Familientag auf dem Kaltenbronn

Gernsbach (ueb) – Wissen, wie der Hase läuft: Das können Familien von sich behaupten, die beim Familientag auf dem Kaltenbronn dabei waren.

Beim Familientag auf dem Kaltenbronn können die Besucher selbst aktiv werden und dabei viel über die „Wunder des Waldes“ erfahren. Foto: Dagmar Uebel

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Beim Familientag auf dem Kaltenbronn können die Besucher selbst aktiv werden und dabei viel über die „Wunder des Waldes“ erfahren. Foto: Dagmar Uebel

Die interaktive Ausstellung „Wild und Jagd – Grenzgänger zwischen Kultur und Natur“ ist im Infozentrum auf dem Kaltenbronn schon seit Wochen ein Besuchermagnet. Sie erzählt eine ganze Menge darüber, wie Jagd gerechtfertigt wird, welche Rolle die Jagd für die Forst- und Landwirtschaft und den Naturschutz spielt. Und auch, wie sie zum Vergnügen und als Zeichen der Macht für Adlige, Kurfürsten, Kaiser, Diktatoren, gewählte Staatschefs des 20. Jahrhunderts wurde.

Und sie wird auch heute noch von Größen aus den Medien, Wirtschaft und Sport gern praktiziert. Erwachsene Besucher erfahren auf zahlreichen Tafeln, Bildern und beim Betrachten von Ausstellungsstücken Interessantes über die Geschichte der Jagd und Besonderheiten, die heute nur noch schwer nachvollziehbar sind. Die Ausstellung bietet Besuchern Gelegenheit, ihre Einstellungen zur Jagd überprüfen, über Sinn und Unsinnigkeit von Trophäenjagd und Wildtierpflege sinnieren und Tipps für Wildgerichte erhalten.

Soweit, so gut. Noch besser aber war die Idee der Macher, während eines Familiensonntags Kinder, die die textintensiven Tafeln meiden, dennoch für Wald und Wild zu interessieren. Zwar musste die angekündigte Familienwanderung „Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch“ ausfallen, doch für erlebnisreiche Minuten und Stunden sorgten Anna Finke und Elischa Mannal. Die beiden Jugendlichen, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr auf dem Kaltenbronn absolvieren, hatten auf alle diesbezüglich gestellten Fragen Antworten und standen bei Vorführungen und Aktionen hilfreich zur Seite.

Hufabdrücke und Tierpfoten produzieren

Dabei war das, was in Ausstellungen meist nicht gerne gesehen ist, am Sonntag ausdrücklich erwünscht: Anfassen, um Verständnis für die Exponate zu haben. Tierpfoten und Hufabdrücke im Sand zu produzieren war genauso interessant wie am großen Basteltisch in kniffliger Handarbeit sich einen papiernen Kopfschmuck mit Geweihkrone zu basteln. Ging es dabei noch etwas lauter zu, herrschte gleich nebenan andächtige Stille. An einem kleinen Pult war zu hören, wie ein Auerhahn in der Balz ruft, ein Reh in Angstsituationen klingt oder zornige Wildschweinbachen sich tierisch miteinander verständigen. Und wer weiß schon, wie das Bellen eines Fuchses klingt?

In einer Filmvorführung „Wunder des Waldes“ staunten sowohl Kinder als auch Erwachsene über die Vielfalt von Flora und Fauna in heimischen Wäldern. Unterstützt durch Eltern griffen die Kinder am Bastelstand beherzt zu Säge und Schleifpapier. Dort fiel zunächst die Wahl schwer zwischen Katzen-, Hund, Auerhahnmotiven, zwischen Baum- und Autoformen aus gefrästen Profilleisten. Bei der für ungeübte Kinderhände nicht leichten Sägearbeit im Freien leisteten Papas, Mamas, ältere Geschwister, Omas und Opas tatkräftige Unterstützung. Letztendlich gelang alles gut – und auch die Jüngsten konnten rundgeformte Motivformen als Andenken mit nach Hause nehmen.

Fortbildung: „Heritage Interpretation“

Auf ganz Pfiffige und solche, die es noch werden wollen, warteten sechs Quizfragen. Gefragt wurde nach Tieren, die gejagt werden dürfen, und welche in der Ausstellung zu sehen waren. Etwas länger dauerte das Nachdenken bei der Frage, wie in der Jägersprache das Blut vom Wild und die Ohren des Wildschweins genannt werden. Noch einmal nachschauen konnten die Kinder, wozu Apportierhunde bei er Jagd gebraucht werden. Auch wenn meistens Erwachsene oder ältere Geschwister bei den Quizfragen über die Schulter schauten, fiel die Beantwortung auch diesen manchmal gar nicht so leicht. Wer dann noch einen Trittsiegel eines Wildschweins aufmalen konnte, durfte sich einen Stempel bei Anna und Elischa abholen.

Die Sonderausstellung im Infozentrum Kaltenbronn „Wild & Jagd – Grenzgänger zwischen Natur und Kultur“ ist noch bis zum 7. November 2021 während der aktuellen Öffnungszeiten (Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr) zu sehen.

Landschaftsinterpretation – ein bewährter Ansatz zur wirkungsvollen Landschafts- und Naturvermittlung. Am Samstag, 31. Juli, ab 10 Uhr findet auf dem Kaltenbronn die Fortbildung „Heritage Interpretation“ statt. Mit Dr. Andreas Megerle gilt es zu lernen, wie man Landschaften vermittelt. Denn die Vermittlung unseres Erbes, egal ob materieller oder immaterieller Art, gewinnt auch bei uns immer mehr an Bedeutung, heißt es in der Ankündigung des Infozentrums. In einem kurzen, praxisorientierten Theorieteil lernen die Teilnehmenden Hilfsmittel wie „Karteikartenskripte“ kennen und werden die Bedeutung von Requisiten erfahren. Danach geht es in die Praxis. Durch Vermittlungsübungen und Kurzinterpretationen kann sich jeder ausprobieren. Dabei werde man sich ausreichend Zeit für Rückmeldungen nehmen. Treffpunkt ist das Infozentrum Kaltenbronn. Die Fortbildung dauert acht Stunden und eignet sich für Naturführer, Guides, Ranger, Wald- und Umweltpädagogen. Es wird eine Gebühr von 80 Euro erhoben. Die Veranstaltung wird unter der derzeit aktuellen Corona-Verordnung durchgeführt. Anmeldung: (0 72 24) 65 51 97, E-Mail info@infozentrum-kaltenbronn.de.

„Alarmstufe Grün“

Das Infozentrum auf dem Kaltenbronn kündigt für die Ferien wieder spannende Programme nur für Kinder und für die ganze Familie an.

Los geht es mit dem „Flederlauschabend“ in Reichental am Samstag, 31. Juli, um 19 Uhr. Biologin Manuela Riedling führt mit dem Fledermausdetektor durch das Reichenbachtal. Dort leben mehr als die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Fledermausarten. Welche werden wohl entdeckt?

Am Mittwoch, 3. August, um 11 Uhr geht es mit Naturpädagogin Renate Fischer „Dem Wolf auf die Spur…“ Wer kann sich vorstellen, wo und wie Wölfe leben bei uns im Schwarzwald? Und was bedeutet das für uns Menschen? An diesem Tag werden sich die Teilnehmenden auf verschiedene Arten dem Thema Wolf nähern: wissenschaftlich, spielerisch, kreativ ... Mit all diesen neu erworbenen Fähigkeiten und den geschärften Sinnen schleichen die Teilnehmenden lautlos durch den Wald.

Um die Frage „Warum die Erde immer wärmer wird“ dreht sich alles am Donnerstag, 5. August, um 11 Uhr mit Renate Fischer. Viele Menschen sprechen dauernd vom Klimawandel und Erderwärmung. Aber was steckt dahinter? Wäre es nicht schön, wenn immer die Sonne scheinen würde und das Wetter wie im Urlaub wäre? Am Sonntag, 8. August, um 14 Uhr kann die ganze Familie eintauchen bei „Moore, Mythen, Märchen“. Die schaurig schöne und geheimnisumwobene Landschaft des Moores rund um den Hohlohsee ist die Kulisse für diesen etwa dreistündigen Familienspaziergang auf barrierefreien Wegen mit Schwarzwald-Guide Petra Jung.

Lebensraum Hochmoor wird kindgerecht und spielerisch vorgestellt

Ins „Moorabenteuer“ stürzen kann man sich dann am Donnerstag, 26. August, um 14.30 Uhr mit Waldpädagogin Kristina Schreier. Der faszinierende und seltene Lebensraum Hochmoor wird kindgerecht und spielerisch vorgestellt. Was ist Torf und wie tief müsste man graben um auf Gestein zu kommen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen gilt es auch beim Abschlussquiz zu wissen. So kann man sich noch eine echte Moormedaille verdienen.

In der letzten Ferienwoche wird es noch mal richtig wild bei der „Wildniswoche“. Fünf Tage heißt es eintauchen in die wilde Natur am Kaltenbronn. Der richtige Umgang mit Bogen, Schnitzmesser und Kochlöffel will gelernt sein, wenn man im Wald überleben will, heißt es in der Ankündigung. Diese Kinder-Ferienwoche ist nur komplett buchbar. Am letzten Ferientag, Sonntag, 12. September, wird noch mal gespielt! Das Planspiel „Alarmstufe Grün“ ist ein interaktives und informatives Wald- und Klima-Planspiel der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Die Menschen aus 2050 haben eine Botschaft aus der Zukunft geschickt. Sie haben mit massiven Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Es gilt zu helfen! „Ein Spiel für die ganze Familie“, wird vom Infozentrum angekündigt.

Weitere Informationen zu Teilnahmebedingungen, Kosten, Treffpunkt und Anmeldung finden Interessierte unter (0 72 24) 65 51 97 auf der Internetseite:

Das Infozentrum auf dem Kaltenbronn bietet für Daheimgebliebene in den Ferien viel Abwechselung in der freien Natur. Foto: Infozentrum Kaltenbronn

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Das Infozentrum auf dem Kaltenbronn bietet für Daheimgebliebene in den Ferien viel Abwechselung in der freien Natur. Foto: Infozentrum Kaltenbronn


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