Fehlende Daten erschweren Kontaktaufnahme

Baden-Baden (kie) – Konzertabsage des „Danish String Quartet“: Das Festspielhaus konnte nicht alle Besucher am Sonntag rechtzeitig informieren.

Hätten eigentlich am vergangenen Sonntag im Festspielhaus gastieren sollen: das dänische Kammerensemble „Danish String Quartet“. Foto: Caroline Bittencourt

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Hätten eigentlich am vergangenen Sonntag im Festspielhaus gastieren sollen: das dänische Kammerensemble „Danish String Quartet“. Foto: Caroline Bittencourt

Nur wenige Stunden blieben dem Festspielhaus Baden-Baden am vergangenen Sonntag, um umzuplanen. Nachdem erst am Mittag bekannt wurde, dass es einen positiven Corona-Fall in den Reihen des dänischen Kammerensembles „Danish String Quartet“ gibt, sei es laut Festspielhaus-Sprecher Rüdiger Beermann anders als bei vergangenen Veranstaltungen jedoch nicht möglich gewesen, bis Konzertbeginn um 17 Uhr einen „adäquaten Ersatz“ zu finden.

Die Hälfte der Ticketbesitzer konnte allerdings nicht mehr rechtzeitig über die Absage informiert werden – weil keine Kontaktinformationen beim Ticketkauf hinterlegt wurden. Die Folge: Sie wurden erst im Festspielhaus darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Konzert ersatzlos entfallen muss.

Laut Beermann habe es deshalb aber keine Aufregung vor Ort gegeben: „Wir haben ein unglaublich verständnisvolles Publikum“, sagt er. Sobald klar gewesen sei, dass das Ensemble, das unter anderem Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ gespielt hätte, nicht wie geplant auftreten kann, habe man versucht, die Besucher zu erreichen.

Mit dem Wegfall der verpflichtenden Kontakterfassung Ende Februar sind Besucher von Kulturveranstaltungen jedoch nicht länger dazu gezwungen, beim Ticketkauf Kontaktdaten zu hinterlegen. Eine umgehende Information des Publikums wird damit natürlich nicht einfacher. Wer sichergehen möchte, auch über äußerst kurzfristige Änderungen rechtzeitig informiert zu werden, sollte dementsprechend seine Daten beim Kartenkauf trotzdem angeben.

Kurzfristige Änderungen immer möglich

Veranstaltungsabsagen wegen der Corona-Pandemie scheinen immer unwahrscheinlicher zu werden, doch diese Arglosigkeit trügt – auch weil alte und neue Gründe immer wieder für einen veränderten Spielplan sorgen. Das Engagement von Anna Netrebko am 13. April etwa wurde wegen der mangelnden Distanzierung der Sängerin vom russischen Präsidenten und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine abgesagt.

Aber auch das Wetter machte erst kürzlich eine Programmänderung nötig: So konnte der russische Pianist Arcadi Volodos Ende Februar wegen einer orkanartigen Wetterlage nicht den Flug nach Deutschland antreten; als Ersatz wurde Igor Levit gewonnen.

Das Coronavirus sorgte hingegen für spontane Änderungen beim Silvesterkonzert, als mehrere Corona-Fälle in den Reihen der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern das Konzerthaus an der Oos zur Improvisation zwang – und die Pianistin Olga Wien die Sänger Klaus Florian Vogt, Annette Dasch und Daniel Schmutzhard begleitete. Und die Pianistin Sophie Raynaud rettete den „Ring an einem Abend“ nach Loriot: Sie trat anstelle der Staatskapelle Weimar auf, die Anfang Februar ebenfalls mit Corona-Fällen im Orchester zu kämpfen hatte.

Da das Konzert des „Danish String Quartet“ ersatzlos entfällt, erhalten Kartenbesitzer nun ihr Geld zurück. Eine Entschädigung für die Anreise nach Baden-Baden wird es hingegen nicht geben.


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