FKB kann auf Finanzspritze hoffen

Rheinmünster (fk) – Angesichts pandemiebedingter Einbrüche hoffen die Flughäfen im Südwesten auf finanzielle Hilfen vom Staat. Der FKB verzeichnet für 2020 ein gestiegenes Frachtaufkommen.

Da wurde noch geflogen: 2019 war das Passagieraufkommen am FKB um 70 Prozent höher als im Corona-Jahr 2020. Foto: Bernhard Margull

© Margull Bernhard

Da wurde noch geflogen: 2019 war das Passagieraufkommen am FKB um 70 Prozent höher als im Corona-Jahr 2020. Foto: Bernhard Margull

Gute Nachrichten für die deutschen Flughäfen: Mit großer Mehrheit haben die Länder einem Vorschlag des Bundes für Corona-Hilfen in Höhe von einer Milliarde Euro zugestimmt. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa)am Donnerstag aus Teilnehmerkreisen der Finanzministerkonferenz. Auch der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) wird wohl davon profitieren. Die Freude in Rheinmünster ist trotzdem zunächst verhalten.
„Natürlich freuen wir uns über die Zustimmung, aber um das konkret zu bewerten, müssen wir zunächst die Aufteilung abwarten“, sagte der Geschäftsführer der Baden-Airpark GmbH, Uwe Kotzan, am Donnerstag nach der Entscheidung. Für die Zeit von März bis Juni 2020 hatte der FKB schon vor Monaten Kosten von 500000 Euro ins Feld geführt, weil der Betrieb trotz weitreichender Reisebeschränkungen weiter laufen musste. Einige wenige Inlands-, so wie vor allem Fracht- und Sanitätsflüge waren in der Zeit trotzdem vom FKB gestartet. Für die möglichen Hilfszahlungen ist dieser Zeitraum besonders relevant, weil, so Kotzan gegenüber dem BT, durch die weltweite Reisewarnung fast keine Passagierflüge möglich waren. Ein Ausgleich dieser Kosten sei schon beantragt. „Wenn das kommt, ist uns schon ein ganzes Stück geholfen.“

70 Prozent weniger Fluggäste

Wie hoch die Verluste am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden für 2020 tatsächlich sind, wollte Kotzan vor Abschluss der Bilanz noch nicht beziffern. Die Zahl der Fluggäste war wie berichtet um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, bei der Fracht hatte es aber ein Plus von fast 56 Prozent gegeben, sagte Kotzan der dpa. Gegenüber dem BT präzisierte er diese Angaben: „Dieser enorme Anstieg bei den Frachtflügen hat auch mit einigen Sondereffekten zu tun.“ Zum einen habe der FKB für die Dauer der Startbahnsanierung in Stuttgart alle dortigen Frachtflüge der DHL übernommen, zum anderen sei gerade vonseiten der Automobilindustrie wegen Lieferengpässen – etwa nach England – deutlich mehr per Luftfracht verschickt worden.

Am FKB sind Kotzan zufolge drei Frachtmaschinen verschiedener Gesellschaften stationiert, eine vierte kommt im Tagesumlauf dazu. Dabei handle es sich um Turboprop-Flugzeuge, die vor allem für den schnellen Expressversand eingesetzt würden.

Der Stuttgarter Flughafen rechnet der dpa zufolge beim Jahresergebnis 2020 mit einem Verlust im höheren zweistelligen Millionenbereich. Der Jahresumsatz dürfte sich Schätzungen zufolge in etwa halbiert haben auf nur noch rund 150 Millionen Euro. Auch die Schulden stiegen im vergangenen Jahr massiv an. Genauere Zahlen gibt es noch nicht, die sollen in der Bilanz stehen, die für April erwartet wird.

Der Flughafen Friedrichshafen wollte demnach keine aktuellen Angaben machen. Der Geschäftsführer des Bodensee-Airport, Claus-Dieter Wehr, hatte Ende vergangenen Jahres ein Minus von mindestens 80 Prozent bei den Erlösen erwartet, die 2019 bei 9,5 Millionen Euro gelegen hatten.

Finanzierung zu gleichen Anteilen

Der Vorschlag für Finanzhilfen geht auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zurück und sieht eine Finanzierung von Bund und Ländern zu gleichen Anteilen vor. Schon geleistete Flughafenhilfen sollen dabei berücksichtigt werden. Im November hatten die Landesverkehrsminister dem Plan grundsätzlich zugestimmt.

Der Bund pochte, so die dpa, aber vor der Freigabe der Gelder dem Vernehmen nach auf Zusagen der Länder-Finanzminister zur Co-Finanzierung. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) muss nun den Anteil des Bundes von 500 Millionen Euro freigeben. Im aktuellen Bundeshaushalt sind diese Hilfen nämlich noch nicht eingeplant.


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