„Es gibt nicht den einen Holzmarkt“

Murgtal (galu) – „Nachwachsender Rohstoff sollte einen gewissen Wert haben“, sagt der Leiter der Kommunalen Holzverkaufstelle Forbach. Marc Nieberle hat die Entwicklung des Marktes im Blick.

Auch Rahner in Gaggenau-Bad Rotenfels wird mit Holz aus dem Landkreis beliefert. Foto: Lukas Gangl

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Auch Rahner in Gaggenau-Bad Rotenfels wird mit Holz aus dem Landkreis beliefert. Foto: Lukas Gangl

Holz wird zur Mangelware in Deutschland, Lieferengpässe, Preisexplosionen durch massiven Export in die USA und nach China. So oder so ähnlich lesen sich einige Schlagzeilen der vergangenen zwölf Monate. Doch wie ist es um das Holz im Landkreis Rastatt bestellt, wie ist die Lage im Murgtal? Marc Nieberle, Leiter der Kommunalen Holzverkaufstelle in Forbach, hat dem BT Rede und Antwort gestanden.

„Zunächst einmal muss man sagen: Es gibt nicht den einen Holzmarkt. Es sind mehrere kleinere Märkte und da muss man klar unterscheiden“, merkt Nieberle zu Beginn des Gesprächs an. Aufgeschlüsselt bedeutet das: Exportiert wird insbesondere Schnittholz – so der Begriff nach der Bearbeitung im Sägewerk. In seltenen Fällen auch Rundholz, also tatsächliche Stämme beziehungsweise Teile davon. Auch kann man bei den Sorten nicht verallgemeinern, hauptsächlich gehe es um Nadelholz, speziell Fichten und Tannen.

Um den Anstieg der Preise zu erklären, lohnt sich ein Blick in die jüngere Vergangenheit. „Wir hatten 2018 und 2019 zwei hässliche Trockenjahre, dadurch ist sehr viel Schadholz entstanden“, erklärt Nieberle. Das habe den innerdeutschen Markt geflutet und die Holzpreise stark fallen lassen. „Da hat sich niemand beschwert“, scherzt er. Aus diesem Tief erhole sich der Preis für Rundholz gerade, aktuell sei man bei etwa 90 Prozent des Preisniveaus von vor der Trockenzeit. Bis Ende des Jahres könnte der Preis wieder auf das Vor-Dürre-Niveau steigen, hofft auch Nieberle.

Der Export-Boom wird nicht ewig währen

Denn das sei dringend notwendig, damit Waldbesitzer Rücklagen bilden und in ihre Wälder investieren können. „Ein nachwachsender Rohstoff sollte auch einen gewissen Wert haben“, findet er.

Auch für Lieferengpässe hat Nieberle eine einfache Erklärung. „Mit dem Export von Schnittholz ins Ausland lässt sich aufgrund der enormen Nachfrage aktuell gut Geld verdienen. Das ist aber fast ausschließlich für große Sägewerke interessant, so ein Schiff muss man schließlich erst mal voll kriegen.“ Dadurch entstehe eine Verknappung auf dem deutschen Markt, welche die Preise nach oben treibe – frei nach dem marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage.

„Ein Teil des Problems haben die Handwerker sich selbst produziert“, findet Nieberle. So hätten Handwerksbetriebe in den letzten Jahren vor allem von Großsägewerken gekauft – aufgrund der niedrigeren Preise. Das habe gerade kleinere und mittelständische Sägewerke vor ein Problem gestellt. Diese hätten somit ausweichen und neue Nischen und Kundenstrukturen für sich erschließen müssen. Als logische Konsequenz sei der Schnittholzmarkt aktuell einfach knapp, da die großen Sägebetriebe weniger auf den deutschen Markt bringen. Derweil sei eine Rückkehr der kleineren Betriebe zum Schnittholz-Geschäft wahrscheinlich nicht rentabel, da der Export-Boom nicht ewig halten werde, schätzt Nieberle die Situation ein.

Doch was passiert mit dem Holz aus dem Landkreis Rastatt, wohin geht das Holz der Kommunalen Holzverkaufstelle? „Etwa 99 Prozent des Rundholzes aus dem Landkreis geht an mittelständische und lokale Sägewerke“, versichert der Leiter der Kommunalen Holzverkaufstelle. Insbesondere würden die Firmen Rahner (Gaggenau), Werner Stösser GmbH Säge- und Hobelwerk (Bühl-Vimbuch) und Kellerholz (Lichtenau-Scherzheim) beliefert, ein Teil geht auch in die benachbarte Landkreise Ortenau und Calw. Zu weit wolle man das Holz ohnehin nicht transportieren, da sonst der ökologische Effekt des regenerativen Rohstoffs zunichte gemacht werden würde. Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

Von BT-Volontär Lukas Gangl

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Erstellt:
27. Mai 2021, 17:58 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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