„Es ist beides möglich“

Achern (ab) – Matthias Griebl wirbt weiter für eine zweite Windkraftanlage auf der Hornisgrinde und macht gleichzeitig Vorschläge für den Auerhuhn-Schutz als Ausgleichsmaßnahme.

Die aktuelle Windkraftanlage auf der Hornisgrinde gibt es seit 2015. Foto: BT Archiv

Die aktuelle Windkraftanlage auf der Hornisgrinde gibt es seit 2015. Foto: BT Archiv

Wer ein Windkraft-Projekt verwirklichen will, braucht einen langen Atem. Das weiß auch Matthias Griebl – der Acherner ist Betreiber der Windkraftanlage auf der Hornisgrinde und will dort ein zweites Windrad errichten (das BT berichtete mehrfach).

Warten auf neue Stellungnahme

Immer noch, seit knapp einem Jahr, wartet Griebl auf eine neue Stellungnahme des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg: Die dort angesiedelte Naturschutzbehörde soll vorab klären, ob die geplante Windkraftanlage gegen den Artenschutz – speziell des streng geschützten, seltenen Auerhuhns – verstößt und somit möglicherweise von vorneherein nicht genehmigungsfähig wäre. In früheren Aussagen hatte die Behörde deutliche Skepsis erkennen lassen. Und ein wichtiger Experte der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA hatte dezidiert darauf verwiesen, dass Auerhühner durch Windkraftanlagen gestört würden („Scheuchwirkung“). Zuletzt trafen sich alle Beteiligten im September 2020 zu einem Fachgespräch im RP.

Artenschutz und Klimaschutz durch erneuerbare Energien: „Ich bin der Meinung, es ist beides möglich“, erklärt Griebl im BT-Gespräch. Die geplante neue Anlage hätte eine Gesamthöhe von knapp 150 Meter und könnte mit einer vorgesehenen Leistung von 4,3 Megawatt laut Griebl drei Mal soviel Strom liefern wie die bestehende. Rechnerisch genug Strom, um fast alle Haushalte der Stadt Achern zu versorgen.

Und das Auerhuhn? „Die Auerhuhnbestände haben sich vor Ort verbessert, auch aufgrund der Maßnahmen, die wir durchgeführt haben“, betont Griebl. 30 Hektar Fläche würden bereits bisher – wegen des alten Windrads – als Ausgleichsmaßnahmen für das Auerhuhn bereitgestellt und speziell bewirtschaftet.

Aufzuchtstation für Auerhühner

Für ein neues Windrad hat Griebl nach eigenen Angaben sogar noch größere Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen sowie eine Aufzuchtstation für Auerhühner. Sollte aus dem Regierungspräsidium grünes Licht kommen, würde die Arbeit für Griebl erst beginnen. Dann erst würden nämlich die eigentlichen Untersuchungen in Auftrag gegeben, insbesondere artenschutzrechtliche Untersuchungen. Der Vogelzug sei dabei auch ein wichtiges Thema, erläutert Griebl – also die Frage, ob bei einer Anlage Vogelschlag droht.

Mindestens ein Jahr veranschlagt der Acherner für die Gutachter-Arbeiten. Wenn alles klappe, könnte man Ende 2022/Anfang 2023 einen Bauantrag stellen; der Bau der Anlage wäre dann – je nach Verlauf der Genehmigung – in einem Zeitfenster zwischen 2023 und 2025 anvisiert.

„Große und hehre Ziele“

Doch noch ist das alles Theorie, und Griebl wartet. „Die frisch gewählte Landesregierung verkündet große und hehre Ziele, was die Windkraft angeht“, äußert er. Wenn man dann sehe, was vor Ort tatsächlich passiere, komme man schon ins Grübeln. Immerhin: Auf seine jüngste Nachfrage beim RP Freiburg vergangene Woche sei ihm versprochen worden, dass „in Kürze“ eine Stellungnahme kommen werde, erzählt Griebl.

Das Regierungspräsidium Freiburg selbst verweist auf Anfrage des Badischen Tagblatts schriftlich darauf, dass sich „die Projektierung einer potenziellen zweiten Windkraftanlage auf der Hornisgrinde (...) noch im Stadium der Vorplanung“ befinde. Hier sei es üblich, dass Fachleute des RP den Vorhabenträger berieten. „Der Vorhabenträger hat erste Berechnungen zu den Auswirkungen des Vorhabens vorgelegt“, heißt es weiter. „Diese werden derzeit von der Höheren Naturschutzbehörde am RP in Abstimmung mit dem Landratsamt und weiteren beteiligten Behörden geprüft.“


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