Evangelische Kirche muss sparen

Baden-Baden (nof) – Die evangelische Landeskirche fasst Einsparungen ins Visier: 30 Prozent weniger Personal und Gebäude soll es bis 2032 in Mittelbaden geben. Am Freitag tagt die Bezirkssynode.

Evangelische Stadtkirche: Hier tagt die Synode am Freitag. Foto: Nico Fricke/Archiv

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Evangelische Stadtkirche: Hier tagt die Synode am Freitag. Foto: Nico Fricke/Archiv

Die evangelische Landeskirche in Baden steht vor großen Umbrüchen: Im Rahmen eines Strategieprozesses will sie sich neu aufstellen. Dabei geht es auch um drastische Einsparmaßnahmen. Am Freitagabend befasst sich die Bezirkssynode Baden-Baden/Rastatt mit den anstehenden Aufgaben.

Der Strategieprozess der Landeskirche als Antwort auf die sinkende Zahl an Mitgliedern sieht vor allem Kürzungen vor. „Das betrifft sowohl Personalstellen als auch Gebäudestrukturen“, skizziert Dekan Steffen Mahler, der den Prozess in der Region mit steuert: „Die Zahl der Gemeindepfarrer wird wohl abnehmen.“ Auch in anderen Bereichen seien Einsparungen beim Personal nicht ausgeschlossen. Doch soweit sei man noch nicht. „Es gibt noch keine spruchreifen Details.“ Vielmehr gehe es nun darum, „den Dialog zwischen allen Beteiligten zu starten“. Der Kirchenbezirk umfasst den Stadtkreis Baden-Baden und fast den ganzen Landkreis Rastatt. Die elf Kirchengemeinden gliedern sich in 19 Pfarrgemeinden.

„Wir werden uns von Immobilien trennen müssen“

Was der Strategieprozess für die künftige Gestaltung des kirchlichen Lebens im Bezirk bedeutet, wird zentrales Thema der Zusammenkunft am Freitagabend, 18 Uhr, in der Stadtkirche Baden-Baden sein. „Dabei wird auch von den Ergebnissen der jüngsten Landessynode berichtet“, kündigt Mahler an.

Ein ungefähres Bild über die Tragweite liefern die offiziellen Verlautbarungen der Landeskirche im Nachgang der Herbstsynode Ende Oktober in Bad Herrenalb. Dabei seien „grundsätzliche Entscheidungen auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Landeskirche getroffen“ worden. Mit den Beschlüssen werde deutlich, „dass wir Ressourcen steuern und uns auf Einsparungen einstellen müssen“, wird Synodalpräsident Axel Wermke in einer Mitteilung zitiert.

Demnach sollen bis 2032 „rund 30 Prozent der Ressourcen auf allen Ebenen eingespart werden“. Damit will die Landeskirche auf die zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen reagieren, und „andererseits finanzielle Mittel für Innovationen sicherstellen“. Es sei klar, „dass wir in den nächsten zehn Jahren deutlich weniger Mittel zur Verfügung haben werden“, heißt es.

Was wiederum auch den hiesigen Kirchenbezirk treffen wird. Und dafür müssen nun die Weichen gestellt werden. „Wir werden uns von Immobilien trennen müssen“, sagt Mahler. „Das könnten unter Umständen auch Kirchen sein.“ Es gelte nun, die vorhandenen Gebäude zu kategorisieren in die Gruppen Rot, Gelb und Grün und entsprechend festzulegen, was erhalten werden kann und von welchen Objekten sich die Kirchengemeinden verabschieden müssen. „Die Gebäudefrage muss im Zusammenhang mit der Personalfrage beantwortet werden“, so Mahler.

Klimagerechte Landeskirche bis 2040

Dabei hat sich die Landessynode kürzlich dafür ausgesprochen, eine langfristige Perspektive der Entwicklungen bis 2050 zu berücksichtigen sowie die Notwendigkeit, bis 2040 eine klimagerechte Landeskirche zu werden. Außerdem soll nur noch in jene Gebäude investiert werden, die eine langfristige Perspektive haben. So sollen demnach nur noch rund 30 bis 45 Prozent des derzeitigen Gebäudebestandes verbleiben – dafür aber „klimaneutral, attraktiv und dem Auftrag der kirchlichen Arbeit entsprechend aufgestellt sein“.

Ein von der Landessynode verabschiedetes „Ressourcensteuerungsgesetz“ soll den Rahmen für die notwendigen Entscheidungen setzen. „Während landeskirchlich die großen Linien vorgegeben werden, obliegt die konkrete Umsetzung den Kirchenbezirken“, heißt es. Bedeutet: Nicht die Landeskirche, sondern die Kirchenbezirke sollen entscheiden, wie sie ihre Ressourcen und ihr Personal einsetzen und in welche Kategorie welche Gebäude fallen. „Dieser Aufgabe muss ich mich im Austausch mit den Beteiligten nun stellen“, sagt Steffen Mahler, der sein Amt als Dekan erst im März dieses Jahres angetreten hat.

Die Bezirkssynode tagt am Freitag öffentlich. Gäste werden pandemiebedingt gebeten, sich zwecks Platzreservierung im Dekanat anzumelden: (07221) 906723. Neben der Präsentation des Strategieprozesses wird sich Kirchenrätin Anne Heitmann in ihrer Funktion als neue Gebietsreferentin des Kirchenbezirks vorstellen und von ihrer Arbeit berichten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
11. November 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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