Fahrer in Baden-Baden haben den toten Winkel im Blick

Baden-Baden (nof) – In Baden-Baden sind 30 Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten nachgerüstet worden. Damit soll für mehr Sicherheit für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer gesorgt werden.

Im Monitor (oben links) erkennt Jürgen Herr, dass sich jemand dem Bus nähert (rechtes Bild). Er weiß nun, dass er nicht rechts abbiegen kann. Foto: Nico Fricke

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Im Monitor (oben links) erkennt Jürgen Herr, dass sich jemand dem Bus nähert (rechtes Bild). Er weiß nun, dass er nicht rechts abbiegen kann. Foto: Nico Fricke

Welcher Autofahrer kennt sie nicht: Die Schrecksekunde, wenn man rechts abbiegen möchte, die Kreuzung frei wähnt – und plötzlich ein Radfahrer oder Fußgänger auf der Seite auftaucht, den man im Seitenspiegel nicht gesehen hat. Der „tote Winkel“ ist eine große Gefahrenquelle – die die Stadt Baden-Baden mit neuer Technik in ihren Fahrzeugen entschärfen will.

Aufmerksamen Busfahrgästen dürften sie schon aufgefallen sein. Die neuen kleinen Monitore, angebracht am Vordereinstieg manch eines Busses der Verkehrsbetriebe. „Sie geben dem Fahrer mehr Sicherheit“, erklärt Stadtwerke-Abteilungsleiter Jürgen Herr, zuständig auch für den Fuhrpark. Und mehr Sicherheit für den Fahrer bedeute auch größere Sicherheit für die Fahrgäste an den Haltestellen und sonstige Verkehrsteilnehmer, ergänzt Peter Riedinger, Technischer Betriebsleiter.

Monitore zeigen Seitenbereich an

Denn die Monitore zeigen dem Fahrer der großen Vehikel den Seitenbereich von Bus oder Lastwagen und sind wesentlicher Bestandteil der neuen Abbiegeassistenzsysteme, die nach und nach in Großfahrzeuge der städtischen Eigenbetriebe und der Stadtverwaltung eingebaut werden, erklärt Herr: „Die außen am Fahrzeug angebrachte Weitwinkelkamera erfasst sich bewegende Personen und Objekte.“ Befinden sich diese im Gefahrenbereich, werden sie auf dem Monitor rot umrandet. „Setzt der Fahrer nun noch den Blinker zum Abbiegen nach rechts, gibt es zusätzlich noch einen Warnton“, demonstriert Herr. Der Fahrer ist gewarnt. Leuchtet die Umrandung hingegen grün, ist alles in Ordnung.

Im Monitor (oben links) erkennt Jürgen Herr, dass sich jemand dem Bus nähert (rechtes Bild). Er weiß nun, dass er nicht rechts abbiegen kann. Foto: Nico Fricke

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Im Monitor (oben links) erkennt Jürgen Herr, dass sich jemand dem Bus nähert (rechtes Bild). Er weiß nun, dass er nicht rechts abbiegen kann. Foto: Nico Fricke

„Man muss sich an das neue Hilfsmittel gewöhnen“, sagt Fahrdienstleiter Patric Lainé. „Aber das geht schnell, und dann möchte man gar nicht mehr ohne fahren.“ Die Rückmeldungen des Fahrpersonals seien jedenfalls durchweg positiv. „Wir hatten zum Glück noch keinen schweren Unfall aus dem Bereich toter Winkel. Doch wir haben schon Schlimmes über solche Unfälle gelesen“, so Lainé. Die Anschaffung der Assistenzsysteme sei somit der richtige Schritt. Zumal es in Baden-Baden einige gefährliche Stellen gebe, an denen das Assistenzsystem den Fahrerinnen und Fahrern helfen könne: „Zum Beispiel an der Abbiegung zum Zubringer an der Wörthstraße. Da kommen Fahrradfahrer und neuerdings immer häufiger E-Scooter von hinten, oder auch schnelle E-Bikes“, weiß Lainé. „Da gibt einem solch ein System schon ein besseres Gefühl, wenn man rechts abbiegt.“

Zum Schutz der Verkehrsteilnehmer

Den Schutz anderer Verkehrsteilnehmer und eine Entlastung der Fahrer heben auch Herr und Riedinger als Beweggründe für die Anschaffung der Geräte hervor: Gute Erfahrungen haben sie mit den im Frühjahr in Dienst gestellten MAN-Bussen gemacht, die bereits mit diesem Abbiegeassistenten bestellt wurden. Nun werden zunächst 30 weitere schwere Fahrzeuge nachgerüstet: Busse, Lkw, aber auch Spezialfahrzeuge wie Müllautos oder Kehrmaschine. „Da war es etwas kniffliger, weil das Lenkrad ja rechts sitzt“, merkt Riedinger an. Diese 30 Systeme werden aus einem Fördertopf des Bundesamts für Güterverkehr mit jeweils 80 Prozent der Kosten bezuschusst. 64 500 Euro wurden investiert, 20 000 Euro mussten aus der eigenen Tasche beigesteuert werden. „Der Einbau gehen nun langsam auf sein Ende zu“, sagt Herr.

Toter Winkel bei Bus noch größer

Die Nachrüstung sei manches Mal etwas knifflig gewesen, weil ganz unterschiedliche Fahrzeuge mit den Assistenzsystemen, die übrigens nicht aktiv in den Fahrbetrieb eingreifen, ausgestattet werden mussten. Gesetzlich vorgeschrieben sind die Systeme noch nicht, das soll aber 2022 bei neuer Typzulassung und ab 2024 bei Neuzulassung in Lkw und Bussen ab 3,5 Tonnen gelten, erläutert Riedinger: „Wer den toten Winkel vom eigenen Auto her kennt, muss wissen: Bei Bussen ist der noch viel größer.“ Und manchmal sei der auch daran Schuld, dass Busfahrer noch eilig herannahende Fahrgäste nicht sehen – und dann losfahren. Auch diese würden nun vom System erkannt, so die Experten.

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Erstellt:
5. Januar 2021, 08:18 Uhr
Lesedauer:
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