Falscher Polizist gerät an zwei echte

Rastatt (up) – Ein kurioser Fall beschäftigte das Amtsgericht Rastatt: Ein 52.Jähriger, der sich im Straßenverkehr genötigt fühlte, gab sich gegenüber zwei echten Polizsiten als Polizeibeamter aus.

Zu einer Geldstrafe wegen Amtsanmaßung und Missbrauchs von Berufsbezeichnungen wurde ein 52-Jähriger vom Amtsgericht Rastatt verurteilt. Foto: Uli Deck/dpa

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Zu einer Geldstrafe wegen Amtsanmaßung und Missbrauchs von Berufsbezeichnungen wurde ein 52-Jähriger vom Amtsgericht Rastatt verurteilt. Foto: Uli Deck/dpa

Ein 52-Jahre alter Mann fühlte sich im Straßenverkehr provoziert und behauptete gegenüber einem Autofahrer, er sei Polizist. Sein Pech: Der Autofahrer war im Gegensatz zu ihm tatsächlich Polizeibeamter. Deshalb hat das Amtsgericht Rastatt den Berufskraftfahrer jetzt wegen Missbrauchs von Berufsbezeichnungen, Amtsanmaßung und Nötigung zu einer Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt (2.250 Euro).
Gegenüber der Staatsanwältin und Richter Christoph Schaust hatte der Beschuldigte die Vorwürfe zuvor eingeräumt. Demnach war er am Abend des 15. Juni mit seinem Mercedes Vito auf der Badener Straße unterwegs in Richtung Stadtmitte. An der Ampel bei der Agip-Tankstelle im Münchfeld musste er anhalten, hinter ihm reihte sich ein dunkler BMW in die Schlange vor der Ampel ein. Nach seiner Wahrnehmung fuhr der jedoch zu dicht auf: „Er klebte mir zu nahe an der Stoßstange“, hatte er in seiner Aussage bei der Polizei angegeben. Deshalb fuhr er bei der nächsten Grünphase nur langsam an und lenkte sein Fahrzeug gleichzeitig nach rechts auf den Seitenstreifen.

Dem BMW-Fahrer gab er dann zwar ein Zeichen, er solle vorbeifahren, beschleunigte dann aber seinen Wagen. Der Überholende konnte ihn offenbar nur noch mit Mühe passieren. Doch damit ließ es der Angeklagte nicht bewenden und setzte seinen Konfrontationskurs fort. An der Kreuzung Ottersdorfer Straße/Leopoldring fuhr er links neben den BMW, öffnete die Beifahrerscheibe und sagte zu dem Fahrer: „Ich bin von der Kriminalpolizei und mache jetzt eine Kontrolle bei Dir“. Dann jedoch die unangenehme Überraschung – in dem Fahrzeug saßen in zivil zwei echte Polizeibeamte. Sie waren auf dem Weg zu ihrer Dienststelle in der Engelstraße, um ihre Nachtschicht anzutreten.

„Es tut mir wirklich leid“, erklärte der Angeklagte vor Gericht und sein Rechtsanwalt Markus Merklinger ergänzte: „Er hat sich genötigt gefühlt und war auf 190“. Der Anwalt führte weiter aus, ein im Raum stehendes Fahrverbot für seinen Mandanten sei für diesen existenzbedrohend. Der 52-Jährige arbeite als Berufskraftfahrer und transportiere Gefahrgut, offenbar auch Benzin für Tankstellen. Unter anderem finanziert er mit seiner Ehefrau das Studium der gemeinsamen Tochter.

In der Strafzumessung hatte für den Angeklagten gesprochen, dass er keine Vorstrafen hat und auch sonst nicht polizeilich in Erscheinung getreten ist. Richter Christoph Schaust erwähnte, dass der Angeklagte in seiner jahrzehntelangen, beruflichen Tätigkeit offensichtlich immer vorbildlich Auto gefahren ist. In seiner Strafzumessung folgte er den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

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Erstellt:
16. November 2021, 07:00 Uhr
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