Es sieht schlecht aus für die Bühler Fastnacht

Bühl (wl) – Die Bühler Stadtverwaltung hat den Fastnachtsvereinen und Zünften die Regeln und Möglichkeiten für die kommende Kampagne erläutert: Erste Kappensitzungen sind schon abgesagt.

Ein voller Saal im Friedrichsbau: Das Narrensuppe-Essen ist ein Höhepunkt der Bühler Fastnacht. 2022 wird es zum zweiten Mal in Folge ausfallen.  Foto: Bernhard Margull

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Ein voller Saal im Friedrichsbau: Das Narrensuppe-Essen ist ein Höhepunkt der Bühler Fastnacht. 2022 wird es zum zweiten Mal in Folge ausfallen. Foto: Bernhard Margull

Beschlossen ist noch nichts, doch gut sieht es nicht aus für die Bühler Fastnacht. Bei einer Besprechung hat die Stadtverwaltung den Fastnachtsvereinen den Rahmen erläutert, in dem sich etwas abspielen könnte. Der Tenor laut Bürgermeister Wolfgang Jokerst: „Es ist relativ wenig möglich.“

Die Fachbereiche Zentrale Dienste/Bürgerservice/Recht und Bildung/Kultur/Generationen hätten „sehr sorgfältig“ sämtliche geltenden Corona-Regeln studiert und auf die einzelnen Veranstaltungsformate umgelegt. Das sei aktuell die Entscheidungsgrundlage und möglicherweise nur eine Momentaufnahme: „Wenn die Corona-Dynamik unverändert bleibt, kann das in zwei Wochen Makulatur sein“, sagt Jokerst, der wegen dieser Unsicherheit auch Verständnis für die Not der Vereine äußert. Die Stadt selbst hat bereits reagiert und das Narrensuppe-Essen am Schmutzigen Donnerstag abgesagt. Ein zentraler Punkt ist die Regel, dass bei Hallenveranstaltungen pro Person drei Quadratmeter veranschlagt werden. Diese Regel überraschte manchen Vereinsvertreter, die sie aber auch nachvollziehbar und gut erklärt bezeichneten. „Wir müssen die Verkehrswege einrechnen“, sagt Jokerst. Neu sei das auch nicht und keineswegs nur auf die Fastnacht gemünzt: „Damit arbeiten wir schon seit Monaten.“

Allda hat Sitzungen schon länger gestrichen

Eine wirtschaftliche Saalfastnacht sei so nicht möglich, sagt Heiko Müller, der Präsident des Kappelwindecker Allda. In der Bachschlosshalle wären vielleicht 100 Besucher möglich, denn in die Drei-Quadratmeter-Regel müssen auch die Aktiven einbezogen werden. Der Allda habe sich intern schon im September von der Saalfastnacht verabschiedet. Ganz auf die Narretei soll aber nicht verzichtet werden. Für das der Kappensitzung vorbehaltene Wochenende sei eine Alternative geplant, die Stand heute auch stattfinden könne. Eine verlässliche Planung sei jedoch nicht möglich, so Müller.

Der Halbmu Balzhofen hat nach der Informationsveranstaltung die Kappensitzungen gestrichen, berichtet Elke Meier vom Komitee. Es rechne sich nicht: Nach den Vorgaben dürften in das 180 Quadratmeter große Haus Harmonie, das sonst mit 220 Besuchern gefüllt ist, 60 Personen. Um nicht das zweite Jahr in Folge ohne Fastnacht erleben zu müssen, werde über eine Online-Sitzung nachgedacht. Für die Kinder könnte es ein „SB-Betteln“ geben. Traditionell ziehen sie am Fastnachtsdienstag von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu erheischen. Coronagerecht könnten vorverpackte Naschwaren an einer Wäscheleine hängen, sagt Meier. Statt des Preismaskenballs sei auch ein Fotowettbewerb denkbar. Solche Ideen müssten aber noch ausgearbeitet werden.

Stadt will Ideen wohlwollend begleiten

Von einer schlechten Botschaft, für die die Stadtverwaltung allerdings nichts könne, spricht Narrhalla-Sitzungspräsident Michael Vetter. Ganz verabschiedet habe sich die Gesellschaft von der Kappensitzung noch nicht, bei der Kinderfastnacht heißt es „eher nicht“. Spätestens Anfang Dezember wolle man sich noch mal mit anderen Vereinen zusammensetzen „und schauen, was möglich ist“. Vielleicht biete das von den potenziellen Ampel-Koalitionären angekündigte Ende der epidemischen Lage von nationaler Tragweite neue Möglichkeiten, „auch wenn es unwahrscheinlich ist“. Unabhängig davon sei am Fastnachtssonntag um das Narrendorf ein „kleineres närrisches Defilee in Abstimmung und hoffentlich mit Unterstützung der Stadt denkbar“. Laut Wolfgang Jokerst ist die Verwaltung für „bilaterale Gespräche über begrenzte Veranstaltungen im Freien offen“. Es gebe „kein standardmäßiges Ja oder Nein“. Wenn eine Idee vorgelegt werde, „werden wir das wohlwollend begleiten und schauen, was möglich ist“.

Auch Närrischer Markt steht infrage

Nicht unter die von der Stadt präsentierten Regeln fallen Veranstaltungen in gastronomischen Betrieben. Die Narrhalla-Sitzung auf der Burg Windeck könnte mit der Abstandsregel funktionieren, sagt Vetter: „Wir sind aber noch unentschlossen.“ Die Alt-Bühler Wirtshausfastnacht des Fördervereins der Bühler Hexen fällt unter die gleiche Rubrik. Gernot Baumann, Zunftmeister der Hexen und Vorstandsmitglied im Förderverein, hält es für möglich, „dass das laufen kann“. Gefährdet seien jedoch die Hexenbälle. Mit einer definitiven Entscheidung wollen sich die Hexen bis Mitte Dezember Zeit lassen. Die Aussichten seien aber schlecht, einen 2G-Ball werde es nicht geben. Statt des Sternmarsches solle am Mittwochabend vor dem Fastnachtswochenende, wenn möglich, in einem abgegrenzten Bereich des Kirchplatzes ein Programm angeboten werden. Am Schmutzigen Donnerstag, dem höchsten Feiertag der Bühler Hexen, liegt Baumann vor allem die Hexengasse in der Schwanenstraße am Herzen: „Das sollte in einem abgegrenzten Bereich dort auch machbar sein.“ Und der Närrische Markt am Rosenmontag? Michael Vetter und Gernot Baumann wollen den möglichen Adventsmarkt abwarten und erhoffen sich davon wertvolle Fingerzeige.

Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Wilfried Lienhard

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Erstellt:
18. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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