FKB: Ab Mai deutlich größeres Flugangebot

Von Jürgen Volz

Rheinmünster (vo) – Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden leidet unter einer Millioneneinbuße beim Umsatz als Folge der Pandemie. Nach und nach soll es nun wieder aufwärts gehen.

FKB: Ab Mai deutlich größeres Flugangebot

Verwaiste Abfertigungsschalter im Terminal: Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden sind die Flüge zuletzt rar gewesen. Foto: Jürgen Volz

Noch herrscht im Terminal eine fast gespenstische Stille. Keine Passagiere, kaum Personal. Seit Monaten lassen sich wegen der Corona-Pandemie die Flugzeuge, die täglich am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) mit Fluggästen an Bord abheben, an den Fingern einer Hand abzählen. Doch das soll sich nun ändern.Bereits für den Monat Mai haben die Fluggesellschaften ihr Angebot deutlich ausgeweitet. Die Zuversicht, dass aufgrund des fortschreitenden Impferfolgs im Reiseverkehr wieder ein Stück weit Normalität zurückkehrt, ist groß. Das gilt auch für die Verantwortlichen in der Schaltzentrale des Airports. „Wir sind bestens vorbereitet“, sagt Uwe Kotzan, der die Geschäftsführung der Baden-Airpark GmbH zu Jahresbeginn von Manfred Jung übernommen hatte.

Der Betrieb lasse sich aus dem jetzigen Stand-by-Modus schnell und problemlos hochfahren. Zumal der Flugbetrieb am FKB nicht komplett eingestellt ist. Zuletzt hat vor allem die Zahl der Frachtflüge deutlich zugenommen. Das Aufkommen an Luftfracht nahm im Jahr 2020 um 55,7 Prozent auf 1.915 Tonnen zu. Und auch die eine oder andere touristische Verbindung konnte – wenn auch auf Sparflamme – aufrecht erhalten werden.

Jetzt steigt vor allem der größte Anbieter am FKB, der Billigflieger Ryanair, mit einer Reihe von Strecken wieder stärker ein. Im Sommerflugplan stehen die Iren mit gleich 23 von insgesamt 36 Verbindungen, darunter auch einige neue wie Korfu, Zagreb oder Fès in Marokko. Zwei Maschinen bleiben am FKB fest installiert. Weitere Fluggesellschaften, etwa Wizz Air oder Corendon, planen wie Ryanair schon für den nächsten Winter ihre Flüge.Einer Initiative angeschlossen„Ich bin zuversichtlich, dass wir ein attraktives Angebot haben werden“, sagt Geschäftsführer Kotzan. Im aktuellen Sommerflugplan sind sechs Fluggesellschaften – neben den genannten noch Eurowings, Freebird und Pobeda – am FKB engagiert.

Seit 2004 hatte die Baden-Airpark GmbH durchgängig ein positives operatives Betriebsergebnis erzielt. Das war im Corona-Jahr 2020 nicht mehr der Fall. Kotzan beziffert gegenüber dem Badischen Tagblatt den Umsatzrückgang allein beim Flughafen auf rund fünf Millionen Euro. In der jetzigen Situation macht sich das gute Wirtschaften in der Vergangenheit bezahlt. „Wir sind nicht verschuldet“, sagt Kotzan. Das ist bei vielen anderen Flughäfen in Deutschland nicht der Fall. Gleichwohl musste auch in Rheinmünster in die Rücklagen gegriffen werden, um das Defizit zu decken.

Das Geld war eigentlich für Ersatzinvestitionen in den Flughafen und den Gewerbepark vorgesehen. Darauf will Kotzan zwar nicht verzichten, aber die Projekte müssen nun sehr gezielt ausgewählt werden. Unter anderem hat sich der Airport einer Initiative angeschlossen, wonach bis 2030 bundesweit alle Flughäfen CO2-neutral sein sollen. „Da sind wir im Plan, müssen aber noch einiges tun“, so der Geschäftsführer.

Weil Corona den Flugverkehr nach wie vor fest im Griff hat, musste die Airpark-Gesellschaft ihre Wirtschaftsplanung für das laufende Jahr anpassen. Unter anderem geht Kotzan jetzt nur noch von 450.000 statt der ursprünglich anvisierten 700.000 Fluggäste aus. Das wäre lediglich ein Drittel des Passagieraufkommens aus dem Rekordjahr 2019 mit knapp 1,35 Millionen Fluggästen, und etwas mehr als im vergangenen Jahr (401.000 Passagiere).

Und die weitere Entwicklung bleibt schwierig, die gesamte Luftfahrtbranche geht davon aus, dass sie erst 2025 wieder das Vor-Corona-Niveau von 2019 erreichen wird. Kotzan erwartet dies zwar auch für den FKB, ist aber optimistisch, weil sich der Luftverkehr im Tourismus wohl schneller erholen wird als der für Geschäftsreisen. Davon könne man profitieren.

Seit mehr als einem Jahr ist der Großteil des Luftverkehrs mit Passagierflügen nahezu eingestellt. Den Flughäfen fehlen Einnahmen, gleichzeitig entstehen Kosten für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur. Der badische Airport hatte im vergangenen Jahr während des Reise-Lockdowns von März bis Ende Juni eine Sondersituation, weil dort der Flugbetrieb aufgrund der faktisch geschlossenen Grenzen in einem gewissen Umfang, etwa für medizinische Flüge, Frachtflüge oder die Einreise von Erntehelfern, gewährleistet bleiben musste. Allein für diese von der Politik gewollte „Nicht-Schließung“ entstanden laut dem Geschäftsführer Kosten in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro. Jetzt hofft Kotzan, zumindest einen Teil davon erstattet zu bekommen.

Dafür zuständig wären eigentlich das Land Baden-Württemberg und die Airpark-Gesellschafter. Allerdings gibt es noch keine finale Zusage aller kommunalen Gesellschafter. Das Land ist über den Flughafen Stuttgart größter Gesellschafter des Airparks und möchte nicht zweimal (als Gesellschafter sowie als Zahler von Hilfsleistungen) herangezogen werden.Hauptsache die Hilfe kommt überhaupt Den Mitarbeitern des Flughafens ist es letztlich egal, woher die finanzielle Hilfe kommt – Hauptsache, sie kommt überhaupt. „Die vom Bundeswirtschaftsministerium avisierten Corona-Hilfen für in 2020 geschlossene Betriebe können wir nicht erhalten. Da die Politik im Frühjahr 2020 trotz weltweiter Reisewarnung die Offenhaltung der Flughäfen – aus gutem Grund – für erforderlich gehalten hat, waren wir leider nicht in der Lage, andere Corona-Hilfen zu erwirken“, betont Kotzan.