Familienleben mit Umweltschutz

Rastatt (nora) – Das Klimabündnis Rastatt hat die Familie Enderle zur Klimaheldenfamilie des Alltags gekürt. Sie zeigen, dass es viele kleine Dinge sind, die man für die Umwelt bewegen kann.

Stolz präsentiert Familie Enderle ihre klimafreundliche Pelletheizung im Keller. Foto: Nora Pallek

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Stolz präsentiert Familie Enderle ihre klimafreundliche Pelletheizung im Keller. Foto: Nora Pallek

Manchmal ist es die Summe vieler kleiner Dinge, die Erfolg im Klimaschutz bringen. So wie bei Familie Enderle aus Ottersdorf. Vater Markus, Mutter Silke und die 14 und acht Jahre alten Söhne Samuel und Noah tun eine Menge, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Das Klimabündnis Rastatt hat sie daher zur ersten „Klimaheldenfamilie des Alltags“ gekürt.

„Wir sind doch keine Klimahelden“, wehrte sich die Familie zunächst gegen den Titel. „Wir essen Fleisch, fahren Auto und das Fliegen können wir uns auch nicht verkneifen.“ Doch das Klimabündnis hielt an seiner Wahl fest. „Es gibt immer Dinge, die man noch besser machen kann. Aber bei den Enderles schwingt der Umweltgedanke in allen Lebensbereichen mit“, begründet Erwin Groß, Sprecher des Klimabündnisses Rastatt, die Entscheidung.

Da ist zum Beispiel ihr Haus in der Friedrichstraße, das sie sich mit den Großeltern teilen. Bei einem Umbau 1999 haben sie es klimafit gemacht. So musste die fossile Ölheizung einer nachhaltigen Pelletheizung weichen. Die Fenster inklusive Rollladenkästen wurden erneuert und viele weitere Bauteile gedämmt. Auch das Dach erhielt eine neue Hülle. Die Enderles entschieden sich dabei für den Naturbaustoff Hanf in Kombination mit Holzfaserdämmplatten. Obendrauf kam eine Solarthermie-Anlage, die bei der Warmwassergewinnung unterstützt. „Jetzt zahlen wir nur noch rund 1.300 Euro Heizkosten pro Jahr für sechs Personen“, zeigt sich Markus Enderle sehr zufrieden.

Pflanzungen auf eigenem Acker

Das Thema Energie ist dem 52-Jährigen besonders wichtig, denn beruflich arbeitet er als Klimamanager im Klinikum Mittelbaden. So nutzt die Familie seit vielen Jahren Ökostrom – von Greenpeace Energy. „Das ist einer von wenigen Anbietern in Deutschland, der seine Erlöse tatsächlich in neue saubere Kraftwerke investiert“, erläutert der Energiefachmann. Konventionelle Stromversorger rechneten ihre Umweltbilanzen schön, indem sie unter anderem Zertifikate kauften, etwa von Wasserkraftwerken, die längst am Netz seien. „Dadurch entsteht keine einzige zusätzliche Kilowattstunde grüner Strom“, kritisiert er.

Selbst beim Fleischessen, dem Autofahren und dem Fliegen stellt sich das Verhalten der Familie als gar nicht so klimaschädlich heraus, wie es sich zuerst angehört hat. „Wir haben unseren Wurstverbrauch gegenüber früher um 70 Prozent reduziert“, erklärt Mutter Silke. Jetzt kämen überwiegend fleischlose Ersatzprodukte auf den Teller. „Die vegetarischen Würstchen schmecken viel besser als die normalen“, schwärmt Noah. Das findet auch der große Bruder Samuel, der für die Familie sogar schon ein veganes Essen gekocht hat. „Es hat allen geschmeckt“, lobt die Mutter. Wenn es dann doch mal ein Steak sein soll, dann komme das Rindfleisch vom Bauern aus Ottersdorf.

Auch bei den Getränken wird auf Klimaschutz geachtet. „Wir trinken hauptsächlich selbst gemachten Eistee und Leitungswasser“, erzählt Samuel und streckt dem Papa gleich das Glas hin. Das wenige Mineralwasser, das noch konsumiert wird, kaufen die Enderles in Mehrwegglasflaschen. Und die Kisten werden mit dem Fahrradanhänger im Dorfladen geholt.

Stolz berichtet die Familie auch von ihrem Acker, auf dem sie in den letzten acht Jahren sechs Bäume gepflanzt hat. Der Quittenbaum liefert schon so viele Früchte, dass Samuel davon Quittengelee kocht. Und dann ist da noch der Garten mit seinen bienenfreundlichen Pflanzen und den Nistkästen für viele Tiere. Demnächst wird eine Heimstatt für Mauersegler installiert – in 3,5 Metern Höhe. Dafür muss eigens ein Hubwagen gemietet werden.

Auch bei der Mobilität legen die Enderles Klimabewusstsein an den Tag. Nur Mutter Silke kann auf das Auto nicht verzichten, da sie in Baden-Baden arbeitet. Doch dafür strampeln Markus und Samuel jeden Tag mit dem Rad bei Wind und Wetter nach Rastatt. Zwar fliegt die Familie gerne mal in Urlaub, aber auch nicht jedes Jahr. Allein Markus Enderle nutzt das Flugzeug regelmäßig. Aber nicht zum Spaß, sondern weil er für den Verein „Hoffnung für Kasachstan“ Hilfsprojekte organisiert. Und ganz nebenbei erwähnt er: „Wir kompensieren alle unsere Flugkilometer bei atmosfair.“

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Erstellt:
19. Juni 2021, 09:40 Uhr
Lesedauer:
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