Europa-Park fährt Betrieb komplett runter

Von Tobias Symanski

Rust (tas) – Die aktuelle Corona-Verordnung trifft auch den Europa-Park hart. Fast die gesamte Belegschaft muss in Kurzarbeit – laut Unternehmenschef Roland Mack schmelzen die Rücklagen dahin.

Europa-Park fährt Betrieb komplett runter

So sieht der Europa-Park in Rust in der Wintersaison aus, doch in diesem Jahr ist alles anders. Foto: Europa-Park

Der verlängerte Teil-Lockdown trifft die Beschäftigten des Europa-Parks in Rust jetzt mit voller Wucht. „Aufgrund der weiteren coronabedingten Beschränkungen durch die Bundesregierung und die Länder sieht sich der Europa-Park gezwungen, ab dem 1. Dezember 3.500 Mitarbeiter und damit fast die gesamte Belegschaft in Kurzarbeit zu schicken.“

Das teilte der Europa-Park dem Badischen Tagblatt auf Anfrage mit. Der Freizeitpark musste bereits den November über geschlossen bleiben und wird es auch weiterhin sein. „Wir konnten noch beim Lockdown im November Kurzarbeit vermeiden, jetzt haben wir keine andere Wahl, als das Unternehmen komplett herunterzufahren“, sagte Europa-Park Inhaber Roland Mack dem BT. „Uns als Unternehmer, unsere Mitarbeiter, aber auch die Besucher trifft diese Maßnahme gerade jetzt vor Weihnachten sehr hart. Finanziell und menschlich.“ Aber die Gesundheit der Mitarbeiter und Besucher gehe vor.

Um die Umsatzverluste im ersten harten Lockdown im Frühjahr zu dämpfen, sollte der Park zum ersten Mal zwischen der Herbst- und Wintersaison offen bleiben, doch die Zwangsschließung macht diese Pläne zunichte. Nun droht auch das Wintergeschäft komplett auszufallen. „Mit über 500.000 Besuchern war der Winter in den vergangenen Jahren immer eine sehr wichtige Saison für uns“, sagte Mack. Die Dekoration mit 3.000 Tannenbäumen, die den Park in eine Winterlandschaft verwandeln, sei bereits vor Ort. „In der Deutschen Allee wurde auch schon ein riesiger Weihnachtsbaum, ein Geschenk der französischen Gemeinde Sélestat, aufgestellt. Die Europa-Park Dinner-Show hat auch schon vor dem Lockdown Generalprobe gefeiert“, sagte Mack und hofft, dass die Arbeit nicht umsonst ist. „Sollte sich das Infektionsgeschehen deutlich entspannen, sind wir jederzeit bereit, unsere geplante Winter-Saison zu starten.“ Die Nachfrage bei den Besuchern sei „enorm hoch“.

Die baden-württembergische Landesregierung hatte mit Wirkung zum 1. Dezember den Teil-Lockdown bis zum 20. Dezember verlängert und die Corona-Maßnahmen in bestimmten Bereichen sogar noch verschärft. Hotels, Gastronomie, Bäder und Freizeitparks müssen weiterhin geschlossen bleiben. Die Landesregierung machte aber bereits jetzt deutlich, dass die Beschränkungen wohl auch über den Jahreswechsel hinweg notwendig sein werden.

Die Wasserkreisläufe bleiben in Betrieb

Neben dem Park ist besonders die neue Wasserwelt Rulantica von der Schließung betroffen. Das Bad wurde erst Ende November 2019 in Betrieb genommen, die 180 Millionen Euro teure Investition sollte in diesem Jahr so richtig durchstarten. Doch nun fallen erst einmal nur Kosten an. „Die Wasserkreisläufe bleiben in Betrieb, die Wasseraufbereitung läuft, wenn auch ohne Badebetrieb reduziert, weiter“, sagte Engelbert Gabriel, der Sprecher der Geschäftsleitung, dem BT. Wasser und Lufttemperatur seien von 32 Grad auf 20 Grad (Wasser) und von 34 Grad auf 22 Grad (Luft) reduziert worden. Der Personaleinsatz sei bis auf eine Rumpfmannschaft, die sich um die laufenden Arbeiten kümmere, zurückgefahren worden. „Wir nutzen die Phase für Wartung, Sonderreinigungen, Revision und Umbauten. Auch der Bau von Svalgurok, Deutschlands größtem Outdoor-Wasserspielplatz, der im nächsten Jahr eröffnet wird, schreitet voran.

Anfang November hatte Engelbert Gabriel dem BT von einem Umsatzverlust beim gesamten Unternehmen von über 100 Millionen Euro im aktuellen Geschäftsjahr berichtet. „Das alles war bislang nur zu verkraften, weil wir über Jahrzehnte solide gewirtschaftet haben“, sagte Mack nun. „Aber die Rücklagen schmelzen dahin.“ Der Europa-Park sei mit dem Freizeitpark, der neuen Wasserwelt Rulantica, allen Hotels, Restaurants, Veranstaltungen, Messen, der Dinner-Show und der neuen Attraktion Yullbe – ein Virtual Reality Erlebnis – in einem „unglaublich hohen Ausmaß komplett betroffen“. Auch die Tourismusgemeinde Rust kämpfe mit ihren vielen Anbietern mit schweren wirtschaftlichen Einbußen. Trotz der düsteren Lage will Mack sich aber nicht unterkriegen lassen. „Aber wir glauben an unser Geschäftsmodell.“