Ex-KSC-Manager Dohmen wird 70

Karlsruhe (BNN) – Rolf Dohmen hat im Profifußball Aufstiege wie Abstürze erlebt und oft auch polarisiert. Vom Karlsruher SC ist der Rheinländer nie ganz losgekommen. Am Montag wird „Disco Dohmen“ 70.

Rolf Dohmen feiert an diesem Montag seinen 70. Geburtstag. Foto: Christoph Schmidt/picture alliance/dpa

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Rolf Dohmen feiert an diesem Montag seinen 70. Geburtstag. Foto: Christoph Schmidt/picture alliance/dpa

Rolf Dohmen fiele es im Traum nicht ein, an seinem 70. das Handy aus zu lassen. Dazu sei er „viel zu neugierig“, gesteht der Rheinländer. Das neue Lebensjahrzehnt wird er am Montag im engsten Familien- und Freundeskreis in Fischbach bei Dahn beginnen. So wünschten sich das Kim und Tamara, seine Töchter aus seinen beiden geschiedenen Ehen, erzählt der frühere Abwehrspieler und Sportdirektor beim Karlsruher SC. Seine beiden Brüder reisen aus dem Kreis Düren an, und der bestellte Musikus ist zum Pfälzer Abend auf Kölsch und „Bläck Föös“-Reminiszenzen eingestimmt.

Für einen Lebemann, der sich im Karlsruher Nachtleben der späten 1970er und frühen 1980er den Spitznamen „Disco Dohmen“ verdiente und der über die hiesige Fußball-Szene weit hinaus eine schillernde Figur blieb, ein gesittetes Setting zur Feier des Ehrentags. Wenn der Liebhaber des Kölner Karnevals seine alten Schampus-Freunde aus dem Café Ludwigs sieht, wie sie mit ihm älter wurden, frage er sich ab und an: „Sehe ich schon aus wie die?“ Dohmen erzählt das, lacht, und kennt seine Antwort.

1980 stieg er mit dem KSC nach turbulenten Entscheidungsspielen gegen Rot-Weiß Essen in die Bundesliga auf. 2007 schaffte er dasselbe als Sportdirektor der Badener. Im Rausch des Triumphs stießen Spieler ihren Manager samt seinem Kamelhaarmantel ins Bassin.

Rolf Dohmen bejubelt ausgelassen den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Foto: Augenklick/GES

Rolf Dohmen bejubelt ausgelassen den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Foto: Augenklick/GES

2020 trieb ihn der Ehrgeiz an, vor Überschwang triefende Bilder auch noch einmal als Clubchef zu produzieren. Doch bei der Wahl des Präsidenten blieb Dohmen gegen Holger Siegmund-Schultze chancenlos. Noch ist er als Mitglied im operativ einflusslosen Sportkomitee, das den KSC-Beirat strategisch beraten soll, aktiv.

Dass Dohmen der Fußball ein Leben lang gefangen nehmen würde, war Schicksal, wuchs er auf dem Sportplatz auf. Sein Vater pflegte beim Kreuzauer SC den Platz, die Mutter wusch die Trikots der Kicker, und Rolf wusste spätestens am 27. Januar 1973, dass er einmal so werden wollte wie Berti Vogts.

Auf dem Bökelberg erlebte er mit, wie der spätere Weltmeister mit Borussia Mönchengladbach 6:1 gegen den HSV gewann. „Berti hat alles weggemacht. Ein Wadenbeißer mit Riesenherz. Mein Vorbild.“

Mit pinkfarbenem Porsche zum Probetraining

Zum eigenen Profidebüt kam der über die oberste Amateurliga bei TuS Langerwehe ins Blickfeld von Fortuna Kölns Patriarchen Jean Löring geratene Dohmen zweieinhalb Jahre später. Den pinkfarbenen Porsche, mit dem er zum Probetraining kam, habe er ein paar Hundert Meter vom Trainingsgelände entfernt geparkt.

Danach endeten die Versteckspielchen. Die Offerte der Fortuna überstieg das Gehalt, das der gelernte Einzelhandelskaufmann als erster Verkäufer in einem Fachgeschäft für Autozubehör verdiente, deutlich. Ein erfahrener Fortuna-Profi, dem Dohmen vor seiner Zweitliga-Premiere gegen den FC St. Pauli Nervosität eingestand, habe ihn beruhigt: „Kein Problem, hier hast du ein Pillchen.“ Captagon - im damaligen Profifußball war das ein gängiges Aufputschmittel.

Rolf Dohmen im Einsatz bei einem Benefizspiel des Karlsruher SC. Foto: Peter Henrich/GES

© GES/Peter Hennrich

Rolf Dohmen im Einsatz bei einem Benefizspiel des Karlsruher SC. Foto: Peter Henrich/GES

War er bei den Trainern Rudi Gutendorf und Heinz Hornig Stammspieler, änderte sich das im zweiten Jahr mit der Ankunft von Ernst-Günter Habig. „Der hat mich rasiert.“ Kalli Struth, sein ehemaliger Kölner Mitspieler, lotste Dohmen zum KSC. Auf dem Platz fielen ihm oft gröbere Spezialaufgaben zu. Gut erinnert er sich an die Bassstimme des Trainers Manfred Krafft vor einem Spiel gegen Bayer Uerdingen. „Dohmen, Sie spielen heute gegen die Rakete. Den Eggeling will ich in den ersten zwei Minuten bei mir vor der Bank liegen sehen.“ Dort krümmte sich der flinke Stürmer Heinz-Werner Eggeling dann pünktlich.

KSC-Idol Dohmen ließ gern die Puppen tanzen

Von Dezember 1977 bis 1982 trug Dohmen 141-mal das KSC-Trikot - daneben war er stadtbekannt für seinen großzügigen Lebensstil und dafür, auch nach Niederlagen gerne mal die Puppen tanzen zu lassen.

Ein Club am Marktplatz war sein zweites Zuhause. „Da hatte ich mein Fläschchen mit dem Namen drauf, und es waren immer zwei Höckerchen reserviert. Damals durfte man noch in die Fußgängerzone fahren. Meinen Porsche habe ich direkt davor geparkt. Jedes Mal gab es Strafzettel. Wir haben alle gesammelt. Unser Zeugwart Seppl Klimesch regelte den Rest bei der Polizei, die immer gut mit Freikarten versorgt war. Gezahlt haben wir nie.“

Als der KSC in Helmut Zahn seinen Nachfolger verpflichtete, wechselte Dohmen zusammen mit Wolfgang Schüler zu Darmstadt 98, wo er Mannschaftskapitän wurde und 1985 seine Profikarriere beendete.

Danach heuerte Dohmen bei Nike an. Über die Jahre stieg er beim US-amerikanischen Sportartikelhersteller vom Außendienstler zum Vertriebsdirektor auf. Auf dem Weg dorthin lockte er Borussia Dortmund von Adidas weg, fädelte Deals mit Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Basketball-Star Dirk Nowitzki ein. Als diese Episode endete, weil die Amis umstrukturierten, galt Schumacher sein erster Anruf. „Mit ihm war ich eng befreundet“, erzählt Dohmen.

Dohmens Machtspielchen mit Magath

Als Spielerberater fühlte er sich nicht lange wohl, „zu link und verlogen“ war ihm das Geschäft. So landete Dohmen als Sportdirektor beim Bundesliga-Abstiegskandidaten Eintracht Frankfurt. Als er nach Vertragsschluss zur Mannschaft ins Trainingslager nachreiste und dort Einzelgespräche ankündigte, zischte ihn der Cheftrainer Felix Magath an: „Herr Dohmen, der Einzige, der hier Einzelgespräche mit Spielern führt, bin ich!“

Später senkte der mit 50 Millionen Euro bei den Hessen eingestiegene Vermarkter Octagon den Daumen über den erfolglosen Kontrollfreak und setzte Dohmen für zehn Spiele als Übergangstrainer ein. Der versuchte zwischenzeitlich Lothar Matthäus als Retter an den Main zu locken.

„Ich war ein Lothar-Fan. Unglücklicherweise war ich aber in der Eintracht-Historie nicht so bewandert. So wusste ich nicht, dass Matthäus mit einer Grätsche die Karriere der kürzlich verstorbenen Eintracht-Ikone Jürgen Grabowski beendet hatte. Als die Verhandlungen bekannt wurden, setzte es einen Shitstorm. Am Ende kam Friedel Rausch. Ein großer Fehler. Die Mannschaft stieg ab.“

KSC-Sponsor zahlte Dohmens Gehalt als Sportdirektor

So war Dohmen im Mai 2001 seinen Job bei der Eintracht los. Ein Jahr später engagierte ihn der KSC in höchster wirtschaftlicher Not. Alt-OB Gerhard Seiler bemühte sich als Interimspräsident um Ordnung im Chaos. Der Öffentlichkeit verkaufte man, dass der neue Sportchef ohne Gage loslegen würde. In Wahrheit übernahm ein Sponsor die ersten Gehälter von Dohmen, der seine Machtkompetenzen nach dem Weggang des Geschäftsführers Wilfried de Buhr ausgebaut sah.

Wie bei der Eintracht in der Causa Matthäus, sorgte eine angebliche historische Unkenntnis Dohmens für eine Wendung. Als Nachfolger für den Trainer Lorenz-Günther Köstner verpflichtete er Reinhold Fanz. Dass der ein Intimfeind des damaligen EnBW-Vorstandsbosses Utz Claasen aus deren Zeit bei Hannover 96 war, habe er nicht gewusst. Der Hauptsponsor drohte im Dezember 2004 mit dem Ausstieg, Fanz wurde nach einer Woche entlassen und Amateurcoach Edmund Becker zur Übernahme des Cheftrainerpostens überredet.

Dohmens unverzeihliche Fehler im Höhenflug

Als Kompensation zahlte EnBW nach der bundesweit beachteten Provinzposse die Neuzugänge Bradley Carnell und Godfried Aduobe, die zu wichtigen Säulen auf dem Weg zum Aufstieg werden sollten. Von 2007 bis 2009 spielte der KSC in der Bundesliga. Und, wie so oft, geschahen im Aufschwung die unverzeihlicheren Fehler.

Dohmens Machtfülle wuchs im Einvernehmen mit dem Präsidenten Hubert H. Raase und den Vizes Michael Steidl und Rainer Schütterle. „Wir haben gut harmoniert. Ich hatte meine Freiheiten, manche sagten hinterher zu viele - aber alles, was ich gemacht habe, war mit ihnen angesprochen“, betont Dohmen, der sich in der Fanszene mit Stadionverboten unbeliebt machte, mit einem Maserati als Dienstwagen nicht nur den Verwaltungsrat aufbrachte und sich mit der Verpflichtung des kroatischen Abwehrspielers Dino Drpic verzockte.

Im Zuge der Trainer-Beurlaubung im August 2009 zerbrach vorübergehend auch die Männerfreundschaft zu Becker. Als der von der Fanszene unterstützte Paul Metzger an die Vereinsspitze kam, lief Dohmens Uhr beim KSC nach zehn Jahren ab. Mit 55 sagte Dohmen, dass er mit 66 auf Mallorca leben wolle. Nun, mit 70, bleibt es weiter sein Lebenstraum, in den Südwesten der Insel nach Port Adriano überzusiedeln. „Meine Brüder haben dort eine Ferienwohnung. Wenn du in der Sauna sitzt, guckst du in den Hafen hinein.“

Keine Zweifel bestünden: An einem Vorrat an Kölsch würde es Dohmen auch auf Malle schon aus Heimatliebe nie fehlen lassen.

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