Europa-Park: Start in die Sommersaison

Rust (red) – Am Freitag ist der Europa-Park in Rust mit zweimonatiger Verspätung in die neue Saison gestartet. Die Gäste müssen sich an viel Neues gewöhnen.

Die Maske ist allgegenwärtig: Viele Gäste tragen im Europa-Park einen Mund-Nase-Schutz auch im Außenbereich, in den Bahnen ist er obligatorisch. Foto: Hertzog/AFP

© AFP

Die Maske ist allgegenwärtig: Viele Gäste tragen im Europa-Park einen Mund-Nase-Schutz auch im Außenbereich, in den Bahnen ist er obligatorisch. Foto: Hertzog/AFP

Seit gut 15 Jahren schon kommt Thomas Walter zu dieser Jahreszeit in den Europa-Park. Doch so leer hat er ihn Ende Mai noch nie erlebt. Der Besitzer einer Jahreskarte besucht mit seiner Familie regelmäßig Deutschlands größten Freizeitpark in Rust – und muss sich jetzt erst einmal orientieren: Wie funktioniert die neue Park-App? Was muss man beim Besteigen der Bahnen beachten? Welche Bereiche des Parks sind überhaupt zugänglich?

Denn dieses Jahr ist alles anders. Es ist der erste Öffnungstag, der Europa-Park startet mit zwei Monaten Verspätung in die Sommersaison 2020. Eigentlich wollte der Park bereits Ende März seine Tore öffnen, doch die nach Europa geschwappte Coronavirus-Welle und der darauffolgende Shutdown des öffentlichen Lebens hatten die Pläne über den Haufen geworfen. Nun freuen sich die Walters darauf, endlich in die Achterbahn „Blue Fire“ im isländischen Themenbereich steigen zu können, „Hauptsache, die Maske hält.“

Mund-Nasen-Schutz ist in Wartebereichen Pflicht

Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes in der Bahn ist Pflicht, auch in den Wartezonen der Attraktionen und überall dort, wo man ein Dach über dem Kopf hat – selbst, wenn die Seitenbereiche offen sind. Überall, wo die Luft gut zirkuliert, macht das Tragen auch kein Schwierigkeiten. In geschlossenen Räumen taucht aber immer wieder das alte Ärgernis für Brillenträger auf: Die Gläser laufen an. Das bereitet beispielsweise in der Bahn „Abenteuer Atlantis“ Probleme. Hier müssen Meeresungeheuer mit Infrarot-Laser-Pistolen beschossen werden. Doch mit beschlagener Brille ist die Zielsicherheit dahin.

Der Park ist voll von Hinweistafeln, auf denen Maskenpflicht, Abstands-, Hygiene- und andere Verhaltensregeln erläutert werden. Nicht ganz einfach, sich das alles zu merken.

Wahrscheinlich sieht man deshalb am Vormittag sehr viele Menschen, die auch im Freien ihre Maske anbehalten.

Zusatzfunktion in App installiert

Rund 10000 Besucher sind an diesem Tag in den Europa-Park gekommen. Das ist die Obergrenze, die Park-Chef Roland Mack zum Start vorgegeben hatte. Behördlich möglich gewesen wäre sogar die dreifache Menge, doch Mack will in den ersten Wochen die coronabedingten Einschränkungen erst einmal sicher in die Arbeitsroutinen einbauen.

Nicht alles klappt am ersten Tag ohne Probleme. Um die Wartebereiche nicht mit zu vielen Menschen zu füllen, haben die IT-Spezialisten des Parks eine Zusatzfunktion in die eigene Smartphone-App programmiert. Mit ihr können sich die Besucher virtuell in die Warteschlange der Achterbahn stellen. Doch morgens haben manche Gäste Probleme damit, das Prozedere zu aktivieren. „Die Funktion wurde innerhalb von acht Wochen geschrieben“, sagt eine Park-Sprecherin dazu. Der erste Tag sei ein Härtetest, noch laufe nicht alles rund.

Wartezeiten halten sich in Grenzen

Den Besuchern im Park ist es einerlei. Denn obwohl es vor den großen Attraktionen zu Schlangen kommt, halten sich die Wartezeiten in Grenzen. An der bei den Gästen stets beliebten „Arthur“-Bahn sind Wartezeiten von 45 Minuten keine Seltenheit, heute dauert das Anstehen nur einen Bruchteil der Zeit. Ein Park-Mitarbeiter läuft die Schlange geduldig ab, verteilt Flyer und weist die Gäste darauf hin, dass der Zugang zur Bahn vorher digital über die „Virtual Line“ erfolgen muss. Ein voll geladenes Smartphone ist jetzt Gold wert.

Alleinunterhalter verteilen Desinfektionsmittel

Man merkt: Die Unternehmerfamilie Mack hat viel dafür getan, um den Besuchern trotz Corona-Bedrohung ein gutes Gefühl zu verschaffen. Schon im Eingangsbereich halten kostümierte Damen Schilder mit der Aufschrift „Bleib gesund“ und „Gib Acht“ in die Höhe. Und weil im Moment noch keine Bühnen-Shows stattfinden, sind umso mehr Alleinunterhalter im Park unterwegs. Hier und da stolzieren bunt verkleidete Künstler auf Stelzen durch die Themenbereiche, scherzen mit den Kindern und erinnern Besucher auf spielerische Art und Weise daran, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Einige der Unterhalter haben das Desinfektionsmittel auch gleich dabei und verteilen es unter den Gästen.

In den Toiletten ist das Reinigungspersonal rund um die Uhr aktiv, um Waschbecken, Urinale und Böden zu desinfizieren. Nachdem die Fahrgäste die Bahn verlassen haben, wischt ein Mitarbeiter Sitzflächen und Haltegriffe sofort ab. Erst dann dürfen neue Fahrgäste nach Aufforderung einsteigen.

Plexiglasscheiben an den Pommesbuden

An den Imbissständen, Restaurants und Bahnen sind Linien auf den Boden geklebt, um den Abstand von 1,50 Meter zu gewährleisten. Plexiglasscheiben an der Pommesbude sollen die Wartenden zusätzlich schützen. Wo es geht, stehen die Fenster der Restaurants offen, um es der Bildung von Aerosolen möglichst schwer zu machen. Wer Mayo oder Ketchup aus den Spendern will, kann nicht wie früher einfach so zugreifen, das Bedienpersonal übernimmt diese Aufgabe.

Die Besucher nehmen die Einschränkungen geduldig hin. Selbst dort, wo sich eine größere Zahl von Menschen befindet, gehen sie sich aus dem Weg und setzen sich in größerem Abstand zueinander auf Bänke und andere Sitzgelegenheiten.

Die meisten Gäste sind umsichtig

Im französischen Viertel des Parks geht es auch in Corona-Zeiten rasant zu – sowohl bei „Silver Star“, der größten und höchsten Stahlachterbahn Europas, als auch in der Dunkel-Achterbahn „Eurosat – CanCan Coaster“. Anders als sonst sind die Wartezeiten auch hier bei beiden Attraktionen weitaus geringer. Nur rund 15 Minuten müssen Besucher im Schnitt für den Adrenalinkick anstehen. Der ein oder andere kommt allerdings schon vor der eigentlichen Fahrt ins Schwitzen, denn auch hier herrscht in den Wartebereichen Maskenpflicht. Mitarbeiter des Europa-Parks kontrollieren regelmäßig, ob sich Besucher an die Regeln halten und die Sicherheitsabstände eingehalten werden. Probleme gibt es nur selten, die meisten Gäste sind umsichtig.

Beim Einsteigen in die Eurosat-Züge achtet das Personal genau darauf, dass nur jeder zweite Wagen besetzt wird, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Gemeinsam in einen Wagen dürfen ausschließlich Personen, die zusammen angereist sind und maximal aus zwei verschiedenen Haushalten stammen. Einzelbesucher müssen demnach auch alleine in einem Zug sitzen, separate Single-Rider-Eingänge gibt es derzeit nicht.

Besucher müssen Sicherheitsbügel selbst schließen

Auch das eigentliche Prozedere kurz nach dem Einstieg, bei dem die Mitarbeiter im Schnelldurchlauf die Sicherheitsbügel für jeden einzelnen Fahrgast schließen, ist aufgrund der Corona-Krise abgeändert worden. Nun werden die Bügel von den Besuchern selbst geschlossen, das Personal wirft lediglich noch einen kurzen Blick darauf, jeglicher Körperkontakt wird vermieden. Sorgen um die eigene Sicherheit müsse sich allerdings keiner machen: „Alle Attraktionen sind so programmiert, dass sie nicht losfahren können, wenn ein Bügel nicht richtig geschlossen sein sollte“, versichert eine der Mitarbeiterinnen.

Und dann geht sie auch schon los, die wilde Reise durch das Pariser Nachtleben. Zwischen bunten Lichteffekten scheint die Corona-Pandemie in der Silberkugel des Europa-Parks für ein paar Minuten weit entfernt zu sein. Nur der Mundschutz und die leeren Waggons vor und hinter einem erinnern an die aktuelle Situation in der Außenwelt. Aber auch die Maske hält kaum einen der Besucher davon ab, laut zu kreischen, sobald die Züge aus der Höhe rasant nach unten schießen und sich in die scharfen Kurven legen.

Plötzlich wird es wieder hell, die Wagen halten abrupt an. „Bitte selbstständig aussteigen“, erinnert die Mitarbeiterin diejenigen, die noch immer vergeblich darauf warten, dass sie ihnen den Sicherheitsbügel öffnet. Wahrscheinlich wird sie diesen Satz im Lauf des Tags noch einige Male wiederholen müssen, bis sich wirklich jeder Besucher daran gewöhnt hat, dass in diesen Tagen vieles anders läuft. „Aber auch das wird sich einspielen“, ist sich die Dame sicher. Das Wichtigste ist ohnehin: Die Maske hat gehalten!

Ihr Autor

Janina Fortenbacher, Tobias Symanski

Zum Artikel

Erstellt:
29. Mai 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 46sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.