Ex-OB Wendt übergibt sein Privatarchiv

Bühl/Baden-Baden (BT) – Seine Amtszeit als Oberbürgermeister in Bühl und Baden-Baden liegt Jahrzehnte zurück. Ulrich Wendt hat nun private Erinnerungsstücke an Archive übergeben.

Sportliches Doppel: Bei einem Show-Match spielte Ulrich Wendt Mitte der 1990-er-Jahre in Baden-Baden an der Seite des fünfmaligen Wimbledon-Siegers und früheren Tennisstars Björn Borg. Foto: Rolf Gottwald

Sportliches Doppel: Bei einem Show-Match spielte Ulrich Wendt Mitte der 1990-er-Jahre in Baden-Baden an der Seite des fünfmaligen Wimbledon-Siegers und früheren Tennisstars Björn Borg. Foto: Rolf Gottwald

Lange ist es her: Ulrich Wendt war Rathauschef in Bühl (1981 bis 1989) und danach in Baden-Baden (1990-1998). In den vergangenen Wochen durchlebte der inzwischen 76-jährige CDU-Mann seine jeweils achtjährigen Wahlperioden in der Zwetschgen- und in der Bäderstadt noch einmal: Der Ex-Oberbürgermeister hat Akten und unzählige Fotos aus seinem Privatarchiv durchforstet.

Ausgewähltes Material zur Vorbereitung und zum Werdegang von Entscheidungsprozessen überlässt er den Stadtarchiven in Bühl und Baden-Baden. Nicht allein der Nostalgie wegen. Vielmehr sollen Unterlagen für die Nachwelt gesichert werden. „Es ist ein Stück Nachlass“, sagt Wendt.

In der Corona-Zeit bestimmen 2G+-, 2G- und 3G-Regeln unser Leben. Der Rückblick von Wendt stand dagegen unter dem Zeichen von drei Ms: Gemeint sind Mammutaufgaben, Momente und Menschen. „Das gilt für Bühl und Baden-Baden“, bilanziert der nach wie vor zielstrebig wirkende Politiker.

Prominente Gäste: Ulrich Wendt (von links) mit dem damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun und Bundeskanzler Helmut Kohl 1994 im Aumattstadion in Baden-Baden. Ganz links: Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Götz. Foto: Wolfgang Breyer

Prominente Gäste: Ulrich Wendt (von links) mit dem damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun und Bundeskanzler Helmut Kohl 1994 im Aumattstadion in Baden-Baden. Ganz links: Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Götz. Foto: Wolfgang Breyer

Im Herbst 2020 hatte der frühere Rathauschef der Bäderstadt im Buch „Baden-Baden wagen“ seinen Einsatz für eine tiefgreifende Neuausrichtung hin zur Festspielstadt und zum Wirtschaftsstandort beschrieben. Vor allem Unterlagen zu Hintergründen bei der Realisierung der anfangs im Baden-Baden heftig umstrittenen Festspielhausidee sollen im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Wendt war im Buch zudem auf eine Rufmordkampagne eingegangen. Die hatte im Jahr 1998 mit dazu beigetragen, dass er bei der OB-Wahl im Jahr der Festspielhaus-Eröffnung als Verlierer hervorging.

Mit diesem damals äußerst schmerzlichen Schicksal hadert er nicht mehr. „Ich habe genügend Distanz zu den Dingen“, sagt Wendt ganz allgemein zu seinen Erfahrungen von früher. Nach der Buchveröffentlichung hatte er zudem schon ankündigt, Unterlagen aus seinen Amtszeiten, die zum Teil auch im Buch verarbeitet wurden, den Stadtarchiven zur Verfügung zu stellen.

Das ist inzwischen geschehen. Michael Rumpf, Archivar in Bühl, trat nach dem Besuch beim früheren OB die Heimreise mit vier Aktenordnern und zahlreichen Fotos an. Mit Heike Kronenwett vom Baden-Badener Stadtmuseum hatte er schon davor ein Treffen. Dagmar Rumpf vom Stadtarchiv der Bäderstadt - nicht verwandt mit ihrem Bühler Kollegen - holte nun vor wenigen Tagen 17 Leitz-Ordner und Fotos bei Wendt ab. Über einen Schenkungsvertrag ist der Nachlass des früheren Rathauschefs an die beiden Kommunen geregelt.

Schlosshotel Bühlerhöhe macht ihm immer noch Gedanken

Seine guten Kontakte und sein fein gewebtes Netzwerk kamen dem früheren Landtagsabgeordneten Wendt bei der Arbeit an beiden Wirkungsstätten zugute. Bei der Rückschau hat er auch Parallelen entdeckt. „Beide Städte haben sich grundlegend geändert“, findet er. Das gehöre schließlich zur Aufgabe eines Rathauschefs: Die Kommune nach vorne bewegen.

In Bühl wurden die Weichen für einen florierenden Wirtschaftsstandort gestellt und die Innenstadt vom nervigen Durchgangsverkehr entlastet. Ein Thema, das in der Amtszeit von Wendt gelöst war, ist dagegen inzwischen wieder aktuell: Was wird aus dem seit Jahren im Dornröschenschlaf liegenden Schlosshotel Bühlerhöhe?

Im ehemaligen Oberbürgermeister der Zwetschgen-Stadt brennt das Thema immer noch. „Wir brauchen erneut den geballten politischen , notfalls rechtlichen Handlungsdruck der Region gegenüber undurchsichtigen Eigentümern , also die Rettung dieser legendären Institution und definitiv keine Ruine“, fordert er ein Handeln ein.

Da war alles gut: Der damalige Bühler Oberbürgermeister Ulrich Wendt (links) freut sich im Jahr 1986 mit Ministerpräsident Lothar Späth über das Engagement des Unternehmers Max Grundig für die Bühlerhöhe. Foto: Wolfgang Breyer

Da war alles gut: Der damalige Bühler Oberbürgermeister Ulrich Wendt (links) freut sich im Jahr 1986 mit Ministerpräsident Lothar Späth über das Engagement des Unternehmers Max Grundig für die Bühlerhöhe. Foto: Wolfgang Breyer

Zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) hatte Wendt die Übernahme des Hauses im Jahr 1986 durch den Industriellen Max Grundig eingefädelt. Nach dessen Tod war das Nobelhotel allerdings weiterverkauft worden.

Und was war sein bewegendster oder glücklichster Moment? Wendt muss nicht lange überlegen und zieht als Beweis ein Porträtfoto eines strahlenden Ulrich Wendt aus dem Stapel: Es datiert vom 18. Dezember 1997. Zum Anlass gibt es noch ein anderes Motiv: In Form eines Violinschlüssels übergibt Walter Veyhle, Bevollmächtigter des Bauherrn des Festspielhauses, dem damaligen Oberbürgermeister Ulrich Wendt und den beiden Geschäftsführern der Festspiele, Rainer Vögele und Klaus Klein, symbolisch das neue Festspielhaus Baden-Baden. Zu der Zeit war der Rohbau nahezu fertig. „Ich war da wöchentlich mindestens einmal auf der Baustelle“, erinnert sich Wendt.

Kultur im Regen: Brigitte und Ulrich Wendt mit Lothar Späth beim Konzert von Andrea Bocelli im Sommer 1997 auf der Klosterwiese in Baden-Baden. 6.000 Besucher kamen trotz Regen. Foto: Wolfgang Breyer

Kultur im Regen: Brigitte und Ulrich Wendt mit Lothar Späth beim Konzert von Andrea Bocelli im Sommer 1997 auf der Klosterwiese in Baden-Baden. 6.000 Besucher kamen trotz Regen. Foto: Wolfgang Breyer

Baden-Baden ohne Festspielhaus ist heute undenkbar. Kritiker von früher sind längst verstummt, weil sich das privat geführte Haus nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem internationalen Leuchtturmprojekt entwickelt hat.

Zum Thema:

Begegnungen mit Prominenten gehören zum Alltag des Oberbürgermeisters bzw. derzeit der Oberbürgermeisterin in Baden-Baden. Im Fotoarchiv des früheren Baden--Badner Rathauschefs Ulrich Wendt finden sich unter anderem Aufnahmen mit Staatsmännern wie Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und seiner Frau Hannelore, mit dem früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Egidius Braun und Fußball-Weltmeistern von 1954 wie Fritz Walter.

Auch im Sport ehrgeizig: Ulrich Wendt in seiner Zeit als OB in Baden-Baden am 6. Juli 1996 beim Fußballturnier der Stadtverwaltung. Wendt war Kapitän der Damenmannschaft. Foto: Wolfgang Breyer

Auch im Sport ehrgeizig: Ulrich Wendt in seiner Zeit als OB in Baden-Baden am 6. Juli 1996 beim Fußballturnier der Stadtverwaltung. Wendt war Kapitän der Damenmannschaft. Foto: Wolfgang Breyer

Auch mit Tennisstar Björn Borg ist Mitte der 90-er-Jahre ein Foto entstanden. Bei der ATP-Classic-Tour spielte Wendt an der Seite des fünffachen Wimbledon-Siegers in einem Show-Match auf der Anlage des Tennisclubs Rot-Weiß im Doppel gegen den früheren rumänischen Weltklassespieler Ilie Năstase und dem damaligen Chef der Stuttgarter Staatskanzlei, Erwin Vetter. Beim verregneten Open-Air-Konzert von Klassik-Star Andrea Bocelli saß Wendt mit seiner Frau Brigitte im Sommer 1997 auf der Klosterwiese neben dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth - wie alle 6.000 Besucher im Regencape.

Auch Schnappschüsse sind im Archiv gelandet: Einer zeigt Wendt bei einem fulminanten Torschuss - als Kapitän der Damenmannschaft beim Rathaus-Fußballturnier. Ein anderer entstand am 31. Januar vor 25 Jahren zur Eröffnung der Jugendbegegnungsstätte am neuen Standort in der Stephanienstraße. Ein überraschter Wendt und zwei weitere Männer halten eine Frau. Die war dem Trio spontan in die Arme gesprungen.

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