Fachstelle Sucht legt Jahresstatistik 2019 vor

Rastatt (naf) – Aus der Jahresstatistik der Fachstelle Sucht Rastatt/Baden-Baden geht hervor, dass die Anzahl der Klienten 2019 im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen ist.

51 Prozent der Klienten der Fachstelle sind laut Jahresbericht alkoholabhängig. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

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51 Prozent der Klienten der Fachstelle sind laut Jahresbericht alkoholabhängig. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

1.481 Personen wurden im vergangenen Jahr beraten (2018: 1.436), 1.166 davon länger betreut (2018: 1.436). Der Frauenanteil bei der längerfristigen Betreuung ist mit 31,3 Prozent „so hoch wie noch nie“, berichtet Wolfgang Langer, Leiter der Fachstelle Sucht. Erklären kann er sich das wegen des Angebots für Kinder suchtkranker Eltern wie auch wegen des Elternprogramms SHIFT. Frauen hätten sich besonders angesprochen gefühlt. Außerdem wurde die Fachstelle von mehr Angehörigen von Suchtkranken aufgesucht. Diese seien ebenfalls mehrheitlich weiblich. „Angehörige tendieren ohne Hilfe oft dazu, falsch zu reagieren“, sagt der Diplom-Psychologe. Die Fachstelle könne auch hier Aufklärung betreiben.

51 Prozent der Klienten sind laut Jahresbericht alkoholabhängig. Knapp 30 Prozent haben Probleme mit illegalen Drogen, davon vermehrt Jugendliche. „Immer Jüngere fangen an zu konsumieren“, sagt Langer. Dem versuche man, mit „zieloffenen Programmen“ entgegenzuwirken, die auf eine positive Beziehung statt reine Belehrungen setzen. „Wir wollen Anstöße geben, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen.“

„Die stille Sucht“

In der Aufteilung folgen die pathologischen Glücksspieler mit 4,4 Prozent, die in diesem Jahr erstmals getrennt von den „Mediensüchtigen“ (1,1 Prozent) ausgewertet wurden. Die süchtigen Raucher machen zwei Prozent aus, während Medikamentenabhängige weiterhin seit 2011 konstant bei einem Prozent liegen. Die „stille Sucht“, wie Langer sie nennt, sei für Außenstehende schwer zu erkennen. Meistens sind Frauen betroffen, nur sehr wenige gehen zur Beratung.

Für ein besseres Bewusstsein haben Präventionsangebote auch 2019 auf insgesamt 153 Veranstaltungen in Schulen, Betrieben und auf Festen „sensibilisiert“. Wie wichtig es ist, Menschen in ihrem Umfeld zu erreichen, wird im Bereich legaler Suchtmittel erkennbar. Hier kam es im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Anstieg bei den höheren Altersgruppen ab 51 Jahren. Laut Langer ein schlechtes Zeichen, denn „das bedeutet nicht, dass später mit dem Konsumieren angefangen wird. Die Menschen warten länger, bis sie sich Hilfe holen.“ Dabei wachsen die Erfolgschancen, je früher eine Sucht behandelt wird. Aus diesem Grund will Langer „mehr Leute früher erreichen“. Auch der Bereich Kinderschutz soll künftig weiter ausgebaut werden.

Pandemie hat „dramatische“ Auswirkungen

Doch viele Präventionsmaßnahmen sind aufgrund der Corona-Pandemie „im Augenblick nicht möglich“. Außerdem musste die Fachstelle ihre Beratungen in den vergangenen Monaten hauptsächlich telefonisch durchführen, was laut Langer nicht gut angenommen wurde. Die Auswirkungen der Pandemie seien jetzt schon „sehr dramatisch“. Viele Angehörige hätten sich hilfesuchend an die Fachstelle gewandt. Wegen der fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten wurde mehr konsumiert, die räumliche Enge führe auch zu häuslicher Gewalt. „Die psychischen Belastungen sind für Angehörige schwer auszuhalten gewesen“, so Langer.

Unterstützende Strukturen der Fachstelle sollen so gut wie möglich beibehalten werden. Darunter auch Gruppentreffen, die seit Mai wieder stattfinden und „wichtig für den überproportional hohen Anteil an Alleinstehenden sind“.

„Erschreckend, wenn auch nicht ganz so überraschend“, so Langer, ist die Schnelligkeit, mit der auch während der Pandemie neue Vertriebswege für illegale Drogen geschaffen wurden. Zu einer Verknappung des Angebots kam es nur zeitweise, verbunden mit erheblichen Preissteigerungen.

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Erstellt:
8. Juli 2020, 11:00 Uhr
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