Faszinierende Blicke ins Weltall

Durmersheim (as) – Die Sternfreunde Durmersheim wagen sich in große Höhen, meist vor allem mit dem Blick durchs Teleskop. In Rahmen der Serie „Hoch hinaus“ stellt das BT den umtriebigen Verein vor.

Richten ihre Blicke gerne nach oben: Jürgen Linder und Margret Schmidt von den Sternfreunde Durmersheim in „ihrer“ Sternwarte. Foto: Anja Groß

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Richten ihre Blicke gerne nach oben: Jürgen Linder und Margret Schmidt von den Sternfreunde Durmersheim in „ihrer“ Sternwarte. Foto: Anja Groß

„Wie Sternpünktchen sehen sie aus“, beschreibt Jürgen Linder die am weitesten entfernten Galaxien, die er mit dem Teleskop der Sternwarte im Hof der Durmersheimer Realschule ausmachen kann. Unvorstellbare „zwölf bis 13 Milliarden Lichtjahre sind die entfernt“, erklärt Linder, wie hoch hinaus er schauen kann.

Geschultes Auge ist erforderlich

Allerdings brauche es ein geschultes Auge, um die sogenannten Quasare wahrnehmen zu können. Interessierten zeigen die Sternfreunde Durmersheim und Umgebung in ihrer Sternwarte lieber Krater und Gebirge auf dem etwa 384.000 Kilometer entfernten Mond, den Saturn-Ring oder die abnehmende Venus.

Die unendlichen Weiten des Weltalls faszinieren Jürgen Linder schon sein Leben lang. Besonders Kometen und Asteroiden haben es dem Sternfreude-Vorsitzenden angetan, der sich auch mit Astrofotografie beschäftigt und von seinem privaten Observatorium aus selber schon einen Kometen (Valdes Totas) und rund 100 Asteroiden entdeckt hat.

Als der Komet Halley sich 1986 in Erdnähe bewegte, hielt Linder darüber einige Vorträge und es fand sich eine Gruppe zusammen, die am 8. August 1988 den Verein gründete. Seit 2009 betreiben sie die kleine Sternwarte im Hof der Realschule, die mit Hilfe von Spenden, Sponsoren und Mitteln der Gemeinde Durmersheim gebaut wurde. Ziel: Wissen weitergeben und Interesse an Astronomie wecken.

Öffentliche Sternwarte

So veranstaltet der Verein mit zurzeit rund 40 Mitgliedern immer wieder Vorträge, beteiligt sich am Kinderferienprogramm, bietet sogenannte Mondspaziergänge in Kindergärten an oder informiert in Schulen. Jeden ersten Donnerstag im Monat (im Winter ab 20 Uhr, im Sommer ab 21 Uhr) laden sie zur öffentlichen Sternwarte, die auf Anfrage auch bei Sonderführungen besucht werden kann. Derzeit ist bei den Sternfreunden allerdings Sommerpause – wie es im September weitergeht, hängt natürlich von der Pandemielage ab, sagt Margret Schmidt, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Zusammen mit Linder hält sie auch Vorträge bei den Hector-Kinderakademien für hochbegabte Grundschulkinder in Ettlingen und Gernsbach. Ihr Interesse gilt dabei vor allem der Kosmologie, also dem Universum oder schwarzen Löchern. Der studierten Chemikerin geht es dabei weniger um Beobachtungen als um das Verständnis, „was die Welt zusammenhält“, wie sie sagt.

Beobachtung von Erdbahnkreuzern

Seit August 1991 betreuen die Sternfreunde auch die Meteorüberwachung für die Deutsche Luft und Raumfahrt (DLR) auf dem Dach des Gymnasiums Gernsbach. Linder und Schmidt wirken zudem in Projekten der europäischen Raumfahrtagentur ESA zur Asteroidensuche mit. Ziel sei es, sogenannte Erdbahnkreuzer zu entdecken – „also Objekte zu finden, die der Erde gefährlich werden könnten“, erläutert Linder.

Den Sternfreunden stehen zehn Teleskope zur Verfügung, um mit ihren Blicken hoch hinaus ins Weltall vorzudringen. Eine 35-Zentimeter-Öffnung hat das größte, sechs Zentimeter das kleinste, erklärt Linder. Zu hohe Erwartungen von Besuchern dämpft er gleich: „Mit Bildern aus dem All ist das nicht vergleichbar, man sieht das meiste nur schwarz-weiß.“ Die Himmelsbeobachtung deutlich erleichtern würde eine Fernsteuerung für die Teleskope, spricht Linder in diesem Zusammenhang einen großen Wunsch des Vereins an. Doch das ist teuer – zu teuer für die Vereinskasse.

„Ich gucke mir auch die Sonne an“

Ein Problem bei der Beobachtung sei mittlerweile, dass der Himmel nachts „viel heller ist als früher“, berichtet Margret Schmidt. Man könne von der Sternwarte Durmersheim aus gerade die Milchstraße sehen, was die beiden offenbar nicht sehr weit finden, denn sie sagen mit leichtem Bedauern: „Für mehr muss man in den Schwarzwald hoch.“

Wenn er erzählt, was ihm dort schon alles vor die Linse gekommen ist, gerät Jürgen Linder regelrecht ins Schwärmen. Seine Begeisterung wirkt ansteckend, sein Wissen scheint schier unerschöpflich. Und es macht ihm einfach Spaß, das weiterzugeben, was er sich über die Jahrzehnte „aus Neugier“ angeeignet hat. Langweilig werde es ihm dabei nie, sagt Linder, schließlich gebe es immer wieder Neues zu entdecken. Am liebsten schaue er 365 Tage und Nächte im Jahr in den Himmel – „ich gucke mir auch die Sonne an“. Da verwundert es nicht, dass zu seinem Urlaubsgepäck oft auch ein Teleskop gehört.

Astronomie für Anfänger: Mondkrater sind auch für Ungeübte gut zu sehen. Foto: Jürgen Linder

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Astronomie für Anfänger: Mondkrater sind auch für Ungeübte gut zu sehen. Foto: Jürgen Linder

Mit der Spezialkamera hat Jürgen Linder diesen Sonnennebel fotografiert. Foto: Jürgen Linder

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Mit der Spezialkamera hat Jürgen Linder diesen Sonnennebel fotografiert. Foto: Jürgen Linder

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
29. August 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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