Farbanschläge auf Haus eines Polizisten

Gernsbach (stj) – Ein mehrfach vorbestrafter Gernsbacher muss erneut ins Gefängnis – diesmal wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Sachbeschädigung.

Aufgrund der Indizienlage wird ein 32-jähriger Gernsbacher zu sechs Monaten Haftstrafe verurteilt. Foto: Peter Steffen/dpa

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Aufgrund der Indizienlage wird ein 32-jähriger Gernsbacher zu sechs Monaten Haftstrafe verurteilt. Foto: Peter Steffen/dpa

Ein „alter Bekannter“ musste diese Woche auf der Anklagebank des Amtsgerichts Gernsbach Platz nehmen. Dort hatte er sich wegen Sachbeschädigung und unerlaubten Waffenbesitzes zu verantworten. Letzteres räumte der 32-Jährige, der schon vielfach in Konflikt mit der Polizei geraten war, ein.

Die Sachbeschädigung, bei der es sich um einen Farbanschlag auf das Privathaus eines inzwischen pensionierten Polizeibeamten handelte, stritt er jedoch bis zuletzt ab. Die Indizien reichten Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch aber aus, um den Gernsbacher erneut ins Gefängnis zu schicken: Sechs Monate ohne Bewährung lautete Kochs Urteil nach der knapp vierstündigen Verhandlung, deren Kosten der Verurteilte ebenfalls tragen muss. Während der unter Bewährung stehende 32-Jährige die Schuld für die bei ihm im Rahmen einer Durchsuchung im Mai vergangenen Jahres aufgefundene Schreckschusspistole und Patronen-Munition unumwunden auf sich nahm, wehrte er sich vehement gegen den Vorwurf, das Anwesen des ehemaligen Polizisten am 21. November 2018 gegen 22.30 Uhr mit einer roten Farbbombe beschmutzt zu haben. „Das war er nicht“, betonte seine Verteidigern Katrin Behringer und ergänzte angesichts des möglichen Motivs ihres Mandanten: „Es kann andere geben, die auf den Polizisten einen Brass haben.“

Der Geschädigte war bis 2006 beim Polizeiposten Gernsbach als Jugendsachverständiger im Einsatz – in der Hochzeit der kriminellen Karriere des Mannes auf der Anklagebank war er für ihn zuständig gewesen. Der inzwischen im Ruhestand befindliche Polizist zeigte sich im Zeugenstand davon überzeugt, dass es der Angeklagte war, der damals sein Haus mit roter Lackfarbe malträtierte – Sachschaden rund 3 000 Euro.

Sprachnachrichten belasten Angeklagten

Viel schlimmer seien aber die psychischen Folgen, die die Familie, insbesondere die Ehefrau, seither durchmache. Zumal es sich nicht um den einzigen Vorfall dieser Art handelte: Bereits 2006 gab es einen Farbanschlag auf sein Haus, und vom 19. auf den 20. Juni dieses Jahres flogen abermals Farbbeutel. Bei der Tat vor 14 Jahren gehörte der Angeklagte allerdings nicht zu den Verdächtigen, für den Vorfall vor vier Monaten hat er ein Alibi. Beides wertete die Verteidigung als Indiz für die Unschuld ihres Mandanten.

Dieser widersprachen die Aussagen des Hauptbelastungszeugen. Der 33 Jahre alte Gernsbacher, der früher mit dem Angeklagten befreundet war, hatte WhattsApp-Sprachnachrichten von ihm gespeichert, in denen er auf Anfrage dezidiert erklärte, wie man solche Farbbomben baut, wie sie beim Anschlag auf den Ex-Polizisten verwendet worden waren. Darin sprach er den Angeklagten sogar direkt auf die Tat von 2018 an, ohne dass es daraufhin Widerspruch gegeben hätte. Der Angeklagte erzählte darin auch, die erforderlichen Tüten für die Farbbomben noch daheim zu haben. Zudem betonte der Zeuge, sein früherer Kumpel habe ihm gegenüber die Tat eingeräumt. Als die Freundschaft wegen des Verdachts, der Angeklagte habe sein Auto zerkratzt, in die Brüche ging, sei der Zeuge schließlich zur Polizei gegangen und habe die Sprachnachrichten als Beweise vorgelegt.

Verteidigerin: Einige Zweifel an Täterschaft

Die Staatsanwaltschaft sah die Tatvorwürfe vollumfänglich bestätigt und nannte als Motiv „Rachegefühle“. Zudem sei bei dem 32-Jährigen nach wie vor eine „massive Missachtung der Arbeit der Polizei“ auszumachen und eine positive Sozialprognose könne man angesichts der erneuten Verletzung der Bewährungsauflagen auch nicht geben. Sie forderte sieben Monate Haft ohne Bewährung. Die Verteidigerin hingegen plädierte beim Vorwurf der Sachbeschädigung auf Freispruch, weil es doch einige Zweifel an der Täterschaft ihres Mandanten gebe: „In dubio pro reo.“ Die einzigen objektiven Beweise bestünden in den Angaben des Belastungszeugen – und der sei alles andere als überzeugend. Die Sprachnachrichten haben laut Behringer keinen Anspruch auf Vollständigkeit und könnten fingiert sein, weshalb man den Umstand, ihr Mandant habe darin die Tat nicht von sich gewiesen, nicht als Eingeständnis werten könne. Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch hingegen sah keinen Anlass, warum der Belastungszeuge vor Gericht lügen sollte. Seiner Meinung nach offenbarten die Sprachnachrichten Täterwissen: „Die Rahmenbedingungen passen zusammen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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