Fastenzeit in Bühl

Bühl (BT) – Seit Aschermittwoch läuft die traditionelle Fastenzeit. Das Badische Tagblatt hat sich in der Zwetschgenstadt umgehört, ob und worauf die Bühler dieses Jahr verzichten.

Simone Stübner und Thomas Hauck genießen die Sonne an der Bühlot. Foto: Natalie Dresler

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Simone Stübner und Thomas Hauck genießen die Sonne an der Bühlot. Foto: Natalie Dresler

Der Samstagsmarkt am Kirchplatz ist während des anhaltenden Lockdowns für viele aus Bühl und Umgebung das Highlight der Woche. Pures „Bühlgefühl“ bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen – und die Frage, ob denn dieses Jahr eigentlich gefastet wird.

Seit Aschermittwoch läuft die traditionelle vierzigtägige Fastenzeit. Auf Vieles muss aufgrund der Pandemie allerdings schon sehr viel länger verzichtet werden. Vorschriften und Verbote dominieren seit gut einem Jahr den Alltag. Möchten die Bühler da überhaupt noch freiwillig auf weitere Dinge verzichten?

Christoph Welle fastet zwei Mal im Jahr. Foto: Natalie Dresler

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Christoph Welle fastet zwei Mal im Jahr. Foto: Natalie Dresler

Christoph Welle aus Bühlertal fastet zwar aktuell nicht, plant sich aber zweimal im Jahr Phasen des Heilfastens ein. „Ich mache das für meine Gesundheit und es fühlt sich richtig gut an. Das habe ich auch schon vor der Pandemie für mich entdeckt, von daher ist sie für mich nicht ausschlaggebend“, sagt der Bühlertäler.

Tatjana Fauth verzichtet aktuell automatisch auf Vieles. Foto: Natalie Dresler

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Tatjana Fauth verzichtet aktuell automatisch auf Vieles. Foto: Natalie Dresler

Auch die Vimbucherin Tatjana Fauth macht gerne immer mal wieder Saftkuren – unabhängig von der offiziellen Fastenzeit. „Eigentlich verzichtet man in Corona-Zeiten ja schon automatisch. Man geht in keine Bars oder Restaurants, niemand bringt Kuchen ins Homeoffice, wie es im normalen Büroalltag der Fall wäre. Man fastet also unbewusst auf irgendeine Art und Weise mit“, erklärt sie heiter im Marktgetummel.

Niklas Bruder und Angelika Schmidt lassen sich ihren Kaffee von Barista & Röster Heizer schmecken. Foto: Natalie Dresler

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Niklas Bruder und Angelika Schmidt lassen sich ihren Kaffee von Barista & Röster Heizer schmecken. Foto: Natalie Dresler

Der Altschweierer Niklas Bruder hat sich vorgenommen, bis Ostern auf Alkohol zu verzichten. „Nach einer sehr feuchtfröhlichen Faschingszeit – auch wenn es sie dieses Jahr nicht wirklich gab – möchte ich meinem Körper damit bewusst etwas Gutes tun.“ Seine Freundin Angelika Schmidt nimmt die Fastenzeit ebenfalls als Anlass, gesünder zu leben und versucht, 40 Tage lang ohne Industriezucker auszukommen. Der Lockdown habe die Entscheidung des jungen Pärchens nicht beeinflusst.

Versucht, weniger online zu shoppen: Julian Durst. Foto: Natalie Dresler

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Versucht, weniger online zu shoppen: Julian Durst. Foto: Natalie Dresler

Ein Fasten der etwas anderen Art probiert der Bühler Julian Durst derzeit aus. Er möchte sein Konsumverhalten ändern und hat sich dafür vorgenommen, jeden zweiten Monat auf Anschaffungen zu verzichten. Früher habe er viel online geshoppt und auch oft Dinge, die nicht wirklich notwendig waren. „Vieles braucht man eigentlich gar nicht und kauft es nur aus einer Laune heraus. Dieses Kaufverhalten möchte ich ändern und auch sowieso mehr lokal als online einkaufen“, erklärt der 34-Jährige. Zu dieser Erkenntnis sei er verstärkt aufgrund des Lockdowns und des betroffenen Einzelhandels gekommen.

Für die Steinbacher Simone Stübner und Thomas Hauck spielt die Fastenzeit keine Rolle. „Früher haben wir vielleicht gelegentlich auf Süßigkeiten verzichtet. Doch heute machen wir das nicht mehr – auch ohne Lockdown“, teilen die beiden mit und lächeln entspannt der Sonne entgegen. Mit dieser Einstellung sind sie nicht allein.

Hat noch nie gefastet: Christian Schallmayer aus Bühl. Foto: Natalie Dresler

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Hat noch nie gefastet: Christian Schallmayer aus Bühl. Foto: Natalie Dresler

Auch für Christian Schallmayer ist die Fastenzeit nicht relevant. Er sei ohne das Fasten aufgewachsen und werde es so für sich beibehalten. Die aktuelle Situation habe daher keinen Einfluss auf die Entscheidung des Bühlers. Jenny Birnbreier aus Steinbach bewundert Menschen, die konsequent fasten und auf geliebte Dinge verzichten können, „aber ich bin da leider zu undiszipliniert“, gesteht die junge Mutter.

Sammelt begeistert Kilometer: Heidi Graf. Foto: Natalie Dresler

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Sammelt begeistert Kilometer: Heidi Graf. Foto: Natalie Dresler

Bei der Eisentälerin Heidi Graf und ihrem Ehemann gibt es zurzeit kein Abendbrot und auch Süßigkeiten werden gemieden. „Die 40 Tage halten wir hoffentlich durch“, sagt sie fröhlich. Corona sei für das Fasten nicht von Bedeutung – dafür aber für ein Projekt ihres Turnvereins: „Wir machen bei einer Aktion mit, die Menschen auch während dem Lockdown zu Bewegung motivieren soll. Wir sammeln Kilometer und machen so gemeinsam eine sportliche Weltreise“, erklärt sie stolz. Egal ob Joggen oder Fahrrad fahren, bei dieser „Weltreise“ des TVE wird jeder Kilometer gezählt. „Meine Mittwochs-Gruppe hat schon Kilometer bis nach Südfrankreich gesammelt. Wer weiß, ob wir das ohne Lockdown auch geschafft hätten.“

Eines wird an diesem sonnigen Markttag sehr deutlich: Die Bühler lassen sich vom Lockdown nicht unterkriegen und genießen ihr Wochenende und das herrliche Wetter. Ob mit oder ohne Fasten.

Ihr Autor

Natalie Dresler

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Erstellt:
21. Februar 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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