schneller ans Netz zu bekommen. „Hier muss ein Bürokratieabbau her.“


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