Europäischer Hof in Baden-Baden soll 2024 öffnen

Baden-Baden (hol) – Die Sächsische Ärzteversorgung aus Dresden ist neuer Eigentümer des Europäischen Hofs in Baden-Baden. Das Versorgungswerk will das Luxushotel 2024 wieder an den Start bringen.

Noch ruht die Baustelle im Herzen der Stadt: Am Europ soll sich aber bald wieder was tun. Foto: Monika Zeindler-Efler

© zei

Noch ruht die Baustelle im Herzen der Stadt: Am Europ soll sich aber bald wieder was tun. Foto: Monika Zeindler-Efler

Die Bauarbeiten am Europäischen Hof sollen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden – eventuell noch in diesem Jahr. Priorität hat dabei die Schließung des Dachs. Die Sächsische Ärzteversorgung (SAEV), der neue Besitzer der Luxus-Immobilie, hofft auf einen Beginn des Hotelbetriebs im Jahr 2024.

Die SAEV hat ihren Sitz in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Das berufsständische Versorgungswerk ist für die Alterssicherung von etwa 25.000 Ärzten und Tierärzten in Sachsen zuständig und ist damit nach eigenen Angaben eines der größten Versorgungswerke in den neuen Bundesländern. Es kauft Immobilien, um eine Rendite für seine Mitglieder zu erzielen.

Das Unternehmen hat die seit Monaten stillstehende Baustelle im Herzen der Kurstadt im Juli übernommen. Der notarielle Übergang des Areals aus der Insolvenzverwaltung an den neuen Eigner ist mittlerweile komplett abgeschlossen. Die Übernahme betrifft ausdrücklich den gesamten Gebäudekomplex – „mit Bankvilla, Haupthaus, Alte Villa, Kaufmannshaus und Luisenflügel“, wie es in einer Stellungnahme der SAEV auf Anfrage des BT heißt. Gerüchteweise war zuletzt zu hören gewesen, dass ein Teil des Gebäudes weiterhin dem Investor aus der Schweiz persönlich gehöre, der die Gesellschaft zum Umbau des Luxus-Hotels im Jahr 2019 in die Insolvenz geführt hatte. Das stimme aber nicht, hieß es nun aus Dresden.

Baustelle ruht derzeit noch

Noch ruht die Baustelle auf dem Areal im Herzen der Kurstadt zwischen Kaiserallee und Luisenstraße. Doch das soll sich möglichst noch in diesem Jahr ändern. Die Arbeiten sollen auf jeden Fall bald weitergehen. Die Schließung des Dachs habe dabei oberste Priorität, heißt es aus Dresden weiter. Allerdings betonen die neuen Eigner auch, dass der nun schon fast zwei Jahre andauernde Stillstand auf der Baustelle dem Gebäude nicht geschadet habe. „Das Gebäude war gut konserviert und der bisherige Bautenstand wurde sachgerecht instand gehalten“, heißt es von der SAEV.

Die ursprünglichen Pläne für den Um- und Neubau des renommierten, 181 Jahre alten Hauses sollen dabei nicht geändert werden. „Das bisherige Hotelkonzept soll nach derzeitigem Kenntnisstand in gleicher Konfiguration weiterverfolgt werden“, so die Auskunft aus Dresden. Die Planung sah zuletzt vor, dass ein modernes Fünf-Sterne-Hotel mit 120 Zimmern und Suiten, einem Restaurant, einer Bar auf der Dachterrasse, großem Spa-Bereich und fünf Shops in der Luisenstraße entstehen soll. Im Mittelpunkt des Hauses soll die über mehrere Stockwerke reichende, mit Glas überdachte Lobby stehen.

Um dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen, wolle man mit möglichst vielen der Handwerker und Baufirmen, mit denen das Projekt bisher schon vorangetrieben wurde, weiter zusammenarbeiten. Auf zweieinhalb bis drei Jahre schätzt die SAEV die verbleibende Bauzeit. Mithin wäre eine Eröffnung des Hauses im Jahr 2024 möglich – und zwar, wie ursprünglich geplant, unter der Marke Steigenberger. „Wir haben für den Erwerb den bestehenden Vertrag mit der Steigenberger Hotels AG übernommen“, so die Eigner weiter.

Hotelmarkt in Stadt hat sich schnell erholt

Über die Kosten für das Bauprojekt – bislang sollen vom bisherigen Besitzer dafür fast 60 Millionen Euro ausgegeben worden sein – und darüber, wie teuer die Übernahme der Immobilie war, gibt es aus Dresden keine Auskunft. Man wolle „absolute Verschwiegenheit walten lassen“, heißt es. Vor dem Ankauf des Hotels habe man aber ausführliche Marktuntersuchungen und Experteneinschätzungen eingeholt. „Darüber hinaus können wir auf die eigene Erfahrung im hochpreisigen Asset Markt zurückgreifen. Die Analysen und Beobachtungen zeigen, dass die Nachfrage am Baden-Badener Hotelmarkt sich direkt nach der Lockdown Phase wieder schnell erholt hat, wenn auch derzeit noch fast ausschließlich freizeittouristisch orientiert, die Besucher die Stadt Baden-Baden daher vor allem an den Wochenenden wieder vermehrt aufsuchen und die Hotelraten bereits jetzt schon wieder deutlich anziehen“, so die SAEV weiter. „Insofern sind wir davon überzeugt, dass der Europäische Hof ab Eröffnung mit seiner neuen Identität und auch hohen Qualität der Ausführung des Baus und der Renovierung sowie der Positionierung des Objekts durch die Steigenberger Hotels AG unter den sogenannten Steigenberger-Icons, also den führenden Luxushotelobjekten des Konzerns, wie dem Frankfurter Hof in Frankfurt oder dem Steigenberger Wiltcher‘s in Brüssel, sehr gut am Markt platziert werden kann und langfristig mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung zu rechnen ist.“

Kommentar


Geschichte geht weiter

Wenn alles so kommt, wie es die Verantwortlichen erwarten, wird 2024 ein gutes Jahr für den Tourismus in Baden-Baden. Denn dann soll der kürzlich abgebrannte Badische Hof wieder in frischem Glanz erstrahlen. Und der Europäische Hof soll die ersten Gäste in luxuriösem Ambiente beherbergen. Da kommen alte Erinnerungen an das ehemalige Steigenberger-Dreigestirn in Baden-Baden hoch: Neben dem Europ und dem Badischen Hof gehörte ja bis vor gut zehn Jahren auch das Bad-Hotel zum Hirsch in der Fußgängerzone zu dem großen Hotelkonzern. Die beiden Letzteren werden nun von anderen Firmen geführt. Im Steigenberger-Stammhaus jedoch soll Steigenberger weiterhin das Sagen haben. Das gilt auch unter den neuen Besitzern der Immobilie, der Sächsischen Ärzteversorgung (SAEV). Sie hat das Objekt im Herzen von Baden-Baden naturgemäß nicht als Liebhaberstück erworben, sondern hat Rendite im Sinn. Und dass die Dresdner gute Chancen sehen, dass der Baden-Badener Hotelmarkt sich schnell von allen Krisen erholt und auch im Luxus-Segment wieder so erblühen wird, dass sich damit gutes Geld verdienen lässt, das ist ein durchaus erfreuliches Signal. Schließlich kann man der SAEV unterstellen, dass das Unternehmen weiß, was es tut. Das war bei einigen Vorbesitzern des Europ nicht unbedingt der Fall. Das Ende der Geschichte markierten die peinliche Stilllegung aus Brandschutzgründen 2014 und zuletzt die traurige Insolvenz 2019. Doch die Geschichte geht weiter. Und die Zeichen stehen gut, dass es nach zehn Jahren Leerstand tatsächlich 2024 für ein Happy End reichen könnte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

Zum Artikel

Erstellt:
9. September 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 55sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.