„Fast immer siegt die Einsicht“

Gernsbach (ueb) – In den beiden Gernsbach-Standorten von Mediclin gab es bisher nicht einen Patienten, der positiv auf Corona getestet wurde. Trotzdem hinterlässt das Virus natürlich seine Spuren im Klinik-Alltag.

Georg Pawlik. Foto: Kaminski

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Georg Pawlik. Foto: Kaminski

Die Eingangstüren öffnen sich nicht von selbst. Stattdessen wird der Davorstehende gebeten, die Klingel zu nutzen oder eine Telefonnummer zu wählen, sich per Wechselsprechanlage anzumelden und etwas abseits abzuwarten, ob sich die Türen der beiden Gernsbacher Mediclin-Standorte öffnen oder noch verschlossen bleiben.

Bei weitem sind nicht alle Patienten hochbetagt, doch alle sind gesundheitlich angeschlagen. Sie brauchen nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder Hüftgelenkoperation Zeit und medizinische Unterstützung, um wieder ihr tägliches Leben bewältigen zu können. Daran ändert auch die Corona-Pandemie nichts. Doch es wäre unnormal, wenn das Virus nicht auch Auswirkungen auf den Klinikbetrieb hätte.

„Die Corona-Maßnahmen führen auch bei uns dazu, dass wir in manchen Bereichen freie Kapazitäten haben“, sagt Dr. med. Georg Pawlik, Oberarzt der Fachklinik für Neurologie. Als einen Grund dafür sieht er die Tatsache, dass manche nicht akute selektiven Eingriffe aufgeschoben werden und demzufolge auch noch keine Reha folgt. Gefährlicher sei die Feststellung, dass einige Patienten trotz deutlicher Beschwerden zu lange mit Arztbesuchen warten. Andererseits ändere sich an den Fallzahlen, besonders in der Neurologie, kaum etwas.

Wenn in Gernsbach auch die medizinisch notwendigen Reha-Maßnahmen ohne Abstriche erfolgten, seien manche Zusatzleistungen wie körpernahe Massagen oder die Nutzung des Bewegungsbads derzeit gar nicht oder nur eingeschränkt möglich. Oberste Priorität habe nun einmal die Einhaltung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands und die geltenden Hygienevorschriften. Einige Besonderheiten – wie etwa die regelmäßigen Konzerte, Dia-Vorträge, Vorlesungen oder der Transfer nach Gernsbach – liegen derzeit auf Eis. „Das Klinikpersonal trifft sich“, wie Dr. Pawlik betont, „zu regelmäßigen Besprechungen, um gemäß aktuellem Stand möglicher Lockerungen alle Zusatzleistungen bald wieder in vollem Umfang anbieten zu können“.

„Manchmal herrscht Verwirrung“

Dass dafür organisatorische Fragen und Mehraufwand im Vordergrund stehen, lässt sich leicht einsehen. „Wir müssen sicherstellen, dass sich keine Schlangen oder Grüppchen an den Fahrstühlen, im Speisesaal oder in der Cafeteria bilden“, betont der Oberarzt. „Was Besuche von außen durch Freunde und Familienangehörige angeht, herrscht manchmal Verwirrung, aber fast immer siegt die Einsicht.“ Für Patienten, die nur einige Wochen in der Klinik behandelt werden, ein kleineres Problem als für jene, die Monate in den Einrichtungen verbringen. Das koste neben Verständnis manchmal einiges an Überzeugungsarbeit.

Andererseits habe die Atmosphäre zwischen den Patienten und der Umgang mit dem Klinikpersonal nicht gelitten. Obwohl alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflicht seien, trügen auch viele Patienten diesen Gesichtsschutz. Sie achteten auf Handdesinfektion und die genaueste Einhaltung des Abstands untereinander.

„Was nicht bedeutet“, so Pawlik, „dass sich die Patienten nicht auch vor dem Haus, in der Cafeteria zum Plaudern oder zu Vortragsbesuchen mit medizinisch relevanten Themen treffen können.“ Dass dafür die Stuhl- und Tischabstände größer gestaltet werden mussten, ist nachvollziehbar. „Was darüber hinaus nicht ganz unwichtig ist“, so Dr. Pawlik, „ist die Möglichkeit, per Telefon und WLAN Verbindung nach draußen halten zu können“. Außerdem bestehe die Möglichkeit, sich vertrauensvoll an die Ehrenamtlichen zu wenden und im Bedarfsfall auch seelsorgerische Angebote zu nutzen.

Pawlik ist sich sicher, dass alle Mitarbeiter beider Gernsbacher Reha-Kliniken, die im Langen Weg und die in der Casimir-Katz-Straße, alles „nach bestem Wissen und Gewissen“ taten und tun. „Immerhin“, so betont der Oberarzt der Fachklinik für Neurologie, „hatten und haben wir nicht einen Patienten, der positiv auf Corona getestet wurde“.

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Erstellt:
22. Mai 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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